Deutlich weniger Geld für Frauen

Baden-Baden (hez) – Beim Verdienst ziehen sie den Kürzeren: In der Kurstadt haben Frauen am Monatsende deutlich weniger auf dem Lohn- oder Gehaltszettel stehen als männliche Arbeitnehmer. Darauf weist die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in einer Pressemitteilung hin.

Gerade in der Gastronomie sind viele Frauen beschäftigt, das macht sich in Baden-Baden besonders deutlich bemerkbar. Foto: NGG

© pr

Gerade in der Gastronomie sind viele Frauen beschäftigt, das macht sich in Baden-Baden besonders deutlich bemerkbar. Foto: NGG

Von Henning Zorn

Diese Lohnlücke ist durchaus beträchtlich: Nach aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit verdienen Frauen, die in Baden-Baden eine Vollzeit-Stelle haben, monatlich rund 660 Euro weniger als die Männer.

Insgesamt liegt das durchschnittliche Vollzeit-Einkommen von Frauen in der Kurstadt aktuell bei 3012 Euro im Monat. Hingegen kommen Männer mit der gleichen Arbeitszeit auf 3670 Euro – erhalten also rund 18 Prozent mehr.

In Baden-Baden macht sich dieses Gefälle besonders deutlich bemerkbar, weil hier der Beschäftigungsgrad der Frauen deutlich über dem Durchschnitt liegt. Gerade in den Jahren zwischen 2000 und 2010 ist dieser Anteil kontinuierlich angestiegen. Im vergangenen Jahr waren 54,9 Prozent der in der Kurstadt Beschäftigten weiblich.

Zum Vergleich: Auf Landesebene dominieren immer noch die Männer auf dem Arbeitsmarkt – und dies nicht nur hinsichtlich des Verdiensts. Frauen haben in Baden-Württemberg an der Arbeitnehmerschaft einen Anteil von 45 Prozent.

Viele Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich

Dass an der Oos so viele Frauen arbeiten, liegt vor allem an der hiesigen Wirtschaftsstruktur mit vielen Arbeitsplätzen im Gastgewerbe und sonstigen Dienstleistungsbereich (vor allem Gesundheits- und Sozialwesen). „Es kann nicht sein, dass Frauen auf dem Arbeitsmarkt noch immer so stark benachteiligt sind. Viele Unternehmen in der Region nutzen das Lohngefälle aus, obwohl sie mehr zahlen müssten“, kritisiert Elwis Capece von der NGG-Region Mittelbaden-Nordschwarzwald.

Nach Einschätzung des Gewerkschafters, so heißt es in der Mitteilung, dürfte die tatsächliche Lohnlücke zwischen den Geschlechtern in Baden-Baden auch deutlich über 18 Prozent liegen. Beziehe man nämlich in die Betrachtung auch die Teilzeitstellen und Mini-Jobs ein, werde die Kluft noch deutlich größer. Denn hier seien die Löhne erheblich geringer. Außerdem arbeiten in diesen Bereichen – zum Beispiel in der Gastronomie – besonders viel Frauen.

Dies unterstreichen auch neueste Daten des Statistischen Landesamts in Stuttgart. Diesen kann man entnehmen, dass die Teilzeitbeschäftigung in Baden-Baden immer mehr an Bedeutung gewinnt. Ihr Anteil – hinsichtlich der hier tätigen Personen – stieg zwischen 2001 und 2019 von 19 auf 28,2 Prozent. Und im Vorjahr waren an der Oos 85 Prozent der Teilzeitbeschäftigten weiblich.

Die Gewerkschaft NGG fordert in ihrer Mitteilung die Unternehmen auf, die unterschiedliche Bezahlung von Frauen und Männern in vergleichbaren Positionen zu beenden.

Weitere Nachrichten aus Baden-Baden: Kindesmissbrauch in Baden-Baden: Früherer THW-Helfer schuldig gesprochen

Zum Artikel

Erstellt:
26. Mai 2020, 16:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 10sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.