„Wir werden mit der Pflanze leben müssen“

Baden-Baden (hös) – Der Japanische Staudenknöterich breitet sich in Deutschland massiv aus. Auch in Mittelbaden stellt er ein Problem dar. Das BT hat beim Forstamt Baden-Baden nachgefragt.

Vor allem über die bambusähnlichen Stängel verbreitet sich die Pflanze immer weiter. Foto: Stephanie Hölzle

Vor allem über die bambusähnlichen Stängel verbreitet sich die Pflanze immer weiter. Foto: Stephanie Hölzle

Wer mit offenen Augen rund um Baden-Baden spazieren geht, wird ihn häufig sehen: den Japanischen Staudenknöterich, der sich auch in der Region massiv ausbreitet. Er wuchert an vielen Stellen im Stadtwald, entlang von Wegen und Straßen oder auch im Obstgut Leisberg. BT-Redakteurin Stephanie Hölzle hat Johannes Ebert vom Forstamt Baden-Baden im Rahmen der Serie „Vier Fragen an“ zu dem Problem befragt:

BT: Herr Ebert, vielerorts wird beklagt, dass sich der Japanische Staudenknöterich gefährlich stark und unkontrolliert in Deutschland ausbreitet. Wie ist die Lage rund um Baden-Baden?

Ebert: Auch in Baden-Baden tritt der Japanische Staudenknöterich vor allem an Bachläufen und Wegrändern auf und nimmt hier langsam, aber kontinuierlich zu. Entlang der Oos hat sich ein fast durchgehender Knöterichbestand ausgebildet.

Wehret den Anfängen: Die kleinen Pflanzen breiten sich zumeist massiv aus. Das Bild zeigt die linke Straßenseite der Westlichen Industriestraße in Oos. Foto: Stephanie Hölzle

Wehret den Anfängen: Die kleinen Pflanzen breiten sich zumeist massiv aus. Das Bild zeigt die linke Straßenseite der Westlichen Industriestraße in Oos. Foto: Stephanie Hölzle

BT: Sehen Sie die Ausbreitung ebenfalls so kritisch wie manche Ihrer Kollegen (beispielsweise in Nordrhein-Westfalen) und wenn ja, warum ist die Pflanze so problematisch?

Ebert: Der Staudenknöterich ist vor allem an Bachläufen problematisch. Hier breitet er sich massiv aus, da seine Stängelabschnitte mit dem Wasser wegdriften und am Ufer dann Wurzeln schlagen können. Am Ufer verdrängt er dann die gewässerbegleitenden Stauden, die für viel Insekten wichtige Lebensräume und Nahrungsquellen sind. Er hat aber gleichzeitig den Nachteil, dass er im Gegensatz zu anderen Pflanzen nicht gleichzeitig die Ufer sichert. Diese sind der Erosion dann viel stärker ausgesetzt. Einmal etabliert, kann er auch wirksam den gewässertypischen Gehölzbewuchs unterbinden. Insgesamt ist der Knöterich problematisch, da er, wenn er sich einmal an einem Standort etabliert hat, kaum mehr zu verdrängen ist.

So sieht bereits die rechte Straßenseite der Westlichen Industriestraße aus. Foto: Stephanie Hölzle

So sieht bereits die rechte Straßenseite der Westlichen Industriestraße aus. Foto: Stephanie Hölzle

BT: Welche Möglichkeiten gibt es zur Bekämpfung? Und geht das Forstamt gegen den Bewuchs vor und wenn ja, auf welche Art und Weise?

Ebert: Wie gesagt: Einmal etabliert, ist er schwierig wieder wegzubekommen. Sieben Mal zu mähen, hilft, die weitere Ausbreitung zu stoppen. Auch eine häufige Beweidung – beispielsweise mit Ziegen – kann nützen. Gerade an Weg- und Bachrändern ist das aber nur schwierig machbar. Wir werden mit dieser Pflanze leben müssen. Da der Knöterich – abgesehen von der Verdriftung mit Wasser – meist durch Erdbewegungen oder Baumaßnahmen verbreitet wird, ist es vorrangig, auf solchen neu angelegten Flächen die Ausbildung neuer Bestände zu verhindern. Rechtzeitige und regelmäßige Kontrolle und Ausreißen oder Ausgraben neuer Sprosse sind hier wichtig. Möglich ist auch eine dichte Bepflanzung mit Weidenruten, die den lichtbedürftigen Knöterich durch Beschattung eindämmen.

BT: Auch in manchen privaten Gärten findet sich die Pflanze. Was können Hobbygärtner tun, um die Ausbreitung in den Griff zu bekommen bzw. beim Kampf gegen die Verbreitung zu helfen?

Ebert: Im privaten Garten ist es wichtig, keine Erde mit Knöterichwurzelstücken und keine Stängel oder Abschnitte davon im Garten zu verteilen. Hieraus kann sich ein neuer Bestand entwickeln. Gerade im Garten ist es aber leicht möglich durch sehr häufiges Mähen dem Knöterich über Jahre hinweg die Kraft und Ausdauer zu nehmen und ihn auf diese Weise zu schwächen.

„Vier Fragen an:“ ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.

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Erstellt:
18. Oktober 2020, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 41sec

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