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Suche nach Eurofighter-Flugschreibern - Vorerst keine Starts
Wrackteil eines Eurofighters
25.06.2019 - 15:58 Uhr
Berlin / Laage (dpa) - Einen Tag nach der Kollision zweier Eurofighter-Kampfjets über der Mecklenburgischen Seenplatte haben Hunderte Bundeswehrsoldaten die Region um die Absturzstellen durchkämmt, um die Flugschreiber und weitere Wrackteile zu finden.

Mehr als 300 Militärangehörige waren am Dienstag rund um die Ortschaften Nossentiner Hütte, Silz und Jabel nahe der Kleinstadt Malchow im Einsatz. Die Suche könne noch über das Wochenende hinaus andauern, sagte ein Bundeswehrsprecher.

Das mehrere Quadratkilometer große Gebiet, in dem Teile der zwei abgestürzten Maschinen vermutet werden, sei zum Teil unwegsam. Zum Suchgebiet gehören auch Seen.

Bei dem Absturz der beiden «Eurofighter»-Maschinen war am Montagnachmittag ein Pilot ums Leben gekommen. Der 27-Jährige ausgebildete Kampfpilot habe rund 400 Stunden Flugerfahrung gehabt, twitterte die Luftwaffe. Der zweite wurde verletzt geborgen und in ein Krankenhaus in Rostock gebracht. Er ist den Angaben zufolge ein erfahrener Fluglehrer mit mehr als 3700 Flugstunden Erfahrung.

Die Verletzungen des Überlebenden wurden als nicht lebensgefährlich beschrieben. Er war am Dienstag in gesundheitlich stabiler Lage in einem Rostocker Krankenhaus. Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut, sagte ein Presseoffizier des Geschwaders 73 «Steinhoff». Der Pilot war von Rettungsmannschaften lebend aus einem Baum geborgen worden. Beide Piloten hatten sich per Schleudersitz aus ihren Maschinen katapultieren können.

Beide Maschinen gehörten zum Luftwaffengeschwader 73, das in Laage bei Rostock stationiert ist. Seine Hauptaufgabe ist die Ausbildung der Eurofighter-Piloten. In dieser Woche starten von dort voraussichtlich keine Jets mehr, wie ein Sprecher sagte. Da die Unglücksursache noch unklar sei, werde der Flugbetrieb ausgesetzt. Auch die Crews müssten den Vorfall erst verarbeiten.

Normalerweise starten die Eurofighter aus Laage etwa 20 Mal pro Tag, hieß es. Das Gebiet, in dem sie fliegen, könne dabei jeden Tag wechseln, da es von der Deutschen Flugsicherung zugewiesen werde. Manchmal werde wie am Montag über der Seenplatte geflogen, manchmal auch über Niedersachsen, Schleswig-Holstein oder Brandenburg, sagte der Sprecher. Der Geschwader-Kommodore Oberst Gero von Fritschen will den Angaben zufolge einen Auslandseinsatz vorzeitig beenden und auf den Stützpunkt zurückkehren. Die Flagge weht dort auf Halbmast.

Der Bürgermeister von Waren an der Müritz, Norbert Möller (SPD), sprach sich nach dem Unfall für einen Verzicht auf militärische Übungstiefflüge in Urlauberregionen aus. «Viele Touristen haben kein Verständnis dafür, dass ausgerechnet rings um die Müritz solche Tiefflüge geübt werden», sagte Möller der Deutschen Presse-Agentur. Auch Landespolitiker von Linken und Grünen forderten ein Verbot oder zumindest eine kritische Prüfung der Tiefflüge.

Der CDU-Politiker Henning Otte verteidigte die Luftkampfübungen. «Die Bundeswehr muss dort üben, wo sie im Bedarfsfall auch verteidigt», sagte der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsbundestagsfraktion im Deutschlandfunk. Er äußerte sein Unverständnis zur Forderung der Linken im Schweriner Landtag, die Luftkampfübungen zu beenden. Der Parlamentarische Geschäftsführer der dortigen Oppositionsfraktion, Peter Ritter, hatte die Übungen für unnötig erklärt.

Am Morgen wurde ein Wrackteil in unmittelbarer Nähe eines Kindergartens gefunden. Ein Mitarbeiter der Gemeinde Nossentiner Hütte entdeckte das etwa einen halben Meter lange Bauteil auf einem benachbarten Sportplatz, nach Angaben der Kindergartenleiterin etwa 40 Meter entfernt von den Spielgeräten. «Wir können von Glück reden, dass wir so davon gekommen sind», sagte sie. Einige der Kinder hätten den Absturz eines der beiden Kampfjets am Montag vom Fenster aus beobachtet. Bundeswehrangehörige bargen das zerbeulte Wrackteil, äußerten sich aber nicht zu dessen Funktion.

Das Verteidigungsministerium wies Spekulationen zurück, die Flugzeuge seien in keinem guten Zustand. So sei die Einsatzfähigkeit der Eurofighter inzwischen deutlich gestiegen und liege nun bei 60 Prozent, sagte ein Sprecher. Wenn die Quote der einsatzbereiten Jets weiter Richtung 70 Prozent steige, sei Deutschland unter den besten Ländern. Der Eurofighter sei das sicherste Kampflugzeug in der Geschichte der Bundeswehr. Seit 2004 sei kein deutscher Eurofighter abgestürzt, hatte der Inspekteur der Luftwaffe, Ingo Gerhartz, am Montag erklärt.

Das Luftwaffengeschwader 73 «Steinhoff»

Schleudersitze: Lebensretter für Jet-Piloten

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