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Vier Fragen an: Tim Failing

Baden-Baden (naf) – Alkohol ist gerade für Kinder und Jugendliche ein gefährliches Suchtmittel. Das kommunale Präventionsprogramm „Halt – Hart am Limit“ will zum Thema aufklären.

Tim Failing ist seit Oktober 2019 kommunaler Suchtbeauftragter und Halt-Koordinator in Baden-Baden.Foto: Failing

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Tim Failing ist seit Oktober 2019 kommunaler Suchtbeauftragter und Halt-Koordinator in Baden-Baden.Foto: Failing

Von Nadine Fissl

An 155 Standorten wird „Halt“ umgesetzt – darunter auch in Baden-Baden und Rastatt. BT-Volontärin Nadine Fissl hat sich mit dem kommunalen Suchtbeauftragten der Stadtverwaltung Baden-Baden, Tim Failing, über das Programm unterhalten.

BT: Herr Failing, in welcher Form ist „Halt“ in Baden-Baden aktiv?

Tim Failing: „Halt“ beinhaltet eine Vielzahl von Maßnahmen zur Prävention exzessiven jugendlichen Alkoholkonsums, die in Baden-Baden in wechselndem Umfang durchgeführt wurden und werden. Kernelement sind reaktive Maßnahmen wie Brückengespräche für Jugendliche im Krankenhaus nach Alkoholintoxikation, Beratungsgespräche für Eltern oder ein Gruppenprogramm zur Frühintervention „Risikocheck Alkohol“. Auch die sogenannten proaktiven Maßnahmen wie die Festbegleitung mit Jugendschutzteams und die Unterstützung bei der Planung und Vorbereitung von Festen sowie das Vereinszertifizierungsprogramm und die Unterstützung von Schulen, beispielsweise durch das Angebot eines „Risikochecks Schule“ oder Beratung bei der Planung und Vorbereitung von Klassenfahrten und Klassenfesten, sind ein großer Bestandteil des Programms. Ebenso gibt es in Baden-Baden Präventionsmaßnahmen für den Einzelhandel, beispielsweise Information und Material zur Gewährleistung des Jugendschutzes beim Verkauf alkoholischer Getränke.

BT: Gerade während der Fastnachtszeit sind die „Halt“-Teams in der Region unterwegs – beispielsweise bei Umzügen oder Abendveranstaltungen. Was sind Ihre Beobachtungen bezogen auf die Fastnachtszeit?

Failing: Bisher konnten wir bei den Fastnachtsveranstaltungen eine rückläufige Zahl von Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen erleben. Das gilt insbesondere dort, wo Jugendschutzteams im Einsatz waren und die Veranstalter gemeinsam mit Polizei, Ordnungsamt, Security und Fachstelle Sucht tragfähige Sicherheitskonzepte entwickelt haben. Es kann jedoch nach wie vor keine Entwarnung gegeben werden, da die Erfahrungen der letzten Jahre gezeigt haben, dass dort, wo der Einsatz präventiver Maßnahmen reduziert wurde, auch schnell wieder Probleme mit alkoholisierten Jugendlichen auftraten.

BT: Arbeiten Sie auch mit der Polizei zusammen?

Failing: „Halt“ vor Ort ist ein Gemeinschaftsprojekt der Kommunen, Fachstelle Sucht und Polizei sowie dessen Projektleitung, die bei der Fachstelle Sucht Baden-Baden/Rastatt liegt. Weitere Kooperationspartner sind Schulen, Schulsozialarbeit, offene Jugendarbeit mit ihren unterschiedlichen Trägern, Vereine und Einzelhandel. Die Polizei ist also maßgeblicher Partner im „Halt“-Projekt, ohne die eine Vielzahl von Maßnahmen gar nicht möglich wäre. Bei den Jugendschutzteams stehen allerdings nicht Sanktionen, sondern Deeskalation und die Förderung von Einsicht bei den Jugendlichen im Vordergrund.

BT: Was für Rückmeldungen bekommen Sie von betroffenen Jugendlichen und wie erfolgreich ist das Programm?

Failing: Zumeist sind die Reaktionen erstaunlich positiv. Tendenziell entsteht nach anfänglichem Ärger doch ein gewisses Maß an Einsicht und es kommt selten zu schwerwiegenderen Konflikten – die gab es vereinzelt allerdings auch schon. Der reaktive Bereich ist sehr erfolgreich, nur ganz wenige Jugendliche tauchen nach erfolgten Maßnahmen ein zweites Mal im Programm auf. Im proaktiven Bereich ist über die Jahre ein hohes Maß an Sensibilisierung bei den relevanten Partnern entstanden, die Schnittstellen für jugendlichen Alkoholkonsum darstellen. Wir erleben in der Bevölkerung ein hohes Maß an Zustimmung und Akzeptanz. Die Anzahl intoxikierter Jugendlicher ist deutlich zurückgegangen, auf den Festen sind Alkoholexzesse von Jugendlichen ebenfalls zurückgegangen und die Promillezahlen, die wir bei Alkoholkontrollen feststellen sind geringer als noch vor zwei bis drei Jahren.

„Vier Fragen an:“ ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.

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Erstellt:
22. März 2020, 05:55 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 44sec

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