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Welche Heimat für die 59000 Katholiken?

Baden-Baden (mig) – Weniger Mitglieder, Mitarbeiter und Priester: Wohin geht die Reise der katholischen Kirche? Für das Dekanat Baden-Baden gibt es unterschiedliche Vorschläge.

Die Kirchengemeinden in Steinbach samt Neuweier, Varnhalt und Eisental könnten in einer neuen Pfarrei mit 59000 Katholiken aufgehen. Foto: Gabriel

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Die Kirchengemeinden in Steinbach samt Neuweier, Varnhalt und Eisental könnten in einer neuen Pfarrei mit 59000 Katholiken aufgehen. Foto: Gabriel

Wohin geht die Reise der katholischen Kirche? Das Erzbistum Freiburg hat sich vorgenommen, organisatorisch den Rückwärtsgang einzulegen und sich auf immer weniger Mitglieder, Mitarbeiter und Priester einzurichten. Deshalb wird derzeit nach den künftigen Zuschnitten für rund 40 Großpfarreien gesucht, in denen es bisher noch 224 Seelsorgeeinheiten gibt. In der Kurstadt ist das Rebland eigentlich eine eigene Größe, hat man sich im Rebland überlegt. Ist es dann gut, dem Vorschlag zu folgen, den Dekan Martin Schlick am besten findet, nämlich das Dekanat Baden-Baden komplett zu einer Kirchengemeinde zu machen? Sie würde von Oos bis Lichtenau und von Hügelsheim bis Bühlertal und Herrenwies reichen. In diesem Gebiet gibt es heute laut aktueller Auskunft aus Freiburg rund 59000 Katholiken.

Über die Vorschläge diskutieren Susan Hamleser, Claus Kassautzki und Frank Maier (von links). Foto: Gabriel

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Über die Vorschläge diskutieren Susan Hamleser, Claus Kassautzki und Frank Maier (von links). Foto: Gabriel

„Im Dekanat arbeiten wir seit vielen Jahren gut zusammen“, sagt der Dekan. Deshalb habe er eine Vorliebe für diese Variante. Es gebe Stimmen, die ihn darin bestärken und andere, die sich für zwei neue Pfarreien auf dem Gebiet des heutigen Dekanats aussprechen. Tatsächlich gibt es im Katalog der Vorschläge, die die Diözese veröffentlicht hat, fünf Varianten für den Bereich Baden-Baden. Sie würden aus dem Dekanat entweder eine oder zwei Großpfarreien machen. Bei einer Zweiteilung wären die bisher drei Seelsorgeeinheiten Oos, Baden-Baden und Rebland mal alleine und mal zusammen mit der Seelsorgeeinheit Iffezheim-Ried. „Unser Pfarrgemeinderat hat sich dafür ausgesprochen, das Dekanat in zwei Kirchengemeinden zu teilen“, berichtet Pastoralreferent Claus Kassautzki. Dann käme die Seelsorgeeinheit Rebland mit den vier Ortschaften Steinbach, Neuweier, Varnhalt und Eisental zu den heutigen Seelsorgeeinheiten Baden-Baden und Baden-Baden-Oos. Die Seelsorgeeinheit Iffezheim-Ried dazu zunehmen, sei keine Idee aus dem Rebland. Als er bei der Seniorenfeier in Eisental über die kommenden Veränderungen gesprochen hatte, habe er auch eine andere Diskussion erlebt: Nämlich, dass Eisental bei der Neuorganisation zu Bühl kommen sollte, wo es auch politisch hingehört. Die kirchlich Engagierten hätten diesen Wunsch nicht, denn kirchlich sei Eisental mit Neuweier verbunden. Man habe sich schon in den 90er Jahren einen Pfarrer geteilt.

Kassautzki selbst, seit 30 Jahren Pastoralreferent und Veränderungen gewohnt, plädiert für die „große Lösung“ und nicht für die Teilung des heutigen Dekanats in zwei Hälften. Denn das Rebland unterscheide sich stark von der Kurstadt und hätte in einer großen neuen Pfarrei mehr Freiheiten, vor Ort die passenden Angebote zu machen. Doch wie das gelingen kann, das fragt sich Pfarrer Frank Maier. Er ist erst seit wenigen Wochen im Rebland. Vorher leitete er die Seelsorgeeinheit Oberes Wolfstal, die Bad Rippoldsau, Schapbach und Kniebis umfasst.

Vom Gefühl, dazuzugehören

5800 Katholiken gibt es in seiner neuen Seelsorgeeinheit – Tendenz fallend. Auch dieses Jahr habe es schon Austritte gegeben, berichtet er. Es sei nicht gelungen, alle Listenplätze für die Pfarrgemeinderatswahlen im März zu füllen. Viele Fragezeichen sieht er, wenn er in die Zukunft schaut.

Ob es noch genug Ehrenamtliche geben wird, um Angebote vor Ort zu machen? „Man wünscht sich das, aber erwarten kann man es nicht.“ Wie wird es sein, wenn die Eltern von Kommunionkindern in einer neuen Großpfarrei 20Kilometer zu einem zentralen Elternabend fahren müssten? „Da kommen doch potentiell weniger als heute“, überlegt er sich.

Unter den Priesterkollegen sei derzeit wenig Motivation zu spüren. Abwartend verhalte man sich, weil so vieles noch unklar sei. Der leitende Pfarrer der neuen Großpfarrei werde weit weg sitzen und alles koordinieren. Als mitarbeitender Priester werde man womöglich nur noch herumreisen, um die Sakramente zu spenden. Was auf der Strecke bleibe, seien die Beziehungen zu den Menschen vor Ort. Genau das befürchtet auch Gemeindereferentin Susan Hamleser: „Man braucht doch das Gefühl irgendwo dazuzugehören. Aber was ist, wenn vor Ort niemand Hauptamtliches mehr ist, von dem man gesehen wird?“ Ihre Hoffnung sei, dass es einige Katholiken gibt, denen der christliche Glaube so zur Heimat geworden ist, dass sie vor Ort bewusst den Vorwärtsgang einlegen und sich sagen: „Jetzt erst recht.“

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Erstellt:
4. Februar 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 02sec

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