Kinder machen vor dem Bildschirm mit

Bühl (red) – Kann man am Weißen Sonntag einen Erstkommuniongottesdienst feiern, ohne Erstkommunikanten in der Kirche? Vieles was vor wenigen Wochen noch undenkbar schien, ist mit etwas Fantasie und viel Begeisterung doch möglich, heißt es in einer Mitteilung.

Die Stühle für die Erstkommunikanten im Altarraum von St. Peter und Paul bleiben zwar leer, Pfarrer Wolf-Dieter Geißler erreicht die Kinder dennoch. Foto: Pfarrgemeinde

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Die Stühle für die Erstkommunikanten im Altarraum von St. Peter und Paul bleiben zwar leer, Pfarrer Wolf-Dieter Geißler erreicht die Kinder dennoch. Foto: Pfarrgemeinde

So blieben zwar am vergangenen Sonntag in der Stadtkirche St. Peter und Paul in Bühl die 38 Stühle für die Erstkommunikanten im Altarraum leer, aber die Kinder feierten mit ihren Familien und Verwandten den Gottesdienst von zu Hause aus mit.

Bereits kurz nach dem Gottesdienst gab es erste Rückmeldungen: „Sie haben es geschafft“, schrieb eine Familie per E-Mail, „über das Internet einen festlichen, sehr schönen und lebhaften Gottesdienst für die Kommunionkinder und deren Familien zu gestalten. Unsere Kinder haben vor dem Bildschirm immer mitgemacht, die Fragen beantwortet und laut mitgesungen.“ Alle sieben Erstkommunion-Gruppen hatten im Vorfeld ihre Gruppenkerze auf dem Altar abgestellt und auf die Einladung der Verantwortlichen in großer Zahl ihre Teilnahme am „Livestream-Gottesdienst“ zugesagt. So fiel es Pfarrer Wolf-Dieter Geißler leicht, in seinem Predigtgespräch die Kinder immer wieder einzubeziehen und anzusprechen.

Vielleicht, so mutmaßte Pfarrer Geißler, denken manche enttäuschte Erstkommunikanten dasselbe, wie die enttäuschten Frauen damals am leeren Grab: „Sie haben uns unseren Herrn weggenommen“, sagen diese zueinander. Aber das stimme nicht, machte der Gemeindepfarrer den Kindern Hoffnung. „Jesus kann man uns nicht wegnehmen. Er ist immer da, auch wenn wir es nicht gleich merken, so wie die Frauen.“

Im Blick auf die Erwachsenen stelle sich die Frage ebenso eindringlich: „Wie kann es sein, dass Baumärkte öffnen dürfen, Kirchen aber geschlossen bleiben? Wer sagt, dass wir gesellschaftlich nicht mehr relevant sind? Es liegt an uns Christen“, appellierte Pfarrer Geißler, „zu zeigen, dass es für die Menschen in dieser Zeit mindestens genauso wichtig ist, die Frohe Botschaft zu hören und miteinander zu feiern, wie zum Friseur zu gehen oder zum Baumarkt.“

20.000 Euro Spenden für Partnerschaftsprojekte

Dass sehr viele Christen in diesen Tagen nicht nur ihre eigenen Sorgen sehen, sondern ihre Mitmenschen im Blick haben, verdeutlichte Pfarrer Geißler am Ende des Gottesdienstes. Innerhalb von zwei Wochen seien viele Menschen seinem Aufruf zu einer Spendenaktion für die Partnerschaftsprojekte der Pfarrgemeinde in so großer Zahl gefolgt, dass bislang bereits 20.000 Euro eingegangen seien und bereits weitergegeben werden konnten. Bei den Erstkommunikanten und ihren Familien in Bühl konnte mit dem Gottesdienst die Spannung und Freude auf den Weißen Sonntag aufrecht erhalten werden, denn die Kinder, so beschreibt eine Mama die Stimmung, sind bei aller Enttäuschung froh, „dass sie dieses Jahr etwas ganz Besonderes erleben dürfen.“

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Erstellt:
21. April 2020, 17:30 Uhr
Lesedauer:
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