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Neuer weltweiter Öko-Check soll bei Artenschutz helfen
Weltweite Artenvielfalt
25.04.2019 - 15:41 Uhr
Berlin (dpa) - Inventur der Natur: Am Montag startet in Paris eine Konferenz zum neuen Report über die weltweite Artenvielfalt. Drei Jahre lang haben 150 Experten aus 50 Ländern das vorhandene Wissen zusammengetragen und analysiert.

Nun werden sie zusammen mit rund 100 Regierungsvertretern eine Woche lang an einem Papier mit den Kernaussagen ihres Reports feilen, das dann als Handlungsgrundlage etwa für Politiker dienen soll. Am 6. Mai will der Weltbiodiversitätsrat IPBES diese Zusammenfassung veröffentlichen. Beteiligte Forscher hoffen, dem Artenschutz neuen zu Aufwind verleihen und einen Wandel Richtung nachhaltige Entwicklung anstoßen zu können.

Klimawandel, intensive Landwirtschaft, Verschmutzung, Überfischung, Wilderei und die Zerstörung natürlicher Lebensräume - die Ursachen sind bekannt. Wie schlimm es um die Artenvielfalt der Welt steht, hatte zuletzt 2005 das Millennium Ecosystem Assessment gezeigt: Die Ökosysteme seien in den davorliegenden 50 Jahren größeren Belastungen ausgesetzt gewesen als je zuvor. Und eine Umkehr sei dringend nötig. Nun legt der IPBES-Bericht nach. Noch ist über seine Ergebnisse nichts bekannt. Dass sich zwischenzeitlich etwas grundlegend gebessert hat, ist kaum zu erwarten. Die aktuelle Fachliteratur zeige, dass der Rückgang der Artenvielfalt noch nicht gestoppt sei, sagt auch Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Halle, einer der drei Hauptautoren des IPBES-Berichts.

Neben den Problemen sind auch mögliche Lösungen in den allermeisten Fällen bekannt. Was kann ein neuer Bericht an der dennoch ernüchternden Entwicklung ändern? «Das IPBES Globale Assessment führt erstmals seit dem Millennium Ecosystem Assessment von 2005 die gesamten wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Zustand und den Trend der Arten, Ökosysteme und Ökosystemleistungen zusammen», sagt Günter Mitlacher, Leiter Internationale Biodiversitätspolitik bei der WWF. «Seitdem sind neue Erkenntnisse hinzugekommen, so dass mit dem IPBES-Assessment die Erkenntnislage auf dem neusten Stand ist.»

Und das sei, so IPBES-Vorsitzender Sir Robert Watson, die Voraussetzung für erfolgreichen Artenschutz: «Politische Maßnahmen, Anstrengungen und Handlungen werden - auf allen Ebenen - nur erfolgreich sein, wenn sie auf bestem Wissen und Beweisen beruhen. Das ist es, was das Globale Assessment des IPBES bereitstellt.» Fast 15.000 Quellen haben die Experten für ihren Bericht analysiert, 250 weitere Fachleute lieferten Wissen direkt zu. Erstmals wurden auch Erkenntnisse und Interessen indigener Bevölkerungen und anderes Lokalwissen aufgenommen.

Die Forscher haben unter anderem geprüft, wie weit die Welt bei bereits vereinbarten Artenschutz-Zielen gekommen ist. Dazu zählen die 2010 von der Konferenz zur Biodiversitätskonvention (CBD) beschlossenen Aichi-Ziele. Sie sehen etwa vor, dass bis 2020 die Verlustrate an natürlichen Lebensräumen mindestens halbiert, die Überfischung der Weltmeere gestoppt sowie 17 Prozent der Landfläche und 10 Prozent der Meere unter Schutz gestellt werden. Auch die Umsetzung der UN-Ziele zur nachhaltigen Entwicklung (SDG) und des Pariser Klimaabkommens nahmen die Experten in den Blick.

Den besonderen Stellenwert der Meere hebt Mitautor Julian Gutt, Meeresbiologe am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven hervor. «Das Leben im Meer ist fast genauso wichtig für uns Menschen wie das Leben an Land.» Was darin passiere, sei aber schlechter sichtbar. Gutt zeigt sich mit Blick auf die Ozeane dennoch vorsichtig optimistisch. «Im Meer sind nach allem was wir wissen, bisher noch weniger Arten ausgestorben als an Land.» Das gebe Hoffnung, dass dezimierte Arten sich erholen könnten.

Wie unsere Welt in Zukunft aussehen könnte, stellten die IPBES-Autoren in sechs Szenarien dar, etwa unter der Annahme, dass die Menschheit weiter macht wie bisher oder lernt, global oder regional nachhaltig zu wirtschaften. Das ist einer der Bereiche, an dem auch die Sozialwissenschaft gefragt ist. Eine einzigartige Schnittstelle zwischen Politik und Wissenschaft nennt Jens Jetzkowitz von der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg den IPBES-Bericht. Es gehe darin nicht nur um die unmittelbaren Ursachen, sondern auch um indirekte Treiber von Artenverlust wie etwa Macht- und Finanzierungsstrukturen.

Oft wird der Weltbiodiversitätsrat mit dem Weltklimarat IPCC verglichen, der Wissen zum Stand und den möglichen Folgen des Klimawandels bereitstellt. Der IPBES-Bericht soll unter anderem eine Grundlage für die nächste Vertragsstaatenkonferenz der Biodiversitätskonvention (CBD) 2020 im chinesischen Kunming sein.

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