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Bund will gegen Österreichs Fahrverbote klagen
Autobahnauffahrt
24.06.2019 - 14:43 Uhr
München (dpa) - Im Streit zwischen Deutschland und Österreich wegen mehrerer Verkehrsthemen plant das Bundesverkehrsministerium eine Klage gegen das Nachbarland.

Ressortchef Andreas Scheuer (CSU) bezeichnete die Blockabfertigungen von Lastwagen an der Tiroler Grenze und die Sperrung von Landstraßen für den Ausweichverkehr am Rande der CSU-Vorstandssitzung am Montag in München als «zutiefst diskriminierend»: «Dieses Verhalten kann ich nur aufs Schärfste zurückweisen.» Die Klage werde nun in der Koalition besprochen. Einen genauen Zeitplan gab es zunächst noch nicht. Damit die Klage kommen kann, muss das Kabinett aus SPD, CDU und CSU zustimmen.

Immer wieder - meist an erwartbar verkehrsreichen Tagen - lässt Tirol nur bis zu 300 Lkw pro Stunde aus Bayern Richtung Innsbruck durchfahren, um die eigene Autobahn zu entlasten. Die Verantwortlichen sagen, dass sei unter anderem nötig, um die Bevölkerung vor Abgasen und Lärm zu schützen.

Dadurch stauen sich Lkw auf deutschen Straßen auf vielen Kilometern vor der österreichischen Grenze. Seit einigen Tagen versucht das Bundesland zudem, den Ausweichverkehr zu stoppen, so dass Autofahrer auch bei einem Stau auf der Autobahn bleiben. Sie sollen nicht über Dörfer fahren. Die Maßnahme soll an allen Wochenenden bis Mitte September gelten.

CSU-Chef Markus Söder unterstützt die Klage. Das Verhalten Tirols bezeichnete der bayerische Ministerpräsident als «enttäuschend». Man wolle im Gespräch mit Österreich bleiben, müsse aber auch die juristische Frage klären. Fahrverbote in Bayern schloss Söder aber kategorisch aus. Solche Gegenmaßnahmen seien «albern».

Der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Alexander Dobrindt, bezeichnete die Verkehrseinschränkungen in Tirol als «unverständlich». Dies sei kein guter Umgang. Um das hohe Verkehrsaufkommen im Inntal zu verringern, will Scheuer einen Teil des Verkehrs auf die Schiene verlagern. Hierzu liefen Gespräche.

Mit Blick auf die erfolgreiche Klage Österreichs gegen die zunächst geplante Pkw-Maut in Deutschland erklärte Söder: Es könne nicht sein, dass Österreich der Auffassung sei, eine deutsche Maut behindere die Reisefreiheit, und dass es gleichzeitig die Durchfahrt abriegele.

«Am Ende brauchen wir aber eine europaweite Lösung für alle», sagte er, «weil natürlich dieses ganze System auf Dauer nur dazu geeignet ist, Nachbarschaften zu belasten und im Endeffekt in Kleinstaaterei zu verfallen.» Dies sei für Europa «gerade in dieser Zeit eigentlich der total falsche Ansatz». Scheuer sagte bezüglich des Stopps der deutschen Pkw-Maut durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH): «Ich habe das Urteil nicht zu kritisieren. Ich habe es zu akzeptieren.»

Söder fand laut Teilnehmern in der CSU-Vorstandssitzung härtere Worte: «Das Maut-Urteil trifft die CSU ins Mark. Das ist ein schwerer Schlag.» Scheuer betonte aber, dass das Scheitern der geplanten Maut auch finanzielle Konsequenzen habe: «Wir haben Einnahmeausfälle für den Verkehrsetat in Milliardenhöhe.» Damit müsse man nun zurechtkommen, es sei aber wichtig, die laufenden Investitionen in die Infrastruktur nicht zu kürzen.

Tirols Landeschef Günther Platter sieht einer möglichen Klage Deutschlands gelassen entgegen. «Unsere Maßnahmen sind zu 100 Prozent EU-rechtlich gedeckt», sagte Platter nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA am Montag. Aus seiner Sicht sei es sinnvoller, an Maßnahmen für die Bevölkerung zu arbeiten statt an einer Klage. «Wir haben diese Maßnahmen nicht aus Jux und Tollerei verhängt, es sind vielmehr Notmaßnahmen, um die Verkehrs- und Versorgungssicherheit in unserem Land zu gewährleisten.»

Österreichs Verkehrsminister Andreas Reichhardt hat sich derweil auf die Seite der Tiroler Bevölkerung gestellt. «Der Bundesminister hat grundsätzlich Verständnis für die Tiroler Bevölkerung», sagte Ministeriumssprecherin Elisabeth Hechenleitner am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Zudem gehe Reichhardt aber auch davon aus, dass sich das Land Tirol bei der Einführung von Fahrverboten auf Ausweichstrecken an Wochenenden europarechtlich abgesichert habe.

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