Initiative gegen Verbuschung von Flächen im Landkreis Rastatt

Bühl/Bühlertal (BNN) – Kampf gegen die Verbuschung: Affentaler Winzer und Kommunen der Region nehmen Grundstückseigentümer in die Pflegepflicht. Basis ist der neue Ratgeber des Landwirtschaftsamts.

Herber Kontrast: Die dunklen Partien auf dem Grenisberg sind verbuschte und verwilderte Rebflächen. Foto: Andreas Bühler

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Herber Kontrast: Die dunklen Partien auf dem Grenisberg sind verbuschte und verwilderte Rebflächen. Foto: Andreas Bühler

Von BNN-Redakteur Andreas Bühler

Offensichtlich fallen immer mehr landwirtschaftliche Flächen, insbesondere Reben, brach. Sie verwildern und werden für die angrenzenden Landwirte zum Problem. Das Landwirtschaftsamt Rastatt hat zu dieser Problematik einen Ratgeber herausgebracht, der über die Pflegepflicht und einer möglichen Geldbuße von bis zu 5.000 Euro informiert. Die Affentaler Winzer haben darauf ihre Mitglieder aufgefordert, die ungepflegten Grundstücke umgehend per Mail an die Stadt Bühl zu melden. Auch Hans-Peter Braun tritt für die Umsetzung ein. „Wir haben zur Meldung vernachlässigter Grundstücke aufgerufen“, erklärt der Bürgermeister von Bühlertal.

Die Affentaler habe eine Checkliste für ihre Mitglieder herausgegeben, damit diese verwilderte Landwirtschaftsflächen melden können. Dazu gibt es E-Mail-Adressen an die Verwaltung der Stadt Bühl, der Ortsverwaltung Rebland, der Gemeinde Bühlertal und Sinzheim. Bei der Meldung sollte möglichst die Flurstücknummer des eigenen Grundstückes sowie eine Abbildung des ungepflegten Grundstückes und, wenn möglich, dessen Flurstücknummer angegeben werden. „Ich bitte Sie hiermit, meinen Nachbarn auf seine Pflegepflicht gemäß der Broschüre des Landwirtschaftsamtes hinzuweisen“, wird in der Checkliste ausdrücklich erwähnt.

„Ja, wir haben unsere Mitglieder angeschrieben, diese Flächen zu melden. Das ist in meinen Augen eine Art Bestandsaufnahme“, sagt Ralf Schäfer, Vorstandschef der Affentaler Winzer. Es gehe darum, eine Anleitung zu geben, was man tun kann, wenn ein Nachbargrundstück nicht mehr gepflegt werde. „Von ungepflegten Flächen drohen einhergehend mit Brombeerhecken viele Gefahren von der Kirschessigfliege bis zur Reblaus und eine hohe Pilzbelastung auf angrenzende Rebanlagen“, zählt er auf. Er räumt ein, dass es in Bezug auf nicht gepflegte Landwirtschaftsflächen auch viel Unwissenheit gebe, die es zu beseitigen gelte. „Einmal im Jahr mähen und damit ist eigentlich alles schon getan“, stellt er auch mit Blick auf die Biodiversität fest.

Teilweise bis zu 17 Eigentümer

In Bühlertal möchte die Gemeinde das Problem nun grundsätzlich mit einem „Kümmerer“ angehen. Der Gemeinderat hat laut Bürgermeister Braun dafür eine Halbzeitstelle genehmigt. „Wir sind ständig im Gespräch mit den Eigentümern. Das ist aber aufwendig und auch nicht so einfach“, gibt er zu bedenken. Teilweise gebe es auf ohnehin schon kleinen Grundstücken aufgrund der Erbfolge „teilweise bis zu 17 Eigentümer, die teilweise gar nicht davon wissen, weil sie schon lange nicht mehr hier wohnen oder kein Interesse an dem Thema haben“, setzt er auseinander. Deshalb stehe die Ausschreibung bis zum 1. Juli bevor für die Halbzeitstelle, die in der Verwaltung beim Hauptamt angesiedelt sei. „Jetzt müssen wir erstmal schauen, wer sich dafür bewirbt und welche Zusatzaufgaben dazu noch formuliert werden.“

Im Grunde gehe es um die Freihaltung der touristisch attraktiven Kulturlandschaft in der Region. „Wir wollen keine Ausdehnung des Waldes, es soll einfach ordentlich aussehen“, stellt Braun klar. Auch mit Blick auf den Klimawandel komme der Offenhaltung eine wichtige Rolle zu. „Wir haben hier um uns herum Steillagen. Wenn dort die Verbuschung so weiter geht, verstärkt sich das Problem. Der Luftaustausch ist bei den zunehmend heißen Sommern enorm wichtig auch mit Blick auf unser Prädikat Luftkurort“, erklärt Braun, warum die Gemeinde nach ersten Rückmeldungen schon Grundstückseigentümer angeschrieben und auf den Missstand aufmerksam gemacht hat.

„Wie ein Kampf gegen Windmühlen“

„Ja, es ist wie ein Kampf gegen Windmühlen, was sich hier in Bühlertal bis nach Neuweier mit den zunehmenden Brachflächen abspielt“, sagt Arnulf Faller, der selbst mit einigen Kameraden in Bühlertal Rebstücke umtreibt und Flächen vor der Verwahrlosung bewahren will. Dafür werden auch Ziegen sowie Alpakas eingesetzt. „Es ist gut, die Grundstückseigentümer auf ihre Pflegepflicht einhergehend mit einer möglichen Geldbuße hinzuweisen“, geht er auf die neue Broschüre ein. „Was wir brauchen, ist gerade für Bühlertal einen Masterplan, wie man hier an den steilen Hängen strategisch und konzeptionell vorgeht, um das akute Problem mit der Verbuschung anzupacken.“ Er habe schon mehrfach bei der Gemeindeverwaltung Bühlertal angeklopft und auch die untere Naturschutzbehörde auf die besondere Rechtsgrundlage in den Landschaftsschutzgebieten in Bühlertal hingewiesen. „Das Problem zieht sich entlang der ganzen Vorbergzone“, zählt der aktive Rentner auf. Es sei einfach eine „traurige Angelegenheit, was hier in dieser ausgewiesenen touristischen Gemeinde in dieser Hinsicht abspielt“, so der umtriebige Bühlertäler. Der Engelsfelsen sei zu einem Aushängeschild geworden. „Das Ganze wird getragen von engagierten Personen und vielen freiwilligen Helfern.“

Bei den Affentalern geht es auch um den Erhalt des Weinbaus, denn es gibt eine Rebflächenbörse, über die einzelne Rebstücke vermittelt werden können. „Aber wenn die erst einmal verbuscht sind, will da keiner mehr drangehen. Und das wäre bei der grundsätzlichen Möglichkeit einer Weitergabe wirklich schade“, betont Ralf Schäfer. Im Endeffekt gehe es um die Vermeidung von unnötiger Arbeit. „Denn, wenn ein Grundstück einmal verwahrlost ist, hat der Nachbar ein ernstes Problem. Vor allem bei schlechten Witterungsjahren muss er den Pflanzenschutz seiner Reben sehr viel intensiver betreiben.“

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Erstellt:
13. März 2022, 14:30 Uhr
Lesedauer:
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