Heilpflanzen-Expertin stellt Frauenmantel vor

Baden-Baden (red) – Unter dem Motto „Noch mehr Wildes…“ stellt Wildkräuter- und Heilpflanzen-Expertin Monika Wasel aus dem Baden-Badener Rebland einmal pro Woche im BT eine Pflanze vor, die derzeit in der Region gesammelt werden kann. Diesmal ist der Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) an der Reihe:

Bei den kristallklaren Tröpfchen am Blattrand handelt es sich nicht etwa um Tau, sondern um Pflanzensaft. Foto: Wasel

© pr

Bei den kristallklaren Tröpfchen am Blattrand handelt es sich nicht etwa um Tau, sondern um Pflanzensaft. Foto: Wasel

Die Blätter des Frauenmantels bergen ein besonderes Geheimnis der Natur. Es sind die am frühen Morgen erscheinenden kristallklaren Tröpfchen am Blattrand. Für die Kelten waren diese „Tautropfen“ ein magisches Wasser, da es weder aus der Erde kam noch als Regen vom Himmel fiel. Vielmehr sind diese Tropfen reiner Pflanzensaft, so eine Art natürliches Destillat, das von den Wurzeln aus der Erde aufgesogen und durch das Pflanzengewebe gefiltert wird. Diese sogenannten Guttationstropfen sollen schön machen, glaubt man den Alchemisten aus dem Mittelalter.

Das gefächerte Blatt der Pflanze erinnert an einen Schutzmantel, wie sie die Frauen im Mittelalter trugen. Alchemilla galt im Mittelalter als wichtiges Wundheilmittel bei Erkrankungen der Haut und der Schleimhäute, sowie bei Unterleibsbeschwerden oder Durchfall. Frauenmantel wirkt adstringierend (zusammenziehend), entzündungshemmend und schmerz- und krampflindernd. Die Pflanze enthält eine Vielzahl von sich ergänzenden Inhaltsstoffen. Gerbstoffe wirken zusammenziehend und fördern die Wundheilung, sie wirken entzündungswidrig, kapillarabdichtend und lindern Juckreiz sowie Schmerzen. Flavonoide und Carotinoide haben eine antioxidative Wirkung und sind somit zell- und gefäßschützend. Die enthaltenen Kumarine wirken Wasseransammlungen im Gewebe entgegen, die Leukozyanidine wirken zusätzlich krampflösend.

Alles in allem ist der Frauenmantel eine hervorragende Pflanze für Frauen. Auch wenn die frauenheilkundliche Anwendung in der Schulmedizin als überholt gilt, können Frauen nach wie vor auf die Heilkraft des Frauenmantels vertrauen, der den gesamten weiblichen Organismus regulierend und ausgleichend wirkt.

Nach neuesten Erkenntnissen wirkt Frauenmantel auch gegen Viren (zum Beispiel Herpes simplex) und Bakterien (Staphylococcus aureus). Ein Grund mehr, sich häufig mal einen Frauenmantel-Tee (Apotheke) zu gönnen.

Der Frauenmantel gedeiht auf feuchten, frischen Wiesen und alpinen Weiden in ganz Europa. Im Rebland findet man ihn auf unbearbeiteten, sich selbst überlassenen Wiesen. Der Frauenmantel beginnt gerade zu sprießen und hat in den Monaten Juni, Juli und August seine Hauptzeit.

Beim Start der Reihe stellte Monika Wasel Bärwurz vor. Hier geht es zu dem Artikel.

Zum Artikel

Erstellt:
27. Mai 2020, 16:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 59sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.