„Die ersten Minuten sind entscheidend“

Baden-Baden (gim) – Herzdruckmassage statt Mathe heißt es für viele Schüler in der Woche der Wiederbelebung. Sie werden von Profis des Klinikums Mittelbaden in Erster Hilfe und Reanimation geschult.

Fit für den Ernstfall: Jutta Fink und Marcel Hurrle erläutern den Umgang mit dem Automatisierten externen Defibrillator.  Foto: Meier

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Fit für den Ernstfall: Jutta Fink und Marcel Hurrle erläutern den Umgang mit dem Automatisierten externen Defibrillator. Foto: Meier

Von Gina Meier

Herzdruckmassage statt Mathe, Deutsch und Co: Die Schüler der neunten Klasse des Markgraf-Ludwig-Gymnasiums in Baden-Baden wurden gestern im Rahmen der „Woche der Wiederbelebung“ von Profis des Klinikums Mittelbaden in Erster Hilfe und Laienreanimation geschult.
Montagmorgen am MLG: Aus einer kleinen Box läuft laut „Dancing Queen“ von Abba. Doch bei den 26 Schülern, die sich in der Aula versammelt haben, steht heute nicht Tanzen oder Singen auf dem Programm. Sie knien auf dem Boden über Reanimationspuppen und kämpfen mittels schneller und fester Wiederholungen in die Mitte des Brustkorbs um das Leben der Puppe. Der Klassiker der schwedischen Band gibt hierbei den Takt vor, zu dem die Schüler angestrengt drücken.

Unter dem Motto „Prüfen, rufen, drücken“ sollen die Neuntklässler heute in den Grundlagen der Ersten Hilfe und der Laienreanimation geschult werden. Stefanie Herrmann, Intensivmedizinerin am Klinikum Baden-Baden, ist es ein wichtiges Anliegen, dass sie gemeinsam mit Jutta Fink und Marcel Hurrle den Schülern die Basismaßnahmen der Ersten Hilfe näherbringen kann. Zum achten Mal führt sie die Aktion in Baden-Baden im Rahmen der bundesweiten Woche der Wiederbelebung schon durch.

2012, als die Woche das erste Mal stattfand, wurde in Deutschland lediglich bei 20 Prozent der Herzkreislaufstillstände eine Laienreanimation durchgeführt. Nun habe sich die Zahl mit 46 Prozent mehr als verdoppelt. In Baden-Baden liege der Wert sogar über 50 Prozent, berichtet Herrmann. Es sei aber immer noch Luft nach oben. Viele Menschen trauten sich nicht einzugreifen, weil sie Angst hätten, etwas falsch zu machen. „Doch gerade die ersten fünf Minuten nach dem Herzstillstand vor Eintreffen des Rettungsdienstes sind enorm wichtig und entscheidend für den Zustand des Patienten“, erklärt Fink, die ebenfalls zum achten Mal dabei ist.

„Die Aktionen in der Schule haben einen positiven Effekt: Die Schüler fangen früher an, sich mit dem Thema zu beschäftigen und erzählen auch ihren Eltern davon, die sich dann noch mal die Wiederbelebung von ihren Kindern erklären lassen“, sagt Herrmann. „Je früher man sich mit dem Thema auseinandersetzt, desto schneller verliert man die Angst und Hemmungen, im Notfall etwas zu tun“, bestätigt auch Fink, Kreisausbildungsleiterin des Roten Kreuzes.

Zuerst erklärt Herrmann den Schülern, wie es zu einem Herzkreislaufstillstand kommen kann, was daran gefährlich ist und warum eine schnelle Wiederbelebung durch einen Ersthelfer so wichtig ist. In der zweiten Stunde zeigt sie den Schülern, wie man eine Herzdruckmassage durchführt.

Anschließend dürfen diese selbst an einer Reanimationspuppe üben. „Durch die Laienanimation verdoppelt oder verdreifacht sich die Überlebensrate der Betroffenen“, merkt Herrmann an, um auf die Dringlichkeit der Herzdruckmassage hinzuweisen. Mit jeder Minute verringere sich die Überlebensrate drastisch.

In verschiedenen Schulen unterwegs

Fink und Hurrle, der eine Ausbildung zum Notfallsanitäter macht, führen vor, wie man einen Automatisierten externen Defibrillator (AED) verwendet.

Auch Besonderheiten, auf die man wegen der derzeitigen Pandemie achten muss, werden geklärt – das Bedecken von Mund und Nase und das Wiederbeleben ohne Mund-zu-Mund-Beatmung. Diese wird aber trotzdem gezeigt, da der Großteil von Herzkreislaufstillständen im Haushalt passierten. Nur üben dürfen die Schüler die Beatmung nicht.Für die Schülerinnen Nina Burkart und Emilia Valasek sind die Herzdruckmassage und der AED nichts Neues. Doch die Neuntklässlerinnen begrüßen die Auffrischung, „wie man richtig drückt.“

Noch die ganze Woche sind die drei Profis in verschiedenen Baden-Badener Schulen unterwegs und bringen Siebt- bis Neuntklässlern die Grundlagen der Ersten Hilfe und Wiederbelebungsmaßnahmen bei.

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Erstellt:
22. September 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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