Philharmonie: 90 Bewerber abgelehnt

Baden-Baden (hez) - Die Philharmonie Baden-Baden sucht schon länger gleich mehrere Streicher. Bewerber gab es viele, aber man zeigte sich wählerisch. 90 Kandidaten wurden abgelehnt.

Unter wahrlich vielen Kandidaten, war nicht der Passende dabei. Symbolfoto: Jörg Bongartz/Archiv

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Unter wahrlich vielen Kandidaten, war nicht der Passende dabei. Symbolfoto: Jörg Bongartz/Archiv

Von Henning Zorn

Musiker können in ihrer Beurteilung große Strenge walten lassen, wenn es um andere Musiker geht. Dies zeigt sich auch bei der Baden-Badener Philharmonie, die nun schon längere Zeit über vier unbesetzte Planstellen in ihrem Klangkörper klagt. Auch Orchesterleiter Pavel Baleff brachte das Bedauern darüber zum Ausdruck, als er jetzt im Hauptausschuss eine Bilanz der aktuellen Arbeit der Philharmonie zog.

Aber nur wenige Minuten später wurde deutlich, dass die offenen Stellen keineswegs darauf zurückzuführen sind, dass vielleicht niemand in diesem Orchester spielen möchte. Im Gegenteil. Wie aus dem Rückblick Baleffs auf die vergangenen zwei Jahre weiter hervorging, haben sich insgesamt 90 Musiker für die Streicherstellen beworben. Rund 60 durften dann auch vorspielen, doch diese Selbst-Präsentation endeten nicht in symphonischer Harmonie. Mit anderen Worten: Nicht ein einziger Kandidat wurde letztlich als geeignet befunden.

Musikerkollegen sind die Entscheidung eingebunden

Das sorgte dann bei OB Margret Mergen doch für einiges Erstaunen, schließlich ist die Interessentenschar bei Ausschreibungen von Verwaltungspositionen – um es freundlich zu sagen – deutlich geringer.

Aber in der Musik ist eben doch vieles anders. Besonders bei großen Orchestern. Denn da ist die Stellenbesetzung nicht nur Sache des Dirigenten, vielmehr sprechen auch die anderen Musiker mit, wenn sich ein Bewerber bei einem Vorspiel präsentiert hat. Und wenn da jemand das Largo zu sehr – wie die Musiker sagen – „con spirito“ geigt, dann endet eben die gesamte Bewerbung schnell „con dolore“.

Aber es ist schon eine Vielzahl von Faktoren, die bei der Besetzung von Stellen eines philharmonischen Orchesters eine Rolle spielen. „Daher haben wir schon öfters jahrelang gesucht“, erläutert der Manager des kurstädtischen Klangkörpers, Arndt Joosten.

Höhere Ansprüche durch höhere tarifliche Einstufung

Allein zehn Jahre habe es gebraucht, ehe man einen neuen Konzertmeister gefunden hatte. Die Musiker zeigten eben bei ihrer Einschätzung von Bewerbern viel Strenge. Eine solche Auswahl sei überhaupt eine hoch komplizierte Angelegenheit. Schließlich müsse man dann ja über Jahre miteinander gut auskommen, und alles müsse zusammenpassen. Da komme es dann auch auf den persönlichen Musizierstil eines Bewerbers oder einer Bewerberin an: ob zum Beispiel ein grundsätzlich sehr harter Ton gespielt werde. Joosten sieht die kritische Haltung der Musiker durchaus positiv. Das zeige doch das Leistungsbewusstsein des Orchesters.

Und möglicherweise spielt hier auch die beschlossene tarifliche Höhergruppierung der Philharmonie eine Rolle, darauf verwies jetzt Pavel Baleff: Die Ansprüche seien dadurch gestiegen. Nun ja, da kann man dem Orchester nur wünschen, dass angesichts der unbesetzten Stellen bald eine Bewerbung für alle Beteiligten „un poco amoroso“ endet.

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Erstellt:
13. Februar 2020, 07:09 Uhr
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