Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf Baden-Badens Partnerstädte?

Baden-Baden (red) –Die Strände an der Côte d’Azur sind gesperrt, Moncalieri verteilt Masken an die Bevölkerung Ü50 und in Tschechien dürfen zwei Stunden lang nur Senioren einkaufen. Der Umgang mit der Corona-Krise ist weltweit unterschiedlich. Wie es in den Baden-Badener Partnerstädten aussieht, erfahren Sie in der folgenden Übersicht.

Die Piazza Baden-Baden ist eigentlich ein belebter Platz nahe der Altstadt von Moncalieri. Aktuell ist er ungewohnt menschenleer.Foto: Partnerschaftsverein

© pr

Die Piazza Baden-Baden ist eigentlich ein belebter Platz nahe der Altstadt von Moncalieri. Aktuell ist er ungewohnt menschenleer.Foto: Partnerschaftsverein

Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf den Alltag der Menschen in den Baden-Badener Partnerstädten Menton (Partnerstadt seit 1961), Moncalieri (seit 1990), Karlovy Vary (seit 1998), Jalta (seit 2000) und Sotschi (seit 2012).
Martine Casério, die zweite Beigeordnete der südfranzösischen Stadt Menton, musste, nachdem sie sich während einer kleinen Feier im Anschluss der Bürgermeisterwahl mit einem Infizierten in einem Raum aufgehalten hatte, selbst für 14 Tage in häusliche Quarantäne, schreibt die Stadtpressestelle von Baden-Baden in einer Mitteilung. In Menton gilt, wie in ganz Frankreich, eine strenge Ausgangssperre, die bußgeldbewehrt ist und von der örtlichen Polizei kontrolliert wird. Der Strand der direkt an der Côte d’Azur liegenden Stadt und die Promenade sind gesperrt. Laut Martine Casério halten sich die Einwohner an die angeordneten Maßnahmen. Allabendlich um 20 Uhr applaudieren die Mentoneser auf ihren Balkonen zum Dank für die von Ärzten und Krankenschwestern geleistete Arbeit, heißt es weiter.

In Moncalieri gilt, wie in ganz Italien, bis zum 3. Mai ein strenges Ausgangsverbot. Mit einer Schulöffnung vor den Sommerferien wird nicht mehr gerechnet. Seit wenigen Tagen dürfen Buchhandlungen und Wäschereien wieder öffnen, allerdings sind strenge Abstandsregeln einzuhalten. Nicht alle Geschäftsinhaber öffnen, manchen erscheint es noch verfrüht. Oberbürgermeister Paolo Montagna nutzt die sozialen Medien, um über die Maßnahmen der Verwaltung und die aktuelle Situation zu berichten. Über Facebook postet er fast täglich neue Informationen oder persönliche Statements zur Corona-Krise. So teilte er am 16. April mit, dass die Stadtverwaltung dabei ist, die von den Bürgern bestellten Atemschutzmasken auszuliefern. Alle Bürger ab dem 50. Lebensjahr und Menschen mit schweren Vorerkrankungen können diese bei der Verwaltung beantragen. Auch über die derzeitige Situation in Baden-Baden informiert Montagna auf seiner Facebook-Seite.

Halb-Marathon in Karlovy Vary verschoben

Im tschechischen Karlovy Vary (Karlsbad) ist Michaela Micudová, Mitarbeiterin der Stadtverwaltung, seit über zwei Wochen mit ihren Kindern zu Hause und dabei Lehrerin, Erzieherin, Köchin, Putzfrau und Mutter in einer Person, schreibt Stadtpressesprecher Roland Seiter, der auch die Pressearbeit des Partnerschaftsvereins macht. In der Tschechischen Republik gilt ein Begegnungsverbot von mehr als zwei Menschen. Für alle besteht die Pflicht zum Tragen eines Mundschutzes. Bis auf Lebensmittelgeschäfte, Apotheken, Baumärkte, Drogerien, Elektro- und Stoffgeschäfte, Fahrradläden, Reparaturservices, Tankstellen und Onlineshops sind alle Geschäfte geschlossen. Die Behörden haben angeordnet, dass von 8 bis 10 Uhr ausschließlich Senioren einkaufen können, schreibt Seiter. Die Mehrheit der Angestellten bleibe zu Hause. In Karlovy Vary gelten für Linienbusse die Ferienfahrpläne.

In der tschechischen Bäder- und Kurstadt gibt es Hilfsangebote für Senioren. So erledigen Freiwillige Besorgungen und Einkäufe, gehen mit Hunden spazieren oder besorgen die Mundschutze, die sich die Menschen in der ganzen Tschechischen Republik mittlerweile selbst nähen. Die traditionsreiche Eröffnung der Kursaison wurde bereits auf Ende Mai und der Halb-Marathon auf den 24. Oktober verschoben. Ob und wann das renommierte internationale Filmfestival stattfinden kann, ist ungewiss. Wie in Baden-Baden ist die Touristik, und damit die wichtigste wirtschaftliche Grundlage der Stadt, besonders betroffen. Soweit möglich, versuchen Hotels, Pensionen und Gastbetriebe ihre Mitarbeiter zu halten und können dazu Kurzarbeitergeld beantragen. Insgesamt verhielten sich die Menschen vernünftig. Die getätigten Hamsterkäufe zu Anfang der Corona-Krise gebe es mittlerweile nicht mehr. Die von der Regierung angeordneten Einschränkungen wurden erneut verlängert.

Sotschi sagt alle Veranstaltungen ab

Ljuba Gribkova aus Jalta auf der Halbinsel Krim berichtet von noch wenigen Infizierten, die nach ihren Angaben das Virus aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und Italien mitgebracht hätten. Viele Einwohner, die Kontakt zu den Infizierten gehabt haben, sind oder waren in häuslicher Quarantäne. Seit dem 28. März bleibt Gribkova als Mitarbeiterin der Stadtverwaltung ebenfalls grundsätzlich zu Hause und fährt nur für zwei bis drei Stunden an ihren Arbeitsplatz im Rathaus. In Jalta dürfen laut Gribkova nur Lebensmittelgeschäfte, Apotheken und Drogerien öffnen. Seit dem 4. April wurden die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus verschärft.

Über die Lage im russischen Sotschi informierte Jana Korsun, Mitarbeiterin der Stadtverwaltung, aus dem Homeoffice. Auch in der Stadt am Schwarzen Meer gibt es Corona-Erkrankte. Alle Veranstaltungen wurden abgesagt oder verschoben. Die Lebensmittelgeschäfte, Apotheken und Drogerien sind geöffnet. Für die Menschen hat die Regierung in Moskau die arbeitslose, aber bezahlte Zeit bis zum 30. April verlängert. In der Region Krasnodar, zu der Sotschi gehört, dürfen die Menschen ihre Häuser und Wohnungen nur verlassen, wenn sie zur Arbeit, zum Arzt oder zum Einkaufen gehen. Die Polizei überprüft diese Maßnahmen und kann Bußgelder zwischen 15000 und 500000 Rubel, umgerechnet etwa zwischen 180 und 6000 Euro verhängen. Insgesamt zeigten die Menschen Verständnis für die angeordneten Maßnahmen und so ist die Stadt ziemlich leer.

Zum Artikel

Erstellt:
21. April 2020, 17:07 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 24sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.