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Boll vom Fieber gestoppt - Einzige Medaille im Mixed
Timo Boll
25.04.2019 - 22:42 Uhr
Budapest (dpa) - Mit 38 Jahren zum ersten Mal Weltmeister? Die Tischtennis-WM in Budapest hätte für Timo Boll zur Krönung einer außergewöhnlichen Karriere werden können.

Doch bevor es dazu oder wenigstens zu der Chance auf eine Medaille kommen konnte, schickte der deutsche Verband eine bittere Nachricht in die Messehallen «Hungexpo»: «Timo hat über Nacht Fieber bekommen», sagte der Sportdirektor Richard Prause darin. Die Weltmeisterschaft der großen Favoritenstürze und der für ihn so günstigen Auslosung war für den Rekordeuropameister auf einmal wie aus dem Nichts vorbei.

«Das ist höhere Gewalt. Und Timo ist natürlich sehr enttäuscht», sagte Prause später der Deutschen Presse-Agentur. Denn Boll musste am Vormittag zunächst sein Achtelfinal-Match im Einzel gegen Jang Woojin absagen aus Südkorea und dann am späten Nachmittag auch noch das Doppel-Viertelfinale mit seinem Partner Patrick Franziska. Einen halben Tag lang versuchten die Ärzte des Deutschen Tischtennis- vergeblich, das Fieber zu senken. Es ging sogar noch weiter hinauf.

Bitter für Boll ist: Im Doppel hatte den beiden Freunden aus dem Odenwald nur noch ein Sieg gegen die Portugiesen Tiago Apolonia und Joao Monteiro gefehlt, um mindestens schon einmal die Bronzemedaille sicher zu haben. Noch bitterer für Boll ist: Gerade im Einzel nahm ihm diese Erkrankung eine Chance, die er in seinem Alter vielleicht nicht wieder bekommen wird. «Es ist natürlich besonders schade, weil die ganze Turnierhälfte von Timo offen war», sagte Prause.

Der Weltranglisten-Erste Fan Zhendong (China): im Achtelfinale raus. Der an Nummer zwei gesetzte Xu Xin (China): schon in der 3. Runde raus. Das japanische Wunderkind Tokomazu Harimoto: kurz nach Bolls Absage gescheitert. Und der Olympiasieger Ma Long (China): nach langer Pause noch längst nicht wieder in Bestform.

Timo Boll hat zwar in seiner mehr als 20-jährigen Profi-Laufbahn schon vieles erlebt. Er gewann einmal in China gegen alle damals amtierenden Weltmeister und Olympiasieger der Tischtennis-Großmacht den World Cup. Er schied aber auch schon einmal als Weltranglisten-Erster in der zweiten Runde einer WM aus. Was Boll aber selbst bis zu diesem Tag in Budapest noch nicht kannte, war eine Fügung aus Losglück und plötzlichen Schwächen seiner Konkurrenz, die auf einmal vieles für ihn sprechen ließ. «Timo hätte gegen alle Spieler auf seiner Seite eine sehr gute Chance gehabt», sagte Prause.

Jang Woojin im Achtelfinale. Der nächste Koreaner An Jaehyun im Viertelfinale. Und dann entweder der Franzose Simon Gauzy oder der Schwede Mattias Falck in einem möglichen Halbfinale: Sie alle hat Boll bei wichtigen Turnieren schon deutlich geschlagen. Schon nach der Hälfte des Turnieres steht fest, dass es bei den Herren zum ersten Mal seit 2003 kein rein chinesisches WM-Endspiel geben wird.

«Natürlich haben wir die Auslosung ein bisschen im Kopf. Ich bin froh, dass ich mich gut in das Turnier hineingearbeitet habe», sagte er selbst noch am Vorabend.

Denn für Boll war diese WM bis zum Aufkommen des Fiebers so ähnlich verlaufen wie die erfolgreiche Europameisterschaft 2018. Er hatte einige Verletzungsprobleme im Vorfeld, er fühlte sich nicht wohl und nicht in Form. Doch der Profi von Borussia Düsseldorf steigerte sich von Spiel zu Spiel, auch weil er mit 38 Jahren sehr gut weiß, wie er mögliche Risiken und Schwächen «in mein Spielsystem einbaut. Ich agiere taktischer, spiele näher an der Platte, damit ich nicht so viel laufen muss», sagte er der «Bild am Sonntag» zu Beginn der WM.

Den Europameistertitel gewann Timo Boll auf diesem Weg noch zum siebten Mal. Der WM-Titel im Einzel wird für ihn aber wohl ein Traum bleiben. Sein bestes Ergebnis bei einer Weltmeisterschaft bleibt weiter eine Bronzemedaille 2011. Auch wenn Prause am Ende sagte: «Ich glaube nicht, dass das seine letzte Chance war. Dafür habe ich bei Timo Boll schon zu viele vermeintlich letzte Chancen erlebt.»

Patrick Franziska und Petrissa Solja haben das Endspiel im Mixed verpasst. Der Weltranglisten-18. und die europäische Top-16-Siegern verloren im Halbfinale in 1:4 Sätzen gegen die Titelverteidiger Maharu Yoshimura und Kasumi Ishikawa aus Japan. «Wenn man ein WM-Halbfinale verliert, ist man natürlich enttäuscht», sagte Franziska, der in dieser Partie durch eine Verstauchung am Zeh gehandicapt war. «Wir hätten aber auch verloren, wenn ich mich besser hätte bewegen können. Unsere Gegner waren einfach besser.»

Der 26 Jahre alte Franziska (1. FC Saarbrücken) und die 25 Jahre alte Solja (TSV Langstadt) hatten allerdings schon vor dieser Niederlage die Bronzemedaille sicher, da dritte Plätze bei einer WM nicht extra ausgespielt werden. Die beiden holten damit die einzige deutsche Medaille in Budapest.

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