Tiefgehende Wirkung auf Körper, Geist und Seele

Baden-Baden (red) – Wildkräuter- und Heilpflanzen-Expertin Monika Wasel hat in der Serie „Noch mehr Wildes...“ Pflanzen vorgestellt. Nun folgt „Gesund schnuppern“: Ätherische Öle und ihre Bedeutung.

•Riecht gut, tut gut: Ätherische Öle können entspannen, zur Wundheilung beitragen und Schmerzen lindern. Foto: Christin Klose/dpa

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•Riecht gut, tut gut: Ätherische Öle können entspannen, zur Wundheilung beitragen und Schmerzen lindern. Foto: Christin Klose/dpa

Von Monika Wasel

Auf Pflanzen folgen Öle: Über den Sommer hat Wildkräuter- und Heilpflanzen-Expertin Monika Wasel aus dem Rebland in der Serie „Noch mehr Wildes...“ Pflanzen vorgestellt, die in unserer Region wachsen. Nun startet eine neue Serie: „Gesund schnuppern“. Dabei stellt Monika Wasel ätherische Öle vor und geht auf deren Bedeutung ein.

Im ersten Teil gibt die Expertin eine kleine Einführung in die Aromatherapie, bevor im kommenden Teil das erste wohlriechende Öl vorgestellt wird.

Eine enorme Lebenskraft der Pflanzen in konzentrierter Form ist in den ätherischen Ölen enthalten. Diese hochwirksamen Pflanzensubstanzen werden in kleinen Drüsen an verschiedenen Stellen der Pflanzen gebildet. Viele dieser Essenzen entfalten ihren Duft erst, wenn man mit der Hand die Blätter oder andere Pflanzenteile zerreibt. Diese Öldrüsen befinden sich nicht nur in Blättern und Blüten der Pflanzen, sie können in ganz verschiedenen Stellen enthalten sein wie zum Beispiel in den Schalen (bei allen Agrumen, also Zitrusgewächsen), im Holz (zum Beispiel Zedernholz), in den Wurzeln (Ingwer, Angelikawurzel, Vetiver), in der Rinde (Zimtrinde), oder im Harz (Weihrauch, Myrrhe).

Schon das Wort ätherisch – abgeleitet vom griechischen Begriff „aither“ wie „Himmelsduft“ – deutet an, dass es sich um etwas Flüchtiges, nicht Greifbares handelt. Daher werden die ätherischen Öle auch als die „Seele der Pflanzen“ bezeichnet. Die Essenzen bestehen im Wesentlichen aus Kohlenwasserstoffverbindungen und verdunsten rasch, kommen sie mit Sauerstoff in Verbindung.

Ätherische Öle (die Bezeichnung „Öl“ ist irreführend, denn sie sind nicht fettig, sondern eben flüchtig) entfalten für den Menschen eine vielfältige Wirkung von beruhigend, anregend, ausgleichend, krampflösend, schmerzlindernd bis hin zu entzündungshemmend. Manche von ihnen steuern die Vermehrung und Erneuerung von Körperzellen und haben somit einen zellstimulierenden Effekt, wie zum Beispiel Lavendel oder Geranie. Ätherische Öle können schmerzlindernd wirken, da sie die körpereigene Produktion von Endorphinen anregen.

Ätherische Öle können mit ihren Düften nicht nur Wohlgerüche verbreiten oder die Raumluft verbessern, sie haben vielmehr eine tiefergehende Wirkung auf Körper, Geist und Seele des Menschen.

Diese vielfältigen Wirkungen der ätherischen Öle waren bereits im alten Ägypten bekannt. Dort wurden sie regelrecht als Medizin eingesetzt. Durch einfache Destillen war es den Ägyptern schon möglich, die ätherische Essenz den Pflanzen zu entlocken. Eins der bekanntesten ätherischen Öle zu dieser Zeit war Weihrauch, mit dem die Ägypter auch ihre Toten einbalsamierten. In den 80er Jahren fanden amerikanische Wissenschaftler an einer einbalsamierten Mumie noch teilungsfähige Hautzellen. Auch versetzten die Ägypter ihre Bäder mit wohlriechenden Duftölen, benutzten sie bei Massagen und zur Kontemplation.

Aber es gilt: Duftende Essenzen sind nicht immer harmlos. Ätherische Öle sind hochkonzentrierte und hochwirksame Substanzen, die auch Risiken und Nebenwirkungen beinhalten können. Deshalb sollten folgende Hinweise bei der Reise durch die Welt der Düfte stets beachtet werden:

- Vorsicht bei Neigung zu Epilepsie: Verschiedene ätherische Öle können einen epileptischen Anfall auslösen.
- Bluthochdruck: Falls Bluthochdruck am Start ist, sollten folgende Öle gemieden werden: Rosmarin, Ysop, Salbei. Im Zweifelsfall immer den Rat eines Aromatherapeuten einholen.
- Während einer homöopathischen Behandlung kann man ohne Weiteres ätherische Öle in der Duftlampe verwenden, jedoch nicht äußerlich anwenden, also zum Beispiel nicht für Bäder, oder Massagen.
- Während einer Schwangerschaft sollten die Öle nur unter Aufsicht eines erfahrenen Aromatherapeuten/Heilpraktiker angewendet werden.
- Die Anwendung bei Kindern richtet sich nach der Intensität des Öls und des Alters des Kindes.

In den folgenden Wochen erfahren die BT-Leser Interessantes über verschiedene ätherische Öle, die uns gerade in der bevorstehenden dunklen Jahreszeit Licht in die Stube und in die Seele zaubern können. Die Leser erfahren, wie und welche ätherischen Öle für wohltuende Bäder und Massagen angewendet, wie viele ätherischen Öle richtig in der Küche verwendet werden können und welche ätherischen Öle man als „Notfall-Öl“ immer zur Hand haben sollte.

Zum Schluss sollen heute die alten Ägypter noch einmal zu Wort kommen. Damals hieß es: „Kein Tag ist schön ohne Wohlgeruch.“ Schnuppern wir uns also gesund.

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Erstellt:
29. Oktober 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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