Vier Fragen an: Jacqueline Grimm

Baden-Baden (naf) – Die momentane Krise lässt auch Vierbeiner nicht außen vor: der Buchtunger Tierhof in Sinzheim hat seit dem 23. März ebenfalls seine Türen für Besucher geschlossen. BT-Volontärin Nadine Fissl hat sich mit Tierheimleiterin Jacqueline Grimm darüber unterhalten, was das für die Tiere bedeutet.

Die Tierheimleiterin übernimmt zurzeit auch ein paar Schmuse- und Spieleinheiten mehr. Foto: Grimm

© pr

Die Tierheimleiterin übernimmt zurzeit auch ein paar Schmuse- und Spieleinheiten mehr. Foto: Grimm

Von Nadine Fissl

BT: Frau Grimm, was für Auswirkungen hat das Coronavirus auf Ihr Tierheim?

Jacqueline Grimm: Vor den Corona-Zeiten hatten wir vor allem am Wochenende bestimmt an die 20 freiwillige Stammgassigänger und spontane Gassigänger, die vor unseren Türen gewartet haben. Vor allem die Stammgassigänger nutzen immer die vollen zwei Stunden aus, um unsere Hunde auszuführen, das genießen die Hunde natürlich. Einige der Stammbelegschaft werden einzeln auch weiterhin kommen, um die Hunde auszuführen. Die Zeiten werden aber einzeln abgesprochen und für die Öffentlichkeit ist geschlossen. Aktuell werden die Stammgassigänger eben auch unter der Woche verteilt, sodass alle Hunde zu ihren regelmäßigen Spaziergängen kommen und die Katzen zu ihren Schmuseeinheiten. Wer „übrig“ bleibt, wird eben von uns ausgeführt, genauso wie an den regulären Ruhetagen auch.
So kommen in der Regel alle Hunde jeden Tag zu einem längeren oder etwas kürzeren Spaziergang runter vom Tierheim-Gelände. Außerdem können sich die Fellnasen natürlich auf unseren großen Wiesenausläufen austoben. Die Katzen können ihr Außengehege sowieso den ganzen Tag nutzen und freuen sich auch mal über etwas Ruhe und ein längeres Schläfchen.

BT: Was bedeutet das für die Tiere und auch für Sie, wenn keine Besucher mehr kommen können?

Grimm: Versorgt werden unsere Tiere natürlich alle weiterhin regelmäßig. Wir als Team sind trotzdem den ganzen Tag über, sieben Tage die Woche, vor Ort, um unsere Tiere zu versorgen. Wir werden auch weiterhin allen gerecht werden. Die Vermittlung wird natürlich längerfristig darunter leiden, denn viele wollen einfach mal vorbeischauen und verlieben sich spontan in einen unserer Schützlinge. Bei einem Besuch vor Ort springt der Funke oft schneller über als nur über Fotos.

Trotzdem wollen wir unseren Schützlingen natürlich auch in den Corona-Zeiten die Chance auf ein eigenes Zuhause geben. Fällt Interessierten ein Hund, eine Katze oder ein Kleintier auf unserer Homepage oder auf unserer Facebookseite auf, können sie sich gerne telefonisch unter (07221) 276261 oder per Mail unter info@neuetierhilfe.de bei uns melden. Wir werden uns dann mit den Leuten in Verbindung setzen. Danach folgen Vorabgespräche und es wird geschaut, ob das gewünschte Tier wirklich passen könnte, Je nachdem werden dann einzelne Kennenlerntermine vereinbart. Es wird vielleicht ein wenig anders als sonst ablaufen, aber es ist definitiv auch weiterhin machbar, ein neues Familienmitglied bei sich aufzunehmen.

BT: Wie können Sie fehlende Besuche ausgleichen?

Grimm: Wir versuchen einfach, den Spagat zu schaffen und Tierpfleger und Besucher in einem zu sein. Einerseits gibt es die reguläre Arbeit mit Zimmer reinigen, Ställe misten, füttern und vieles mehr, andererseits gilt es jetzt auch, den Spaß, Spiel und Schmusefaktor mit einzubauen, den die Tiere sonst von den Besuchern bekommen.

BT: Gibt es einen Weg, Sie trotzdem zu unterstützen?

Fehlende Vermittlungen, keine oder kaum Besucher auf dem Hof sowie ausfallende Feste und Veranstaltungen werden sich natürlich auch finanziell bemerkbar machen. Da wir als privater Tierschutzverein nur von Spenden leben, hoffen wir trotz der schwierigen Zeiten natürlich auf die Hilfe und Unterstützung der Menschen.

Unterstützen kann man uns natürlich weiterhin gerne mit Sach-, Futter-, und Geldspenden. Telefonisch können wir auch besprechen, was gebraucht wird. Spenden können nach telefonischer Anmeldung immer noch vorbeigebracht oder eben vor der Tür abgestellt werden. Auch informieren wir gerne telefonisch über unsere Tiere und Projekte. Ehrenamtliche Tätigkeiten auf dem Hof oder eben Hundeausführen ist aktuell leider nicht machbar, wir hoffen aber, dass das Interesse der Menschen, die jetzt anfragen, etwas anhält und später immer noch aktuell ist. Dann freuen wir uns natürlich wieder sehr über neue ehrenamtliche Helfer, die uns tatkräftig auf dem Hof unterstützen.

„Vier Fragen an:“ ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.

Zum Artikel

Erstellt:
29. März 2020, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 03sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.