Millionenschaden nach Großbrand

Bühl (marv) – Die Polizei rechnet mittlerweile mit einem Schaden von mehreren Millionen Euro an den Frihol-Firmengebäuden in Oberbruch. Erst am Samstagvormittag hatte der Großbrand, der in der Nacht auf den Tag der Arbeit ausgebrochen war, gelöscht werden können. Frihol-Geschäftsführer Changhwan Ahn schildert im BT, wie er den Ausbruch des Feuers erlebt hat.

Der Hauptsitz der Champignon-Vertriebsgesellschaft Frihol wurde bei dem Großbrand vollständig zerstört.  Foto: Margull

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Der Hauptsitz der Champignon-Vertriebsgesellschaft Frihol wurde bei dem Großbrand vollständig zerstört. Foto: Margull

Von Marvin Lauser

Mehr als 28 Stunden waren Feuerwehrleute aus der ganzen Region am Tag der Arbeit und dem Samstag danach in Oberbruch im Dauereinsatz. Unterstützt vom Technischen Hilfswerk (THW), dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), dem Rettungsdienst, der Polizei und den Stadtwerken konnte einer der größten Brände der Bühler Geschichte mit vereinten Kräften gelöscht werden. „Einen Brand dieser Art und von dieser Dauer“ hatte der Bühler Oberbürgermeister Hubert Schnurr „noch nicht erlebt“. Für den Rathauschef, der am vergangenen Freitag gegen 5.30 Uhr über den Brand informiert wurde, war es wie für Feuerwehr-Einsatzleiter Günter Dußmann der dritte Großbrand, den er in Bühl hautnah mitansehen musste. „Das war schon deprimierend“, so Schnurr. Die Polizei hat bisher keine Hinweise auf Brandstiftung und ermittelt in alle Richtungen, sagte Polizeipressesrecher Ansgar Gernsbeck am Montagnachmittag. Die Ermittlungen des Kriminalkommissariats Rastatt nach der Brandursache gestalten sich schwierig. Die Beamten gehen von einer siebenstelligen Schadenssumme aus. Am Dienstag waren die Kriminaltechnik und ein Brandtechniker in der Böschstraße. Eine Tendenz zur Brandursache könne man laut den Beamten erst nach Lektüre des Sachverständigenberichts kommunizieren. Bis zu dessen Veröffentlichung könne es mehrere Wochen oder gar Monate dauern.

Im Nachgang der Evakuierung der auf dem Gelände untergebrachten Arbeiter erlitt eine Frihol-Mitarbeiterin einen Schock. Laut dem südkoreanischen Geschäftsführer Changhwan Ahn war sie deshalb im Krankenhaus. Mittlerweile sei sie aber bei den zehn anderen Mitarbeitern, die vorwiegend aus Osteuropa kommen, von der Stadt Bühl in der städtischen Obdachlosenunterkunft in der Daimlerstraße untergebracht worden. Das DRK hat die Menschen, deren Hab und Gut den Flammen zum Opfer fiel, mit Kleidung, Mund-Nasen-Schutz und Dingen des persönlichen Bedarfs ausgestattet. Ahn und seine Ehefrau wurden von der Stadt in Oberbruch untergebracht.

Stadt stellt Büroräume zur Verfügung

„Meine Frau und ich haben in unserer Wohnung auf dem Firmengelände geschlafen, als wir gegen 3.30 Uhr von lautem Klopfen und ,Feuer‘-Rufen aus dem Schlaf gerissen worden sind“, schildert der 58-jährige Geschäftsführer Ahn, der Frihol 2018 von Firmengründer Gerhard Frietsch übernommen hat. Laut Ahn, haben die Mitarbeiter ihm gegenüber angekündigt, weiter für Frihol arbeiten zu wollen. Er lasse nun prüfen, ob er Kurzarbeit für die 37 Beschäftigten anmelden könne, coronabedingt sei dies sowieso geplant gewesen. „Vier bezugsfertige Büroräume“ stelle die Stadt der Frihol-Verwaltung in der Fridolin-Stiegler-Straße „unverzüglich“ zur Verfügung, kündigte der OB an.

Mit insgesamt drei Baggern musste die Feuerwehr das Dach der Produktionsstätte der Firma Frihol in Oberbruch bearbeiten, um die Flammen in den Griff zu bekommen.  Foto: Margull

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Mit insgesamt drei Baggern musste die Feuerwehr das Dach der Produktionsstätte der Firma Frihol in Oberbruch bearbeiten, um die Flammen in den Griff zu bekommen. Foto: Margull

Bei dem Brand wurde die Produktionsstätte der Champignon-Vertriebsgesellschaft Frihol in der Böschstraße komplett zerstört. Laut dem Bühler Feuerwehrchef Dußmann ist das Feuer aus bisher ungeklärter Ursache in einer der Hallen ausgebrochen und hat sich dann zunächst Richtung Westen ausgebreitet. Die Flammen waren für die Einsatzkräfte schwer in den Griff zu bekommen, da sich das Feuer innerhalb der blechernen Dachverschalung durch die Isolierung und eine Holzschicht nach Osten seinen Weg gebahnt hatte. Da das Wellblechdach mit einer Photovoltaik-Anlage versehen war, mussten die Floriansjünger zusätzlich Vorsicht walten lassen, um nicht durch die Glasteile verletzt zu werden. Laut Dußmann hatte man aufgrund der wechselnden Rauchfärbung – die zwischen Grau, Schwarz und einem gelblichen Braun changierte – zwischendurch befürchtet, dass es Durchzündungen geben könnte. Also kleinere Explosionen, die die Einsatzkräfte in zusätzliche Gefahr gebracht hätten. Dazu ist es aber nicht gekommen.

Keine Gefährdung der Bevölkerung durch Rauch

Bei Rauchmessungen wurde keine Gefährdung der Bevölkerung festgestellt, aber selbst in Rastatt sei der Geruch noch spürbar gewesen, so Dußmann. Erfreulicherweise gab es bei dem Großband, der bis auf kleinere Glutnester am Samstag gegen 3.30 Uhr gelöscht war, aufseiten der Kräfte keine Verletzten.

Für den 55-jährigen Dußmann, der seit 39 Jahren bei der Feuerwehr und seit 1991 in Bühl im Einsatz ist, ist der Großbrand vom Wochenende „der dritte richtig große“, den er in der Zwetschgenstadt erlebt hat. Er sieht ihn auf einer Stufe mit dem Brand in einem Bühler Holzmarkt vor 15 Jahren und dem bei Karaca Industrieservices in der Draisstraße vor fünf Jahren. Einzigartig war für den Einsatzleiter aber die „immense Rauchentwicklung. So hatte ich das vorher noch nie erlebt.“

Verschnaufpause zur Halbzeit: Der Bühler Feuerwehrchef Günter Dußmann ruht sich am Freitag, 1. Mai, beim Großeinsatz kurz aus.  Foto: Margull

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Verschnaufpause zur Halbzeit: Der Bühler Feuerwehrchef Günter Dußmann ruht sich am Freitag, 1. Mai, beim Großeinsatz kurz aus. Foto: Margull

Die Erschöpfung der Wehrleute war den zumeist freiwilligen Helfern bei dem Mammuteinsatz deutlich anzusehen, wie Dußmann beschreibt: „Viele sind am Samstag wie auf Eiern gelaufen“, weil die Stiefel wegen der Belastung Blasen hinterlassen haben. Kein Wunder, wiegt die volle Einsatzmontur der Feuerwehr mit Atemschutzgerät laut dem Einsatzleiter doch geschätzte 18 Kilogramm. Er selbst, der bei der Koordinierung des Einsatzes eher psychisch denn physisch belastet werde, hat laut seinem Schrittzähler auf dem Smartphone im Einsatz neun Kilometer zu Fuß zurückgelegt. Umso bemerkenswerter ist es, dass Feuerwehrleute aus der Bühler Kernstadt, Oberbruch und Moos noch am Samstag von 9 bis 16 Uhr „gemeinsam alle Fahrzeuge gereinigt und für den nächsten Einsatz vorbereitet haben“, wie Dußmann berichtet.

OB bedankt sich bei Einsatzkräften

Die Auswirkungen einer einzigen Corona-Infizierung innerhalb seines systemrelevanten Teams will er sich gar nicht ausmalen. Daher trugen alle Einsatzkräfte – wie schon seit Wochen – wegen der Corona-Pandemie Mund-Nasen-Schutz. In den Pausen oder im Gespräch mit Führungskräften und Pressevertretern habe man auf Abstand geachtet.

Insgesamt waren in Oberbruch etwa 170 Feuerwehrleute, 41 Rotkreuzler, etwa 15 Personen vom THW, zehn Polizeibeamte und die Hubschrauberstaffel der Polizei sowie ein Kriminalbeamter im Einsatz. Die Bühler Wehr wurde dabei unter anderem aus Baden-Baden, Gaggenau, Rheinmünster und von der Daimler-Werksfeuerwehr in Rastatt unterstützt. OB Schnurr kündigte an, sich mit Dankesschreiben bei den beteiligten Wehren für ihren Einsatz zu bedanken.

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Erstellt:
3. Mai 2020, 20:00 Uhr
Aktualisiert:
5. Mai 2020, 15:30 Uhr
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