Narren schaffen das Klima ab

Bühl (mf) – Mit dem Sturm aufs Rathaus ist die Bühler Fastnacht eröffnet, und zwar so richtig! Ohne Widerstand hat sich OB Hubert Schnurr den Schlüssel abnehmen lassen.

Mächtig was auf die Ohren gibt es von den Guggemusikern der Bühler Hexen im Bürgerhaus. Foto: Martina Fuß

© mf

Mächtig was auf die Ohren gibt es von den Guggemusikern der Bühler Hexen im Bürgerhaus. Foto: Martina Fuß

Von Martina Fuß

Es war nicht zu überhören: Mit Getöse zog am frühen Samstagabend ein närrischer Zug durch die Schwanenstraße gen Rathaus. Alles, was in Bühl und in den Stadtteilen Narrenkappe, Schrättle oder Maske trägt, ist mitmarschiert, um die fünfte Jahreszeit so einzuläuten wie es lange Tradition hat: mit dem Sturm aufs Rathaus und einer Entmachtung der Stadt-Oberen.

Ein richtiger Sturm war allerdings gar nicht notwendig, denn Oberbürgermeister Hubert Schnurr und Bürgermeister Wolfgang Jokerst waren gut vorbereitet, sie warteten brav vor dem Rathaus auf die Gefangennahme. Da muss sie wohl jemand rechtzeitig informiert haben? Es gab auch keine Gegenwehr, als ihnen die Handschellen angelegt wurden. Gefügig bestiegen sie den antiken Streitwagen und ließen sich von den Lichtputzern in den Friedrichsbau abtransportieren. Begleitet wurden sie fortan vom Narren-Daddel, der keine Sekunde mehr von ihrer Seite wich.

Auch im Friedrichsbau war die Bereitwilligkeit zur Machtübergabe erkennbar und Hubert Schnurr machte daraus gar keinen Hehl: „Was soll ich davon halten, nicht ich, sondern Ihr wollt mein Bühl verwalten? Mit Humor, Spaß aber auch dem nötigen Respekt, wird damit das Fastnachtsbrauchtum erweckt. Darum vertraue ich Euch unsere Stadt gerne an, weil ich weiß, dass ich das heute machen kann.“

„So einfach haben wir es noch nie gehabt“, sagte der stellvertretende Zunftmeister und Moderator Georg Friedmann. Der Form halber zerrten er und der Oberbürgermeister noch ein bisschen am überdimensionalen Schlüssel, bis er schließlich in die Obhut der Narrhalla überging. Schließlich hat die Stadtverwaltung ja Erfahrung mit dieser Narrhalla, ist sie doch 195 Jahre alt – und ging nicht bisher alles gut? Nach Aschermittwoch ist der OB noch immer an seinen Schreibtisch zurückgekehrt!

Mit dem Sturm aufs Rathaus ist die Bühler Fastnacht eröffnet – und zwar so richtig! Im Bürgerhaus startete der große Hexenball, und die Schwappla feierte am gleichen Abend ihre Sitzung im Schwanen. Im Namen aller Jubiläums-Narren – 22 Jahre Narrenzunft Bühlot-Schrättle, 33 Jahre Gemeinschaft Alt-Hänferdorf, 44 Jahre Feurio Vimbi und 55 Jahre Schwappla – sprach Schwappla-Vertreter Matthias Herrbrich ein Grußwort. Am Ende stimmte er mit der ganzen närrischen Sippe die Hymne an: „Wenn da Babbe mit dä Schlabbe in de Schwone dabbe dud, dann isch alles wieder gut.“

Mächtig was auf die Ohren gab es von der Guggemusik der Bühler Hexe, und die Stadtkapelle spielte zu mehreren Schunkelrunden auf. Stolz präsentierten die Hexen ihren Nachwuchs, der einen lustigen Tanz einstudiert hatte. Ein stilvoller Gardetanz des Feurio Vimbi und der Showtanz der Narrhalla-Garde stimmten so richtig ein auf die närrische Zeit.

195 Jahre ist die Narrhalla alt, ihr Motto aber ganz aktuell: „Narrhalla 4 Future“. Georg Friedmann verkündete es, nachdem er zuvor die Stadt der Misswirtschaft angeklagt hatte. Da der Klima-Geier kreise, habe man sinniert und die Lösung gefunden: „Wir schaffen das Klima ab und mit dem eingesparten Geld bringen wir Bühl nach vorne.“

Ohne Gegenwehr lässt sich der Bühler Oberbürgermeister Hubert Schnurr in Handschellen von den Narren abführen. Foto: Martina Fuß

© mf

Ohne Gegenwehr lässt sich der Bühler Oberbürgermeister Hubert Schnurr in Handschellen von den Narren abführen. Foto: Martina Fuß

Zum Artikel

Erstellt:
3. Februar 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 30sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.