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Deutschland schwitzt: DWD misst 36,8 Grad in Düsseldorf
Hundemüde
25.06.2019 - 18:57 Uhr
Essen (dpa) - Den bislang heißesten Tag des Jahres hat der Deutsche Wetterdienst am Dienstag in Nordrhein-Westfalen registriert. Nach vorläufigen Zahlen wurden am Nachmittag am Düsseldorfer Flughafen 36,8 Grad gemessen.

Bestätigt sich der Düsseldorfer Messwert, wäre dies auch die höchste am Dienstag vom DWD in Deutschland gemessene Temperatur und der bisherige Jahres-Höchstwert bundesweit.

Der Messwert vom Düsseldorfer Flughafen bedeute einen neuen Stationsrekord für Juni, sagte DWD-Meteorologe Erwin Hafenrichter in Essen. Der bisherige Höchstwert lag bei 35,2 Grad. Von der höchsten jemals in einem Juni in NRW gemessenen Temperatur blieb der Wert aber noch ein Stück entfernt: In Herten im Kreis Recklinghausen hatte das Thermometer im Juni 2002 genau 38,3 Grad angezeigt.

Zugleich musste nach Angaben der Bundespolizei nahe dem Düsseldorfer Flughafen-Bahnhof ein in der Hitze stehengebliebener Zug evakuiert werden. Aufgrund großer Hitze und eines Ausfalls der Klimaanlagen müssten die Reisenden aus den Waggons geholt werden, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei am Dienstagabend der Deutschen Presse-Agentur. Ein Großeinsatz von Rettungskräften sei angelaufen.

Der Hitzerekord könnte allerdings am Mittwoch fallen; denn Hoch «Ulla» bringt ganz Deutschland immer mehr ins Schwitzen: Die Hitze erreicht zur Wochenmitte vielerorts ihren Höhepunkt. Besonders im Südwesten steigen die Temperaturen bis auf 39 Grad, wie der Deutsche Wetterdienst am Dienstag mitteilte.

«Im Saarland und im Rheintal kratzen wir an der 40-Grad-Marke», sagte der DWD-Meteorologe Andreas Friedrich am Dienstag. In Nordrhein-Westfalen und im Norden sollen die Temperaturen dagegen etwas zurückgehen.

Wird nun ein historischer Hitze-Rekord aufgestellt? «Ausschließen kann man es nicht. Aber es ist nicht das wahrscheinlichste Szenario», meinte Friedrich. Den Rekord in Deutschland hält das bayerische Kitzingen: Sowohl am 5. Juli 2015 als auch am 7. August 2015 registrierte der DWD an der dortigen Messstation 40,3 Grad Celsius.

Allerdings sind die Werte für den Frühsommer sehr hoch. Deshalb ist wahrscheinlicher, dass ein Juni-Rekord aufgestellt wird. Für den Monat wurde der höchste Wert am 27. und 28. Juni 1947 mit 38,5 Grad im baden-württembergischen Bühlertal gemessen.

Die Menschen schwitzten bereits am Dienstag vielerorts bei hochsommerlichen Temperaturen. Ob am Bodensee, in München oder im Berliner Lustgarten: Überall suchten die Menschen Erfrischung, hüpften in Freibäder und Seen oder kühlten sich an Springbrunnen und Rasensprengern ab. An vielen Schulen gab es Hitzefrei.

Riskant für die Gesundheit ist dieser Tage nicht nur die Hitze, sondern auch die UV-Belastung. Beides hängt nicht unbedingt zusammen, wie Andreas Matzarakis vom Freiburger Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes erklärte. Wenn beides hoch ist, wie in diesen Tagen, wird es gefährlich. Dann gilt es nach Möglichkeit zwischen 11 und 15 Uhr den Aufenthalt im Freien zu vermeiden, auch im Schatten sonnendichte lange Kleidung zu tragen, eine Sonnenbrille und einen breitkrempigen Hut aufzusetzen und Sonnencreme zu verwenden.

Gefährlich wird es auch, wenn Mensch oder Tier bei dieser «Sahara-Hitze» im Auto eingeschlossen sind. In Feldkirchen bei München schloss eine Mutter am Montag versehentlich ihr Kind im Auto ein. Weil sie den Wagen nicht mehr öffnen konnte, kam die Polizei zur Hilfe - die Beamten öffneten den Wagen gewaltsam. Das Kind blieb unverletzt.

In Euskirchen soll ein Mann während eines Badbesuchs seinen Hund in einem überhitzten Campingbus gelassen haben. Zeugen wurden auf das jaulende Tier aufmerksam und riefen die Polizei, die den Hund befreite. Das uneinsichtige Herrchen erhielt eine Strafanzeige.

Auch andere europäische Länder stöhnen unter extremer Hitze. Im Süden Frankreichs werden am Donnerstag und Freitag Spitzenwerte von mehr als 40 Grad erwartet. Und vor allem die großen Städte kämpfen bei diesem Wetter mit schlechter Luft. In Paris gibt es kostenlose Parkplätze - so sollen Anwohner animiert werden, ihr Auto stehen zu lassen und stattdessen den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen.

Nachdem in Italien der Mai komplett verregnet war, sind auch dort die Temperaturen zuletzt rapide gestiegen. Am heißesten soll es auch dort Ende der Woche werden, etwa für Turin sagte der Wetterdienst 3bMeteo Temperaturen bis zu 42 Grad voraus. Auf dem 2128 Meter hohen Berg Pilatus bei Luzern in der Schweiz fiel am Dienstagmorgen schon vor 10 Uhr ein Hitzerekord: Es wurden in der Höhe 21,7 Grad gemessen, 0,1 Grad mehr als beim bisherigen Rekord am 18. Juni 2013, berichtete der private Wetterdienst MeteoNews.

Außerhalb Europas leiden Menschen ebenfalls unter enormer Hitze. In Indien sind seit Juni bereits mehr als 130 Menschen bei Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius ums Leben gekommen. Bei den Opfern handelt es sich nach Angaben der örtlichen Behörden vor allem um Menschen, die im Freien arbeiteten. Mit der beginnenden Monsunzeit gehen die Temperaturen in Teilen des Landes langsam zurück.

Am Donnerstag wird es dem DWD zufolge ein starkes Temperaturgefälle zwischen Nord und Süd geben. Während in Hamburg nur noch Werte um die 20 Grad erwartet werden, ist es etwa am Oberrhein weiterhin brütend heiß mit Temperaturen von 37 bis 38 Grad. Und im Südwesten ist auch kaum Änderung in Sicht. Laut der aktuellen Prognosen des DWD bleiben die Temperaturen bis zum 4. Juli tagsüber oberhalb der 30-Grad-Marke.

Deutscher Wetterdienst

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