Musikalischer „Ausnahmezustand“ im „Ochsen“

Sinzheim (co) – Es ist jetzt nicht so, dass die Rolling Stones bei ihm abgekupfert hätten. Doch eines haben Mick Jagger und Sven Burgmaier gemeinsam: einen eigenen Corona-Song. Wobei der Juniorchef des Landgasthofes „Ochsen“ in Sinzheim schneller war.

Sven Burgmaier ist von dem Erfolg seines Corona-Songs „Ausnahmezustand“ im Netz selbst überrascht. Foto: Hecker-Stock

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Sven Burgmaier ist von dem Erfolg seines Corona-Songs „Ausnahmezustand“ im Netz selbst überrascht. Foto: Hecker-Stock

Die britischen Altrocker haben ihren Song „Living in a Ghost Town“ am Donnerstag herausgebracht. Da dudelte Burgmaiers Hit „Ausnahmezustand“ schon lange im Netz rauf und runter und gewinnt über Youtube immer mehr Fans, inzwischen bereits im vierstelligen Bereich.

Es war während des Zivildienstes im Gutleuthaus, dass Burgmaier sich eine Gitarre kaufte und einfach mal zu klimpern begann. Er brachte sich das Spielen völlig autodidaktisch selbst bei und forcierte es sehr rasch – bedingt auch ein wenig durch seinen guten Kumpel Jan, den Sohn des musikalischen Badener Urgesteins Hans Schneider, unter anderem bekannt durch die legendäre Gruppe „HEP“.

Sven Burgmaier spielte mit der Familie oder Freunden, zu Hause in kleiner Runde oder „ganz früher auf dem Zeltplatz“. Am liebsten Deutsch Rock von Lindenberg, Westernhagen oder Grönemeyer. Daraus wurde eine echte Leidenschaft „bis heute hänge ich jede freie Minute an der Gitarre“, erzählt er schmunzelnd.
Die Affinität zur Musik ist natürlich auch begünstigt durch zahlreiche Konzerte, die er im Sinzheimer „Ochsen“ veranstaltet, gern gesehene Gäste sind dort unter anderem Albert Lee oder Mungo Jerry. Im vergangenen Jahr richtete sich Burgmaier im Keller ein kleines Studio ein, wo er seine bisher gecoverten Songs aufnimmt und noch etwas nachmischt.

Sein Vater, Seniorchef Klaus Burgmaier, träumte immer davon, den Filius mal bei einem abendfüllenden Konzert im eigenen Lokal zu erleben. Der Schalk saß ihm schon ein wenig im Nacken, als Sven seinen Wunsch erfüllte und zu einem Abend unter dem Motto „Schnitzel, Bier und deutsche Lieder“ ins vordere Chalais des „Ochsen“ einlud. Er rechnete so mit 30 bis 40 Besuchern beim Auftaktkonzert im April vergangenen Jahres. Doch im Handumdrehen waren die Karten vertickt, gut 100 Fans des Juniorchefs sorgten für Riesenstimmung bei Songs wie „Cello“, „Weil ich dich liebe“ oder „Leuchtturm“.

„ Stillstand geht garnicht“

Da sofort lautstark nach einer Fortsetzung verlangt wurde, ließ Burgmaier Shirts drucken mit den „Tourneedaten“ auf der Rückseite: einmal jährlich, immer im April, steht ein neues Konzert von ihm auf dem Programm. Die Karten gingen auch diesmal weg wie warme Semmeln – nur fiel das Konzert, wie so viele derzeit, der Corona-Pandemie zum Opfer. Von der sich Sven Burgmaier im Übrigen nicht unterkriegen lässt.

Als er von der Schließung der Gaststätten hörte, krempelte er nach dem ersten Schreck die Ärmel hoch, „Stillstand geht gar nicht“, lautete seine Devise. Der Abholservice ist bei ihm perfekt organisiert, was Papa Klaus in der Küche zaubert, wird teils im Minutentakt abgeholt, ohne dass sich die Kunden dabei begegnen. Ideen werden entwickelt wie die 1.-Mai-Vision: „Holt euch eure Bratwurst und eine Flasche Bier hier ab.“

Sehr dankbar sind beide, dass ihnen ein großer Teil der Stammkundschaft auch in diesen schwierigen Tagen die Treue hält. Dennoch blieb Zeit genug, in den Lyrics auf Youtube zu stöbern. Zusammen mit seiner Frau Katrin entdeckte er den Corona-Text „Ausnahmezustand“ von Nadine Schulz, in dem sie die derzeitige Situation gut gespiegelt fanden, „nur eine Stunde später hatte ich die Musik dazu komponiert“ lacht Sven Burgmaier. Etwas verrückt sei er schon immer gewesen, bekennt der plötzliche Star im Netz. Burgmaier darf das Lied „seinen“ Song nennen, auch wenn Nadine Schulz für den Text verantwortlich zeichnet.

Sven Burgmaier selbst weiß, dass er stimmlich noch viel mehr draufhat, aber dennoch kleine Brötchen backen will. Er singt weiterhin aus Spaß, nicht um groß rauszukommen. Eventuell will er im Herbst eine CD produzieren. Und SWR 1 hat für die Reihe „Künstler der Region“ heute Abend Interesse angemeldet.

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Erstellt:
28. April 2020, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 50sec

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