OB-Wahl in Baden-Baden: Bettina Morlok im Porträt

Baden-Baden (hol) – Die OB-Kandidatin Bettina Morlok schwärmt für Baden-Baden. Beim Flowtex-Skandal hat sie einst fürs Leben gelernt.

Ihr nächstes Projekt soll die Kurstadt werden: Projektmanagerin Bettina Morlok tritt bei der OB-Wahl an.  Foto: Christian Bodamer

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Ihr nächstes Projekt soll die Kurstadt werden: Projektmanagerin Bettina Morlok tritt bei der OB-Wahl an. Foto: Christian Bodamer

Von BT-Redakteur Harald Holzmann

Sie ist keine, die sofort Aufmerksamkeit auf sich zieht, wenn sie einen Raum betritt: Bettina Morlok kommt leise daher, freundlich, unauffällig. Doch ein Blick in den Lebenslauf zeigt: Im Job als Projektmanagerin scheint die 59-Jährige genau zu wissen, was sie tut. Ihr nächstes Projekt soll die Kurstadt werden. Sie tritt an bei der OB-Wahl am 13. März.

Spricht sie von ihrer Wahlheimat, gerät sie schnell ins Schwärmen. Das sei einer der größten Vorteile, wenn sie OB werden sollte, sagt sie, dass sie dann viel mehr Zeit als heute im schönen Baden-Baden verbringen könnte. „Ich kandidiere nicht wegen des Geldes. Bei meiner jetzigen Tätigkeit verdiene ich das Zweieinhalbfache dessen, was ich als OB bekäme“, erzählt sie unumwunden. Ihr gehe es um Baden-Baden. „Ich will die Stadt wieder schöner machen.“ Dafür brauche es vor allem Fantasie und Ideen, die sie auch bei Bürgern sammeln wolle. Beispielsweise für eine Verbesserung der Finanzen und des Stadtbildes.

Interview Bettina Morlok
16:25 min
OB-Wahl Baden-Baden Interview Bettina Morlok

Über Letzteres unterhält sich Bettina Morlok auch mit ihrem Mann. Er ist Architekt. Für die inzwischen erwachsene Tochter war das doppelt berufstätige Ehepaar stets abwechselnd verantwortlich. „Unsere Tochter hat eine Mutter und einen Vater, die sich gleichwertig um sie kümmern – auch heute noch“, sagt sie. Und so konnte die studierte Betriebswirtin, die ursprünglich mal daran dachte, das väterliche Schuhgeschäft in Pfinztal zu übernehmen, in der Energie- und Baubranche Fuß fassen. Seit fast 30 Jahren sei sie dort tätig, erzählt sie nicht ohne Stolz. Sie habe bundesweit viele Projekte verwirklicht. Unter anderem hat sie geholfen, die flügellahme und schwerfällige Baustelle des Flughafens Berlin/Brandenburg auf die Zielgerade zu bringen.

Nicht nur Höhen im Berufsleben

Doch es gab nicht nur Höhen im Berufsleben von Bettina Morlok. In den 90er-Jahren war sie fünf Jahre bei der Flowtex-Gruppe tätig, einer Firma mit Sitz in Ettlingen, die den bis dato größten Fall von Wirtschaftskriminalität in Deutschland auslöste, indem sie in alle Welt Bohrmaschinen verkaufte, die nicht existierten. Morlok leitete als Geschäftsführerin die Geschicke einer Tochterfirma. Zum Job war sie über ihren Onkel gekommen, den FDP-Politiker Jürgen Morlok, der damals als Unternehmenssprecher die rechte Hand des später verurteilten Flowtex-Gründers Manfred Schmider war. „Wir hatten zwar keine Berührungspunkte zu Flowtex, aber Herr Schmider war Gesellschafter bei uns“, erzählt sie. Sie sei extrem enttäuscht gewesen von Schmider, weil dieser auch ihre Firma hintergangen habe. In der Folge gab es auch gegen Bettina Morlok staatsanwaltliche Ermittlungen. Die junge Frau, seit ihrem 16. Lebensjahr Mitglied der FDP, musste damals auch wegen einer Parteispende ihrer Firma an die Liberalen im Untersuchungsausschuss des Landtags aussagen. Aus der FDP sei sie vor 20 Jahren ausgetreten, weil die Partei Wahlversprechen nicht eingehalten habe. „Das hat mich extrem geärgert“, das gehe gar nicht, erklärt sie.

Im Flowtex-Skandal habe sie sich „Gott sei Dank“ nichts zuschulden kommen lassen, sagt sie und erzählt, dass sie auch Glück hatte. Schmider hätte gefragt, ob sie auch Geschäftsführerin bei Flowtex Arab werden wolle. Bettina Morlok lehnte ab, auch weil sie sich mit Schmider nie verstanden habe, wie sie sagt – und sie hatte ein gutes Bauchgefühl. „Dort liefen die ganzen Betrügereien ab. Wenn ich an dieser Stelle karrieregeil gewesen wäre, hätte es mich später sicher voll mit reingezogen.“ Sie habe viel gelernt in dieser Zeit fürs Leben.

Gärtnern mit Hingabe

Richtig gelernt zu gärtnern, das hat Bettina Morlok aber nie. Und das, obwohl ihr Großvater eine große Gärtnerei hatte. „Ich habe ein paar Himbeersträucher, einen Apfelbaum, der nicht so richtig wächst“, erzählt sie. Aber sie gärtnere trotzdem mit Hingabe und leidenschaftlich gerne. „Ich pflanze Blumen und mähe den Rasen. Das macht mir unheimlich Spaß.“ Am Gemüseanbau habe sie sich aber erfolglos versucht. Dieses Projekt überlässt sie lieber den Fachleuten auf den Baden-Badener Wochenmärkten, wo die Kandidatin nicht nur in den kommenden Tagen öfter bei Wahlkampf-Aktionen zu sehen sein wird, sondern auch gerne einkauft. „Die können das besser als ich“, sagt sie und lacht.

Zur Person

Bettina Morlok (59) lebt seit fast 21 Jahren in Baden-Baden. Mit ihrem Mann Oliver Altrieth wohnt sie in der Hermann-Sielcken-Straße. Tochter Enya (21) studiert Design und Betriebswirtschaft. Aufgewachsen ist Bettina Morlok in Karlsruhe und Pfinztal. Nach dem Studium der Betriebswirtschaft in Karlsruhe war sie beim Badenwerk (heute EnBW) Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit und danach Geschäftsführerin und Projektentwicklerin bei Firmen in ganz Deutschland. Als Hobbys gibt sie Kochen, Gärtnern, Radfahren und Wandern an. Politisch ist sie seit 2019 bei den Freien Bürgern (FBB) aktiv. Ihre Mitgliedschaft dort ruht aber.

Alle Kandidaten im Porträt

Das BT stellt in loser Folge alle Bewerberinnen und Bewerber für die OB-Wahl vor. Bisher erschienen sind bereits die Porträts von Margret Mergen (CDU), Rolf Pilarski (FDP) und Roland Kaiser (Grüne). Auf badisches-tagblatt.de findet sich dazu jeweils auch ein Video-Porträt. Zudem veranstalten BNN und BT am Freitag, 4. März, um 17 Uhr ein gemeinsames Wahlforum mit OB-Kandidatinnen und -Kandidaten, das auf bnn.de und badisches-tagblatt.de im Livestream zu sehen ist.

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Erstellt:
22. Februar 2022, 18:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 37sec

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