Diskussion in Bühl: Azubis werden oft „verheizt“

Bühl (red) – Staatssekretärin Bärbl Mielich diskutierte mit den Azubis der Caritas-Fachschule für Pflegeberufe in Bühl. Dabei bekam die Politikerin viele Klagen zu hören.

Schulleiter Manuel Benz (rechts) begrüßt Staatssekretärin Bärbl Mielich und den Landtagsabgeordneten Hans-Peter Behrens.  Foto: Thomas Maier

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Schulleiter Manuel Benz (rechts) begrüßt Staatssekretärin Bärbl Mielich und den Landtagsabgeordneten Hans-Peter Behrens. Foto: Thomas Maier

Bühl (red) – Der Kontakt mit der Praxis sie ihr wichtig, sagte Bärbl Mielich zu Beginn ihres Besuches in der Caritas Fachschule für Pflegeberufe Bühl. Das ließen sich die Auszubildenden mit ihrem Schulleiter Manuel Benz nicht zwei Mal sagen: Sie nutzten die Gelegenheit ausgiebig, um der Staatssekretärin im Ministerium für Soziales und Integration ihre Erfahrungen in der Pflegeausbildung zu schildern, heißt es in einer Mitteilung der Schule. Mielich habe sich am Ende des rund einstündigen Austauschs dankbar für die durchaus kritischen Rückmeldungen geäußert: „Wir brauchen eine laute und streitbare Pflege, um auch politisch weiterzukommen“, betonte sie. Mielich besuchte auf Einladung des grünen Landtagsabgeordneten Hans-Peter Behrens die Caritas Fachschule.

„100-Prozent-Kraft zum Azubigehalt - das sollte nicht sein!“

Die Azubis kritisierten vor allem, dass man sie als Vollzeitkräfte in das Pflegesystem hineinrechne und ihre Schulausbildung oft nicht ernst genommen werde: „Eine 100-Prozent-Kraft zum Azubigehalt – das sollte nicht sein!“, sagte eine Schülerin. Ebenso beklagten einige Schüler, dass sie die vorgeschriebene Praxisanleitung in den Einrichtungen nicht erhielten. Schulleiter Benz bestätigte diesen Missstand, wollte aber den Schwarzen Peter nicht einfach nur den Einrichtungen zugeschoben wissen: „Der eigentliche Grund dafür ist, dass die Personaldecke schon seit Jahren zu dünn ist.“ Aus dieser Personalnot heraus würden Azubis oft „verheizt“, was nicht selten dazu führe, dass manche schon in der Ausbildung abbrechen oder nach dem Abschluss sich einer anderen beruflichen Tätigkeit zuwenden. Wie in einem Teufelskreis verschärfe sich dadurch der Fachkräftemangel, so das Resümee des Schulleiters.

„Dafür müssen wir an vielen Stellschrauben drehen“

Die Staatssekretärin betonte das Anliegen der Landesregierung, den Pflegeberuf strukturell zu stärken und bessere Rahmenbedingungen zu schaffen. „Dafür müssen wir an vielen Stellenschrauben drehen“, sagte die Staatssekretärin. Eine davon sei die generalistische Pflegeausbildung, die mehr Perspektiven innerhalb des Berufsbildes ermögliche. „Eine Aufwertung des Pflegeberufs braucht eine bessere Bezahlung und mehr Handlungsspielräume“, unterstrich Mielich. Zum Beispiel sollten Pflegefachkräfte künftig „auf Augenhöhe“ mit Ärzten zusammenarbeiten. Notwendig sei auch eine Reform der Pflegeversicherung mit dem Ziel, den Eigenanteil der Versicherten zu deckeln. Dadurch eröffneten sich neue Möglichkeiten für eine tarifliche Entlohnung in der Pflege, zeigte sich die Staatssekretärin überzeugt. Sie will auch eine Pflegekammer als eigene berufsständische Vertretung in Baden-Württemberg auf den Weg bringen. Diözesan-Caritasdirektor Thomas Herkert sagte an die Azubis und die Staatssekretärin gerichtet, der Caritasverband werde sich für einen gesellschaftlichen Bewusstseinswandel einsetzen. „Persönliche Wertschätzung für die Pflege gibt es durchaus, aber an der gesellschaftlichen mangelt es“, so Herkert. Das habe auch mit Geld zu tun, das anders verteilt werden müsse. Er hoffte, dass die hohe Wertschätzung für die Pflege, wie sie in der Corona-Krise zutage getreten ist, im öffentlichen Bewusstsein nachhaltig haften bleibe.

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Erstellt:
15. Juli 2020, 13:30 Uhr
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