Vier Fragen an: Benedikt Stampa

Baden-Baden (cl) – Im Interview mit BT-Redakteurin Christiane Lenhardt spricht der 54-jährige Intendant Benedikt Stampa über die derzeitige Situation im Festspielhaus und die Hoffnung, wenigstens einen Teil des Spielplans bis zum Sommer aufnehmen zu können. Auch die Pfingstfestspiele Anfang Juni hat er noch nicht endgültig abgeschrieben.

Stampa ist sich sicher, dass die Zuschauer nach der Krise begeistert ins Festspielhaus zurückkehren werden. Foto: Christian Grund

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Stampa ist sich sicher, dass die Zuschauer nach der Krise begeistert ins Festspielhaus zurückkehren werden. Foto: Christian Grund

Von Christiane Lenhardt

BT: Herr Stampa, wie ist die Stimmung bei Ihnen im Festspielhaus angesichts des gestoppten Spielbetriebs?

Benedikt Stampa: Ich mache aus meinem Herzen keine Mördergrube. Wir hatten einen Wahnsinnsstart in die Saison, die Aufführungen bislang waren wirklich gut verkauft, mit einer wirklich tollen Präsenz der Künstler. Das ist für uns ein Schlag mitten in einer sehr guten Phase. Trotzdem ist die Stimmung den Umständen entsprechend gut. Die ganze Festspielhausfamilie, die Mitarbeiter, Stiftungsvorstand, Stifter, Freundeskreis, hält fest zusammen.

BT: Was wird jetzt aus der Produktion? Kann die Oper im Herbst in irgendeiner Form noch nachgeholt werden?

Stampa: Die Oper noch in diesem Herbst zu zeigen, das wird schwierig, dafür gibt es zu viele Unwägbarkeiten. Ostern 2021 ist auch schon fertig geplant. Es wäre schade, wenn wir es nicht schaffen würden, die Oper nachzuholen, aber wie es bei Festspielen halt so ist, man kann Dinge, wenn sie weg sind, auch nicht mehr im Repertoirebetrieb aufwärmen. Es wird schon nicht einfach werden in den nächsten Jahren, überhaupt den Spielplan aufrechtzuerhalten.

Wir wissen ja nicht, wie unsere Kulturwelt nach Corona aussieht. Wie sich jetzt schon abzeichnet, sind durch die Krise viele Künstler in Schwierigkeiten geraten. Viele Ensembles, gerade die freien, stehen kurz vor der Insolvenz. Wir wissen nicht, was mit den großen Orchestern und großen Opernhäusern wird. Wie viele Inszenierungen im nächsten Jahr überhaupt machbar sind. Die Auswirkungen der Corona-Krise auf unsere Spielpläne dauert sicherlich länger.

BT: Viele Bühnen bieten zurzeit Ersatz mit Streaming-Angeboten. Planen Sie Ähnliches?

Stampa: Ja, Streaming ist derzeit ein großes Thema. Meine Kollegen von der Digital Concert Hall in Berlin werden gerade überschwemmt von Neuanmeldungen. Die machen ja nun auch digitale Osterfestspiele mit den Berliner Philharmonikern, die wir gemeinsam mit ihnen auch online zeigen werden. Wir bieten auch ein digitales Streaming-Programm mit unserem Partner takt1, das digitale Hausfestspiel. Da gibt es außerdem einmal die Woche eine Produktion aus den früheren Spielzeiten des Festspielhauses: vom „Rosenkavalier“ mit Thielemann bis zu Festspielkonzerten.

BT: Trotz aller Ausfälle, die mit Ersatzlösungen kaum kompensiert werden können. Können Sie dem Ganzen auch etwas Positives abgewinnen?

Stampa: Ich denke, wir alle werden in Zukunft vielleicht schon genauer hingucken, was wir machen werden. Wie hoch die Geschwindigkeit, in der sich alles dreht, noch sein muss. Was das Festspielhaus und sein Programm betrifft, aber bin ich mir auch sicher, wenn das Ganze überstanden ist, dass die Leute begeistert zurückkommen werden. Es gibt eine Sehnsucht nach Miteinander. Das wird noch besser als vorher.

„Vier Fragen an:“ ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind.

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Erstellt:
12. April 2020, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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