„Die Arbeit ist eine ganz andere“

Baden-Baden (red) – „Wir vermissen Euch“ und „Bleiben Sie gesund“ steht in bunten Buchstaben am Balkongeländer des Stadtteilzentrums Briegelacker des Caritasverbandes Baden-Baden. Normalerweise ist das Stadtteilzentrum voll mit Leben und wird von vielen Menschen besucht. Aber seit Mitte März ist das natürlich auch hier anders.

Hoffen auf Ende des Ausnahmezustands: Die Mitarbeiter des Stadtteilzentrums Briegelacker werden ab sofort wieder schwerpunktmäßig im Büro präsent sein.Foto: Stadtteilzentrum

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Hoffen auf Ende des Ausnahmezustands: Die Mitarbeiter des Stadtteilzentrums Briegelacker werden ab sofort wieder schwerpunktmäßig im Büro präsent sein.Foto: Stadtteilzentrum

Es gibt weder die wöchentlichen Begegnungsangebote für Erwachsene noch Jugendtreffs, Hausaufgabenhilfe, Migrationsberatung, Sprachkurse und Sprachtreffs oder eine Spielgruppe – und natürlich ist auch in der Kindertagesstätte aktuell kein normaler Betrieb. „Die Arbeit ist eine ganz andere geworden“, erklärt Frank Herzberger, der Leiter der Einrichtung. Die Mitarbeiter der offenen Angebote und Beratung arbeiteten in den vergangenen Wochen zum Teil aus dem Homeoffice. Diese werden ab sofort wieder schwerpunkmäßig im Stadtteilbüro präsent sein.

Es wird viel telefoniert und über digitale Medien der Kontakt zu den Klienten und Besuchern gehalten und vor allem viel informiert und nachgefragt, wie der Alltag in den Familien läuft.

Beschäftigungsmaterial für Kinder

Die Kinder und Jugendlichen werden mit Beschäftigungsmaterial versorgt, das sie sich abholen können oder bei ihnen zuhause eingeworfen wird. „Außerdem halten wir den Kontakt zu den Schulsozialarbeitern und versuchen die Kinder beim ‚Home schooling’ zu unterstützen“, so Franziska Schmude, die für die offene Kinder- und Jugendarbeit zuständig ist. Große Nachfrage besteht hier auch bei der Möglichkeit, Arbeitsblätter und Ähnliches für die Schule im Stadtteilbüro auszudrucken.

Die Beratung, die ab nächster Woche – unter Beachtung der geltenden Abstands- und Hygiene-Maßnahme – wieder im Haus angeboten wird, wurde in den vergangenen Wochen von den beiden zuständigen Carola Lauber-Schäfer und Inna Pertsovskaia im Homeoffice telefonisch und per Mail durchgeführt. „Der Kontakt zu den vielen Ehrenamtlichen, die uns normalerweise in der Arbeit unterstützen, ist uns auch in dieser Zeit wichtig“, erzählt Adrian Struch, der hauptsächlich für die Paten in der Flüchtlingsarbeit zuständig ist.

Aktuell war natürlich auch die seit vergangenen Montag geltende Maskenpflicht im ÖPNV und beim Einkauf ein Thema, über das es aufzuklären galt. „Der überwiegende Teil unserer Besucher hat einen Migrations- beziehungsweise Fluchthintergrund und spricht Deutsch als Fremdsprache“, informiert Agnes Lemcke, deren Aufgabengebiet „außerhalb Corona“ die offenen Angebote für Familien sind. „Eine unserer wichtigen Aufgaben aktuell ist es auch, die vielen Bestimmungen und Regeln für alle verständlich zu machen“, erzählt Lemcke.

Beratungsgespräche am Balkon

So macht es gerade einen Großteil ihrer täglichen Arbeit aus, Informationen in verschiedenen Sprachen und einfachem Deutsch weiterzugeben: Sei es telefonisch und digital als auch beim regelmäßigen Rundgang durch die Briegelackerstraße sowie im „Balkon-Beratungs-Gespräch“.

„Da es schwierig ist, an Mund- und Nasenschutz zu kommen, haben wir eine Aktion gestartet, um unseren ,Stamm-Besuchern’ eine günstige Stoffmaske anzubieten. Viele Familien haben auch Kinder, die bald wieder mit dem Bus in die Schule müssen und daher mehrere Mundschutz-Masken brauchen“, betont Herzberger. „Wir haben unsere Ehrenamtlichen angeschrieben und sie um Hilfe gebeten. Spenden wurden akquiriert und auch die Handarbeitsgruppe unseres Hauses wurde aktiv. Die Kolpingfamilie Oos hat gespendet und eine irakische Frau, die in einer städtischen Flüchtlingsunterkunft wohnt, hat uns zum Unkostenpreis einige Masken genäht. So haben wir es in wenigen Tagen geschafft, fast 150 Masken an die Familien zu einem kleinen Kostenbeitrag zu verteilen.“

Mit dabei war auch eine Anleitung zu Regeln und Handhabung, beziehungsweise Waschen des Mund- und Nasenschutzes in diversen Sprachen. Das ganze Team des Stadtteilzentrums Briegelacker hofft nun, dass sich das ganze Haus bald wieder mit Leben füllen kann und die bunten Buchstaben am Balkon wieder abgehängt werden können.

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Erstellt:
4. Mai 2020, 12:40 Uhr
Lesedauer:
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