Bühler Schlachthof geht leer aus

Bühl (sre) – Der Bühler Schlachthof ist der einzige seiner Art in der Region. Doch die Einrichtung schreibt in der Regel rote Zahlen. Inzwischen ist klar: Das dürfte sich auch durch die nun erfolgte Schließung des Offenburger Schlachthofs nicht ändern.

Im Bühler Schlachthof wurden 2019 rund 14800 Tiere geschlachtet. Auch im neuen Jahr dürfte die Zahl nicht wesentlich steigen.  Foto: Margull/Archiv

© Margull Bernhard

Im Bühler Schlachthof wurden 2019 rund 14800 Tiere geschlachtet. Auch im neuen Jahr dürfte die Zahl nicht wesentlich steigen. Foto: Margull/Archiv

Dabei waren die Erwartungen groß. Bereits 2015 hatte die Stadt Offenburg angekündigt, dass der privatisierte Schlachthof aus seiner städtischen Immobilie ausziehen muss, weil ein benachbartes Areal zum Wohngebiet entwickelt werden soll. Schon damals streckte der Geschäftsführer des Bühler Schlachthofs, Andreas Bohnert, die Fühler in die Ortenau aus. Eine Erweiterung des Bühler Schlachthofs, um die zusätzlichen Aufträge abarbeiten zu können, war im Gespräch. Zunächst machte sich im Nachbarlandkreis allerdings noch eine Initiative für einen Neubau direkt in der Ortenau stark. Doch als dieses Projekt 2017 endgültig vom Tisch war, machte man sich in der Zwetschgenstadt Hoffnungen (wir berichteten).

Bohnert sprach damals davon, dass man durch eine Fusion mit Offenburg die Schlachtungen maximal verdoppeln könne. Davon ist nun nicht mehr die Rede. Dabei war der Offenburger Schlachthof, der laut Bohnert nun zum 31. Dezember 2019 seine Tore ersatzlos geschlossen hat, deutlich größer als die Einrichtung in Bühl. Mehr als 70000 Tiere wurden dort im Jahr getötet und zerlegt, während es in Bühl 2019 noch knapp 15000Schlachtungen gab.

Doch genau in diesem Größenunterschied deutet sich auch schon ein Problem dabei an, Aufträge aus Offenburg zu übernehmen, wie Bohnert erläutert: „Wir sind ein kleiner Metzgerschlachthof, bei uns schlachten Direktvermarkter.“ Zu den Kunden in Bühl gehören also Metzger, Hofläden, Hobbylandwirte und Kleinbetriebe, die mit ihren Tieren hauptsächlich Landschaftspflege betreiben.

Offenburg hatte andere Struktur

Offenburg sei hingegen schon immer anders strukturiert gewesen, erläutert Bohnert: Dort habe man im Wesentlichen gelebt von Schlachtungen für die Edeka, nicht von Kleinkunden. Dafür seien allerdings große Chargen erforderlich, die man in Bühl nicht stemmen könne: „Wir sind nicht für Edeka ausgelegt, das stand noch nie zur Debatte“, macht Bohnert klar. Für die Handelskette werde nun in noch größerem Umfang als bisher in Crailsheim geschlachtet, was durchaus Sinn ergebe: „Da kommen auch die Schweine her.“

Auch insgesamt sei ein Großteil der Schlachtungen von Offenburg an große Betriebe gegangen. Das gilt offenbar auch für die Kleinkunden, von denen es laut Bohnert auch in Offenburg ein paar gab: „Da haben wir uns ein bisschen mehr versprochen“, sagt er mit Blick auf frühere Aussagen. Noch habe man die Hoffnung aber nicht ganz aufgegeben, „dass wir zwei oder drei kleine Betriebe kriegen“.

Der Geschäftsführer würde dies auf jeden Fall begrüßen: „Generell haben alle Schlachthöfe zu kämpfen, insofern täte uns etwas mehr Auslastung gut“, so Bohnert. Die Anzahl der Schlachtungen habe sich, nachdem sie stets leicht rückläufig gewesen sei, in den vergangenen zwei Jahren auf einem gewissen Niveau eingependelt.

Doch schwarze Zahlen könne man mit dem Schlachthof dennoch nicht unbedingt schreiben: „In der Regel macht er Miese“, sagt der Geschäftsführer. Neben der Zwetschgenstadt und der Gemeinde Ottersweier sind am Bühler Schlachthof auch zahlreiche Metzgereibetriebe beteiligt.

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Erstellt:
8. Januar 2020, 00:00 Uhr
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