Auch die Nase wird immer kürzer

Baden-Baden (hez) – Dem Baden-Badener Schutzengel geht es nicht gut – und seiner „Wohnstätte“ auch nicht. Das bekannte Fürstenberg-Denkmal an der Leopoldstraße muss dringend saniert werden.

Dem Schutzengel am Fürstenberg-Denkmal geht es nicht gut. Die Anlage weist große Schäden auf. Foto: Zeindler-Efler

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Dem Schutzengel am Fürstenberg-Denkmal geht es nicht gut. Die Anlage weist große Schäden auf. Foto: Zeindler-Efler

Von Henning Zorn

Wenn Björn Käckell vom Fachgebiet Gebäudemanagement in eine Sitzung gemeinderätlicher Gremien kommt, dann hat er in der Regel keine wirklich guten Nachrichten dabei. Meist muss er über teilweise überraschende, aber vor allem stets recht teure Sanierungsfälle berichten. So war es auch in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses.

Im Blickpunkt stand diesmal das beeindruckende und herrlich gelegene Fürstenberg-Denkmal am Hungerberg, von dem man einen großartigen Blick auf das Neue Schloss hat. Einst ließ Karl Egon Fürst zu Fürstenberg im Jahr 1870 dieses Denkmal über einer Terrasse aus rotem Sandstein errichten. Dies tat er aus Dankbarkeit dafür, dass ein Reitunfall seines Sohnes, der vom Pferd stürzte, relativ glimpflich verlaufen war.

So steht in der Mitte auch auf einem hohen Sockel ein Schutzengel aus weißem Marmor – ein Werk des Bildhauers Franz Xaver Reich, der auch das figürliche Relief im Giebel der Trinkhalle bearbeitet hat. Umgeben wird die Statue von einer offenen, halbrunden Säulenhalle mit steinernen Sitzbänken, die auf Plänen von Baurat Theodor Diebold basiert.

Sanierung kostet rund 160.000 Euro

Das ganze Denkmalensemble befindet sich in einem sehr schlechten Zustand und lässt, so Käckell, „enorme Schäden“ erkennen. Unter anderem weisen Teile der kleinen Säulen an der Balustrade große Sprünge und Risse auf, eine der Sitzbänke ist bereits völlig zerbrochen. Auch der Engel schaut ständig trauriger drein, seine Finger und seine Nasenspitze werden immer kürzer.

Dem Schutzengel am Fürstenberg-Denkmal geht es nicht gut. Die Anlage weist große Schäden auf. Foto: Zeindler-Efler

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Dem Schutzengel am Fürstenberg-Denkmal geht es nicht gut. Die Anlage weist große Schäden auf. Foto: Zeindler-Efler

Die Probleme sind schon länger bekannt, nicht aber die zu erwartenden Kosten. Noch im vergangenen Jahr war man nach einer oberflächlichen Untersuchung davon ausgegangen, für die Sanierung der bröckelnden Anlage rund 85000 Euro ausgeben zu müssen. Doch eine genauere Schadensanalyse ergab nun Kosten von 160.000 Euro. Außerdem hat sich gezeigt, dass sich die Reparatur nicht mehr auf die lange Bank schieben lässt, denn sonst ist das Denkmal „ernsthaft gefährdet“, so Käckell.

Vom Denkmalamt hat die Stadt auch schon eine Sanierungsgenehmigung erhalten. Allerdings muss man nun erst einmal die Freigabe von Fördermitteln durch das Land beantragen – vorher kann das Sanierungsprojekt nicht in Angriff genommen werden. Daher ist es momentan offen, ob die Arbeiten am Fürstenberg-Denkmal noch in diesem Jahr beginnen können.

Stadtrat Werner Schmoll (SPD) empfahl der Verwaltung, sich wegen der Kosten an das Haus Fürstenberg zu wenden und damit zu drohen, dass das von ihrem Vorfahren errichtete Denkmal sonst eingelagert werden müsse.

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Erstellt:
27. Januar 2020, 15:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 13sec

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