Vier Fragen an: Bodo Haffner

Baden-Baden (naf) – Polizeimeister Bodo Haffner vom Polizeirevier Baden-Baden berichtet im Gespräch mit BT-Volontärin Nadine Fissl, wie der Streifendienst in Zeiten von Corona aussieht und wie es sich anfühlt, wenn ein enger Kontakt zu anderen nicht vermeidbar ist.

Trotz Risiko im Einsatz: Nach dem engen Kontakt bei einer Festnahme bleibt auch bei Bodo Haffner ein ungutes Gefühl. Foto: Polizeipressestelle Offenburg

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Trotz Risiko im Einsatz: Nach dem engen Kontakt bei einer Festnahme bleibt auch bei Bodo Haffner ein ungutes Gefühl. Foto: Polizeipressestelle Offenburg

Von Nadine Fissl

BT: Herr Haffner, was hat sich durch die Corona-Verordnung bei Ihnen verändert?

Bodo Haffner: Viele Menschen sind anfänglich aus Verunsicherung zu Hause geblieben. Darum hatten wir einen leichten Rückgang bei unseren alltäglichen Auftragslagen. Nachdem sich unser Alltagsgeschäft wieder normalisiert hatte, wurden sowohl zusätzliche Kollegen der Bereitschaftspolizei als auch eigene Kräfte über die Regeldienstzeit hinaus bereitgestellt, um flächendeckende Kontrollen durchzuführen. So wurde die Einhaltung der Corona-Verordnung gewährleistet.

Auch wurden Maßnahmen getroffen, um sowohl die Bürger als auch uns bestmöglich zu schützen. Das Polizeipräsidium und die Revierleitung haben beispielsweise Trennwände, Schutzmasken und Desinfektionsmittel angeschafft.

Außerdem werden Anzeigeerstatter auf unsere Internetwache verwiesen, um Online-Strafanzeige zu erstatten. Diese werden an uns weitergeleitet und bearbeitet. So wird der persönliche Kontakt auf ein Minimum reduziert. Es ist eben ein Spagat zwischen dem Schutz aller Beteiligten und der von uns gewünschten Bürgernähe.

BT: Mit was für Reaktionen müssen Sie umgehen, wenn Sie Verwarnungen aufgrund des Infektionsschutzgesetzes aussprechen?

Haffner: Wie oft in unserem Alltag, sind die Reaktionen sehr konträr. Selbstverständlich versuchen wir, die Durchsetzung der Maßnahmen mit einer gewissen Besonnenheit zu verrichten. Zu Beginn waren vielen Menschen trotz der intensiven Berichterstattung der Medien noch immer unsicher, was rechtlich erlaubt ist und was nicht. Bei einem Verstoß hat oft schon ein kurzes Gespräch mit einem entsprechenden Hinweis genügt. Viele haben sich einsichtig gezeigt und die Anweisungen befolgt.

Es kam allerdings auch vor, dass wir auf taube Ohren gestoßen sind. Manche zeigten sich uneinsichtig und wurden verbal ausfallend, bis hin zu beleidigend. Hier mussten wir Platzverweise aussprechen und auch schon mal dem ein oder anderen drohen, ihn in Gewahrsam zu nehmen. Leider ist die Einsicht, dass das Gemeinwohl über dem Wohl des Einzelnen steht, nicht bei allen vorhanden.

BT: Gibt es Erlebnisse, die Ihnen besonders im Kopf geblieben sind?

Haffner: Bei einem unserer ersten Einsätze zu Beginn der Pandemie hatten wir es mit einem flüchtenden Ladendieb aus dem zuvor als Risikogebiet eingestuften Elsass zu tun. Bei der Festnahme waren insgesamt fünf Kollegen beteiligt. Während der weiteren Maßnahmen konnten bei dem Beschuldigten Krankheitsanzeichen in Form von Fieber und Husten festgestellt werden. Bis zur Auswertung des Untersuchungsergebnisses durften wir die Dienststelle nicht mehr betreten und wurden nach Hause in Quarantäne geschickt. Auch wir haben Angehörige zu Hause, die zur Risikogruppe gehören. Zu ihnen mussten wir mehrere Tage strikten Abstand halten. Während dieser Zeit hatten wir alle ein ungutes Gefühl und auch Angst, jemanden anstecken zu können.

BT: Wie geht es Ihnen damit, dass Sie trotz Infektionsrisiko manchmal sehr nahe am Menschen interagieren müssen?

Haffner: Wir sind uns des erhöhten Risikos selbstverständlich bewusst. Gerade nach dem Kontakt bei einer Festnahme bleibt immer ein ungutes Gefühl. Allerdings wurden, wie schon bereits erwähnt, diverse Anschaffungen getätigt, um uns bestmöglich zu schützen. Ein gewisses Restrisiko ist trotz allem nicht auszuschließen. Dass wir angespuckt werden, kommt sporadisch vor, bisher aber nicht mit der Intention, uns mit Corona anzustecken. Falls das doch einmal eintreten sollte, haben wir sogenannte Spuckschutzmasken, die wir demjenigen anlegen könnten.

„Vier Fragen an:“ ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.

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Erstellt:
31. Mai 2020, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 45sec

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