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Seit 775 Jahren klösterliches Leben

Baden-Baden (up) – Seit 775 Jahren leben im Kloster Lichtenthal ohne Unterbrechung Nonnen des Cistercienserordens. Ihr Jubiläum haben sie mit einem Pontifikalamt und einem Festakt gefeiert.

Mit einem Pontifikalamt mit Gregorianischen Gesängen der Cistercienserinnen wird das Jubiläum gefeiert. Foto: Philipp

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Mit einem Pontifikalamt mit Gregorianischen Gesängen der Cistercienserinnen wird das Jubiläum gefeiert. Foto: Philipp

Von Ulrich Philipp

Seit 775 Jahren leben im Kloster Lichten-thal ohne Unterbrechung Nonnen des Cistercienserordens. Auf eine ähnlich lange Zeit ununterbrochenen klösterlichen Lebens können ansonsten in Deutschland nur die Zisterzen Mariental und Marienstern in der Lausitz zurückblicken. Ihr besonderes Jubiläum haben die Ordensschwestern an der Oos am Sonntag mit einem Pontifikalamt in der Klosterkirche gefeiert.

Um den Gottesdienst zu leiten, war eigens Erzabt Theodor Hogg aus Beuron angereist. Eine ganz besonders feierliche Atmosphäre schufen dabei die Cistercienserinnen durch ihre Gregorianischen Gesänge, die in lateinischer Sprache vorgetragen wurden. Spiritual Benno Gerstner erinnerte in seiner Predigt daran, dass am 2. Februar in der katholischen Kirche auch der Tag des geweihten Lebens begangen wird. Dieser Tag sei den Menschen gewidmet, die ihr Leben Gott übergeben hätten, um in Gehorsam, Keuschheit und Armut zu leben. Sie erinnerten ihre Mitmenschen daran, dass das Ziel christlichen Glaubens in der ewigen Gemeinschaft mit Gott bestehe. Die Nonnen in Lichtental seien Wächter dieses neuen Lebens, das sie erblickt hätten und verkündeten. Seit Jahrhunderten sei das Kloster ein Hort des Friedens.

Im Kassiansaal fand anschließend ein Festakt statt. Schwester Maria Bernadette, die 46. Abtissin, erklärte in ihrer Begrüßung, sie und ihre Mitschwestern seien sich der besonderen Bedeutung des Klosters „im lichten Tale“ in der Baden-Badener Kur- und Bäderlandschaft bewusst. Dem eigens aus Salem angereisten Prinz Bernhard von Baden dankte sie für das über Jahrhunderte anhaltende Wohlwollen, das die Markgrafen den Klosterbewohnern bis heute entgegenbrächten. Prinz Bernhard berichtete in seinem Grußwort, Hermann V., der zusammen mit seiner Ehefrau Irmengard die Gründungsurkunde für das Kloster unterschrieben habe, sei von dem berühmten Stauferkaiser Friedrich II. stark beeinflusst gewesen, möglicherweise auch in der Entscheidung, das Kloster zu errichten.

Der „gute Geist“ der Stadt

Oberbürgermeisterin Margret Mergen erklärte, beim Betreten des Klosters erfahre sie jedes Mal ein Gefühl von Frieden. Es sei der „gute Geist in unserer Stadt“ und ein Sehnsuchtsort. Die Glückwünsche der Seelsorgeeinheit überbrachte Alexander Stummvoll, bevor Prof. Wolfgang Zimmermann, Leiter des Generallandesarchives in Karlsruhe, in seinem Festvortrag aus der Geschichte des Klosters berichtete. „Das hier ist leider kein Geschenk, ich muss es wieder mitnehmen“, erklärte er mit Blick auf das Original der Gründungsurkunde, das normalerweise in Karlsruhe aufbewahrt wird und das die Anwesenden eingerahmt in Augenschein nehmen konnten. Zimmermann kam auch auf den Bericht eines unbekannten Verfassers zu sprechen, mit dem Titel „Anfang der Gründung des Klosters Lichtenthal“. Der Text in lateinischer Sprache werde ebenfalls im Generallandesarchiv aufbewahrt. Sein Leitgedanke sei geprägt von der Sorge um das Leben im Kloster.

Prof. Wolfgang Zimmermann, Leiter des Generallandesarchivs in Karlsruhe (links), hat zur Feierstunde die Gründungsurkunde des Klosters aus dem Jahr 1245 mitgebracht. Foto: Philipp

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Prof. Wolfgang Zimmermann, Leiter des Generallandesarchivs in Karlsruhe (links), hat zur Feierstunde die Gründungsurkunde des Klosters aus dem Jahr 1245 mitgebracht. Foto: Philipp

Der Blick zurück auf die Zeit, als alles begonnen habe, sollte den Nonnen immer wieder Ansporn und Mahnung zugleich sein, an dem ursprünglichen Ideal festzuhalten und die Gegenwart immer wieder daran auszurichten. 775 Jahre Kloster Lichtenthal zeigten, so Zimmermann, dass die Rückbesinnung auf das Fundament des Zusammenlebens immer wieder Neues hervorgebracht habe – als Antwort auf die Fragen und Herausforderungen der jeweiligen Gegenwart. Die Welt heute sei vielleicht mehr denn je auf solche Fixsterne oder Orientierungspunkte angewiesen. Im Anschluss hatten die Anwesenden die Möglichkeit sich auszutauschen. Die musikalische Umrahmung des Festaktes übernahm das Ensemble Diletto.

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Erstellt:
3. Februar 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 39sec

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