Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Auch pflegende Angehörige in der Bredouille

Baden-Baden (nof) – Das Sozialministerium hat verfügt, das auch Tagespflegeeinrichtungen geschlossen werden müssen. Das bringt pflegende Angehörige in eine schwierige Situation.

Zum Schutz der älteren Menschen müssen auch Tagespflegeeinrichtungen weitestgehend schließen.  Foto: Güttler/dpa

© dpa-avis

Zum Schutz der älteren Menschen müssen auch Tagespflegeeinrichtungen weitestgehend schließen. Foto: Güttler/dpa

Von Nico Fricke

Baden-Baden – Mit der angeordneten Schließung von Tagespflegeeinrichtungen im Zuge der Corona-Vorsichtsmaßnahmen sind Ende vergangener Woche viele Angehörige von pflegebedürftigen Menschen sprichwörtlich „vor den Kopf gestoßen worden“, sagt Manuela Lang. Die Fachbereichsleiterin Teilstationäre Altenhilfe beim Caritasverband Baden-Baden begrüßt zwar die „sehr sinnvolle Entscheidung: Wir haben hier schließlich eine Risikogruppe zu betreuen.“ Doch auf die Angehörigen sieht sie nun eine immense Belastung zukommen.

Diese hätten zum Teil aber schon mit der Schließung gerechnet. „Normalerweise betreuen wir über die Woche rund 100 Gäste in Steinbach“, Mitte vergangener Woche seien es noch 20 gewesen. Betroffene bekämen zwar weiter Unterstützung des ambulanten Pflegedienstes, doch auf absehbare Zeit werde die Situation kollabieren, befürchtet Lang. „Die Anforderungen an pflegende Angehörige sind schon in normalen Zeiten sehr hoch“, verweist sie auf die besonderen Bedingungen, die zum Beispiel der Umgang mit dementen Menschen mit sich bringe. Die Bestimmungen zur Notfallbetreuung würden aber nur bei medizinischer Begründung greifen. Die liege natürlich nicht bei allen Gästen vor. Bei der Caritas soll heute eine „Ideenbörse“ dazu beitragen, Hilfeleistungen zu koordinieren, kündigt Lang an: „Wir müssen aber von Stunde zu Stunde entscheiden, je nachdem, ob es eine Ausgangssperre gibt oder nicht.“ Mit der Schließung der Tagespflege stehe erstmal mehr Personal zur Verfügung, dieses habe bereits Bereitschaft signalisiert, wo notwendig zu Hause Hilfe anzubieten – wohl ehrenamtlich, wie Lang sagt. Die Fortbezahlung sei aber über die gesetzlichen Bestimmungen zugesagt, berichtet Lang, die zunächst keine finanziellen Einbußen befürchtet. Sie rechnet aber damit, viele Gäste nach dem Ende der Ausnahmesituation nicht mehr wiederzusehen, weil diese mittlerweile in stationären Einrichtungen untergebracht werden.

„Geschockt“ hätten auch Angehörige von externen Tagespflegegästen beim Christlichen Hilfsdienst (CHD) im Rebland auf die Schließung reagiert, sagt Geschäftsführer Michael Baumgartner. Sieben bis acht Gäste von außen seien davon betroffen. Auch er verweist auf die ärztlich festgestellte Notwendigkeit, um weiter betreut werden zu dürfen, so sei es in der Verordnung des Sozialministeriums zur Untersagung des Betriebs von Einrichtungen der Tages- und Nachtpflege festgelegt.

„Bedarf wird Angebot überschreiten“

Seine Einrichtung sei vom Pflegestützpunkt gefragt worden, wie viele Notfallplätze man anbieten könne. „Aufgrund der aktuellen Bestimmungen haben wir fünf Plätze. Doch der Bedarf wird das Angebot bald überschreiten“, erwartet Baumgartner.

Wie groß dieser ist, zeigt ein Schreiben, das in der BT-Redaktion eingegangen ist: „Mein Vater ist demenzkrank und die Tagesstätte ist die notwendige Routine, die er braucht, um überhaupt am Leben teilnehmen zu können. Es braucht dringend Notfall-Einrichtungen. Hier sollte man nach den Fällen entscheiden und nicht danach, welche Angehörige zu den Gruppen gehört, die jetzt unbedingt gebraucht werden“, schreibt der Leser.

Mit der Verordnung vom 18. März hat das Sozialministerium den Betrieb von Einrichtungen der Tages- und Nachtpflege untersagt. Es gilt allerdings, genauso wie bei der Kinderbetreuung, dass von den Anbietern der Tagespflege eine Notversorgung der pflegebedürftigen Personen sicherzustellen ist, wenn die pflegenden Angehörigen in Bereichen der „kritischen Infrastruktur“ arbeiten, teilt die städtische Pressestelle mit. „Auf Nachfrage bei den Diensten der Tagespflege in Baden-Baden haben diese mitgeteilt, dass die Pflegegäste und ihre Angehörigen über die Schließung informiert und zum Betreuungsbedarf befragt wurden. In wenigen Einzelfällen wurden Notbetreuungen organisiert und werden aktuell in Form der individuellen stundenweisen Betreuung im Haushalt der Betroffenen geleistet.“

Eine Notfallbetreuung hat die Arbeiter-Wohlfahrt (AWO) nach Absprache mit dem Pflegestützpunkt in Kooperation mit dem Klinikum Mittelbaden und der Caritas eingerichtet, wie AWO-Geschäftsführerin Eva Pfistner sagt: „Wir sind im ständigen Austausch.“ Um räumlich „mehr Luft zu schaffen, haben wir die Kapazität aber von 15 auf zehn Tagespflegeplätze reduziert“. Stand Freitag gab es noch drei freie Plätze.

Zum Artikel

Erstellt:
23. März 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 53sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.