Corona in Baden-Baden

Baden-Baden (hol/galu) – „Wir kommen in den Normalmodus zurück. Die erste Welle ist mal durch“, beschrieb Oberbürgermeisterin Margret Mergen gestern bei einem Pressegespräch die Corona-Situation in der Kurstadt. Zusammen mit ihren Kollegen gab sie einen Überblick.

Am 29. Juni startet der Regelbetrieb in den Kindergärten und Grundschulen – mit Abstand und ohne Maskenpflicht für die Kleinen.  Foto: Skolimowska/dpa

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Am 29. Juni startet der Regelbetrieb in den Kindergärten und Grundschulen – mit Abstand und ohne Maskenpflicht für die Kleinen. Foto: Skolimowska/dpa

Von Lukas Gangl

Infektionszahlen:

Seit etwa sieben Tagen hat der Stadtkreis keine Neuinfektionen zu vermelden. Damit kann Baden-Baden den langfristigen Trend halten. Dieser liegt bei einer Infektion alle ein bis zwei Wochen, so Maximilian Lipp, Fachbereichsleiter Sicherheit und Ordnung. „Da haben wir eine deutliche Entspannung.“ Er informiert zusätzlich, dass in Zusammenarbeit mit dem Landkreis und den zuständigen Gesundheitsbehörden bereits Vorbereitungen getroffen werden, sollte es zu einer zweiten großen Infektionswelle kommen.

Ordnungswidrigkeiten:

Ebenso berichtet Lipp über die Zahl der Ordnungswidrigkeiten im Zusammenhang mit Corona. Stand letzte Woche waren im Stadtkreis insgesamt 274 Bußgeld- und Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet worden. Davon entfallen rund 240 Verstöße auf die Missachtung des Gebots, sich mit maximal einer weiteren Person im öffentlichen Raum aufzuhalten. Dafür waren je 200 Euro fällig. Zehn Bußgelder in vierstelliger Höhe wurden aufgrund einer Missachtung des Betriebsverbots in der Gastronomie auferlegt. In zwei Fällen habe man 500 Euro verhängen müssen, weil sich Personen nicht an Quarantäne-Auflagen gehalten hätten. Ein Drittel aller Verfahren sei bereits rechtskräftig entschieden.

Kongresse/Feiern/Märkte:

Was ist eigentlich erlaubt? „Das habe ich auch nicht immer im Kopf und muss vieles nachschlagen“, sagt Lipp. Die Situation sei kompliziert. Bei privaten Feiern in privatem Rahmen seien 20 Personen erlaubt, die nicht verwandt sein müssten – „oder egal wie viele, wenn sie verwandt sind“, so Lipp. Private Feiern in Gaststätten seien mit bis zu 99 Menschen möglich – mit festen Sitzplätzen, ohne Maskenpflicht. Getanzt werden dürfe nicht – mit Ausnahme von Hochzeitspaaren, die tanzen dürfen, wenn dafür 25 Quadratmeter zur Verfügung stehen und beim Tanzen 2,50 Meter Abstand zu anderen Gästen gehalten wird. Öffentliche Veranstaltungen seien bis zu 99 Personen erlaubt, wenn die Stühle mindestens in 1,50 Metern Abstand stehen oder alle Zuschauer eine Maske tragen. Für größere Veranstaltungen mit bis zu 500 Besuchern gebe es noch keine Landesverordnung. Deshalb seien sie derzeit auch nicht erlaubt. Lipp rechnet aber mit einer schrittweisen Öffnung bis Ende August. Sehnsüchtig erwartet wird auch eine Verordnung als Grundlage für die Organisation von Messen, Spezialmärkten und Kongressen. Vor allem Letztere seien in der Stadt ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, betont Oberbürgermeisterin Margret Mergen.

Die Corona-App:

„Die App ist eine Frage der Verantwortung für die Mitmenschen“, sagt die OB. „Ich würde mich freuen, wenn viele Menschen die App herunterladen, weil sie uns schützt bei einer möglichen zweiten Welle.“ Auch Lipp betont: Die App sei ein sinnvolles Instrument. „Auch ich werde sie nutzen.“

Grundschulen:

Die Grundschulen nehmen am 29. Juni den Regelbetrieb auf – ohne Musik- und Sportunterricht. Durch versetzte Unterrichts- und Pausenzeiten soll sichergestellt werden, dass sich die Klassen nicht durchmischen. Außerdem ist eine regelmäßige Corona-Testung von Lehrern und Schülern vorgesehen. Masken müssen von den Schülern nicht getragen werden. Für Lehrer besteht Maskenpflicht, wenn sie mit Kollegen zusammentreffen. Viel Unterricht soll draußen stattfinden. „Die Schulen haben große Gestaltungsmöglichkeiten dabei“, sagt Bürgermeister Roland Kaiser. Eltern müssten schriftlich bestätigen, dass ihr Kind keine Anzeichen von Corona hat und keinen Kontakt zu Kranken hatte. „Wer Bedenken hat, kann sein Kind aber auch bis zu den Sommerferien formlos vom Unterricht abmelden“, so Kaiser. Klassenarbeiten und Tests werden bis dahin nicht geschrieben. Die Notbetreuung wird eingestellt. Für die Fünft- bis Siebtklässler bleibt sie aufrechterhalten.

Kindergärten:

Auch hier geht es spätestens am 29. Juni mit dem Regelbetrieb los – ähnlich wie in den Grundschulen, bleiben die Gruppen getrennt. Träger, die schon früher starten könnten, dürften das tun, sagt Kaiser. Das sei auch nötig. Die derzeit geltende Regelung, nach der in jeder Gruppe nur 50 Prozent der Kinder aufgenommen werden dürfen, „kommt an ihre Grenze“, so der Bürgermeister. In einigen Einrichtungen sei die Kapazität längst ausgeschöpft. Kinder stünden auf der Warteliste.

Bäder/Bergbahn:

Die Schwimmbäder der Stadt sind offen – seit Dienstag auch das Strandbad Sandweier. Das schlechte Wetter sorge aber für wenig Andrang, sagt Bürgermeister Alexander Uhlig. Bei der Bergbahn, die seit 4. Juni auf den Merkur fährt, habe man bislang etwa 1200 Fahrgäste gezählt, obwohl die Gaststätte auf dem Berg noch nicht geöffnet habe. „Da wird es erst Anfang Juli losgehen“, so Uhlig.

Kneipp-Anlage:

Die Kneipp-Anlage in der Nähe der Talstation der Bergbahn ist ab Freitag wieder geöffnet. Sie darf unter Einhaltung der allgemeinen Abstandsregeln genutzt werden.

Öffentliche Toiletten:

Ab Samstag sind in der Kurstadt wieder alle öffentlichen Toiletten in Betrieb. Sie werden künftig von 10 bis 18 Uhr ständig gereinigt. „Da ist immer jemand von WC zu WC unterwegs, um nach dem Rechten zu sehen“, sagte Uhlig.


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