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Bauern fordern neuen Ansatz

Baden-Baden (red) – Mit einem Mahnfeuer entlang der B3 zwischen Steinbach und Sinzheim haben Landwirte aus der Region ihrem Unmut Luft gemacht.

Bei einem Mahnfeuer laden die Bauern und Winzer zum Dialog ein. Foto: Nickweiler

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Bei einem Mahnfeuer laden die Bauern und Winzer zum Dialog ein. Foto: Nickweiler

Von Christina Nickweiler

Samstag, 18 Uhr, auf der B3 zwischen Steinbach und Sinzheim: Rund ein Dutzend Traktoren sind wie bei einem Spalier entlang des Wirtschaftsweges geparkt. Die Warnblinkanlagen der Fahrzeuge leuchten immer wieder auf. Die vorbeifahrenden Autofahrer drosseln ihre Geschwindigkeit. „Was ist da los?“, mag sich der ein oder andere gefragt haben.

An diesem Abend haben die Bauern und Winzer aus der Region zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen ein Mahnfeuer organisiert. Dieses Mal suchen die rund 30 Landwirte den Dialog mit den Menschen. Daher haben sie extra die Öffentlichkeit eingeladen. Auf einem Anhänger stehen Getränke bereit. Auf einem Rost auf einem kleinen Lagerfeuer duften Grillwürstchen aus Rebländer Produktion. Allerdings lockt das Regenwetter nur wenige Spaziergänger an die frische Luft.

Einzelne Fußgänger gehen mit ihren Hunden auf dem Wirtschaftsweg entlang spazieren. „Endlich bewegt sich etwas“, meint ein Spaziergänger mit Blick auf das Mahnfeuer. Eine andere Passantin bleibt stehen und liest die Aufschrift auf einem an den Traktoren befestigten Plakat: „Niemand darf es je vergessen Bauern sorgen für das Essen.“ Eigentlich wolle sie gerne mit den Landwirten ins Gespräch kommen, aber sie traue sich nicht, sagt sie. „Ich finde aber, die Bauern sollten nicht so viele Bäume fällen und dagegen mehr Bäume pflanzen“, fügt sie rasch hinzu.

Es ist genau eines dieser falschen Bilder über die Arbeit der Bauern, was die Landwirte derzeit auf die Palme bringt. „Die Leute wissen einfach nicht, was unsere Arbeit beinhaltet. Wir arbeiten auf natürlichen Streuobstwiesen. Der Bezug zu Lebensmitteln und wie arbeitsintensiv diese entstehen, ist völlig weg“, kommentiert Manfred Huck aus Sinzheim die Unkenntnis in der Bevölkerung. „Die Landwirte sind angeblich an allem schuld. Für viele Fehlentwicklungen wird uns der schwarze Peter zugeschoben“, ärgert sich der Sprecher der hiesigen Winzer und Bauern, Sascha Pfaff, im Gespräch mit dem BT.

Vermarktung in der Region

Als aktuelles Beispiel nennt er Nachrichten über hohe Nitratwerte im Grundwasser und verseuchte Böden von Großagrarbetrieben in Niedersachsen und fordert unbedingt eine Differenzierung in der Debatte. Die Milliarden, die vergangene Woche von der Bundesregierung als Hilfe für die Bauern beschlossen worden seien, wären nichts anderes als Schweigegeld, sagt Pfaff. „Wir wollen keine Milliarden und keine Subventionen. Wir wollen einen anderen Ansatz in der Landwirtschaft, und zwar im Einklang mit der Umwelt“, unterstreicht er.

Mit neuen Ansätzen arbeiten bedeutet beispielsweise für den Sinzheimer Joshua Eisele oder für Jennifer Lehoux-Wäldele aus Steinbach eine artgerechte Haltung durch Mutterkuhhaltung. Beide Landwirte haben inzwischen gelernt, ihre Lebensmittelprodukte direkt in der Region zu vermarkten. „Das ist umweltschonend und für Verbraucher transparent“, sagt die Landwirtin.

Im Nu kommen die Anwesenden neben dem knisternden Feuer und dem matschigen Wiesenboden auf die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner zu sprechen. Ihre Politik sei voller Widersprüche, denn sie fordere von den Landwirten, umweltschonend anzubauen, aber gleichzeitig eine Produktionssteigerung. Klöckner als ehemalige Weinkönigin müsste vorbeikommen und sich ernsthaft der Probleme der Winzer annehmen, so der Tenor. „Es ist an der Zeit, ihr mal reinen Wein einzuschenken“, sagt Martina Schickinger aus Sinzheim.

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Erstellt:
3. Februar 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 34sec

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