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Noten gibt es an Tagen wie diesen keine

Bühlertal (jo) – Kevin Imöhl unterrichtet seine Zweitklässler aus Bühlertal in der Coronakrise per Skype. „Ich will sie motivierend beschäftigen, damit sie etwas lernen“, sagt der 27-jährige Lehrer.

Digital auf dem Bildschirm: So begegnen Franziska-Höll-Schüler der 2b ihrem Klassenlehrer Kevin Imöhl. Foto: Eiermann

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Digital auf dem Bildschirm: So begegnen Franziska-Höll-Schüler der 2b ihrem Klassenlehrer Kevin Imöhl. Foto: Eiermann

Von Joachim Eiermann

Die Schulen sind geschlossen, der Unterricht soll dennoch nicht ausfallen. Wie geht das in der Praxis? Dazu hat sich beispielsweise Kevin Imöhl, ein junger Pädagoge der Franziska-Höll-Schule in Bühlertal, etwas einfallen lassen. Seit der Schulschließung kommuniziert der Klassenlehrer der 2b mit seinen 16 Schülerinnen und Schülern interaktiv – ohne großen technischen Aufwand oder Lernprogramme: per Skype.
Im Vordergrund steht, das soziale Miteinander aufrecht zu erhalten. „Es ist mir wichtig, dass man nicht nur telefoniert, sondern sich auch sehen kann“, so der 27-Jährige. Auch gehe es ihm darum, den Kindern eine Tagesstruktur für den Alltag zu geben, erklärt der Junglehrer. Die Klasse hatte er im Herbst 2018 übernommen; es ist die erste eigene seiner noch jungen beruflichen Laufbahn.

In Zeiten der Covid-19-Pandemie beginnt der Schultag um 10 Uhr. Imöhl agiert dabei von seiner Wohnung in Karlsruhe aus. Dank Skype kann er seine Schüler auf dem Bildschirm sehen und sie ihn. Sämtliche 16Mitglieder der Klasse haben die Möglichkeit, auf Geräte mit Kameras wie Tablet, Laptop oder Handy zurückgreifen zu können.

„Dass alle Schüler daran teilnehmen, war für mich eine Grundvoraussetzung“, schildert er. „Ansonsten könnte ich das nicht machen.“ Frühzeitig bemühte er sich deshalb darum, die Väter und Mütter für dieses Mittel der Kommunikation zu gewinnen. „Denn das Ganze kann nur funktionieren, wenn die Zusammenarbeit mit den Eltern funktioniert.“ Und diese sei sehr gut, zumal auch die beiden Elternvertreterinnen voll hinter dem Projekt stünden. „Manche kannten Skype bereits, die anderen nicht.“ So ging es am ersten digitalen Schultag vor allem darum, den Umgang mit der App zu erlernen. Jedes Kind musste zunächst Mitschüler online kontaktieren – nicht nur die unmittelbaren Tischnachbarn und Freunde, sondern möglichst viele aus der Klasse, im Optimalfall alle. Bei einem Schnick-Schnack-Schnuck-Turnier konnten die Zweitklässler dann auf diese Weise Punkte sammeln.

Spielerische Methoden für den Lernerfolg

Noten gibt es an Tagen wie diesen selbstredend keine. Der aus Mainz stammende Lehrer, der die Pädagogische Hochschule in Karlsruhe besucht hat, setzt auf spielerische Methoden.

„Den Kindern ist es langweilig“, spürt er. „Ich will sie motivierend beschäftigen, damit sie etwas lernen.“ So bastelten sie etwa am Donnerstag ein „Pflanzenbuch“, die Vorlage zum Ausdrucken hatte er zuvor per E-Mail verschickt. Die Tagesaufgabe lautete, Blätter zu sammeln und auf die Seiten zu kleben.

Bislang gab er sozusagen „Einzelunterricht“, täglich bis 13 Uhr. Das heißt, er kommunizierte am Bildschirm eins zu eins, um Aufgaben zu verteilen sowie Anleitung und individuelle Hilfestellung zu geben. Komplexere Lerninhalte anzugehen, ist so nicht möglich. In dieser Woche will er deshalb den Gruppenunterricht erproben mit dann jeweils drei oder vier Schülern gleichzeitig. Und mit Aufgabenstellungen in Partnerarbeit.

Kreatives Schreiben: Rezeptebuch für King Louie

Zum Beispiel im Fach Mathe beim nächsten wichtigen Kapitel Dividieren. In Deutsch steht das große Thema Adjektive auf dem Lehrplan. Um Lesen, kreatives Schreiben, Rechtschreibung und Grammatik zu fördern, ist Kevin Imöhl um Einfälle nicht verlegen. Zum Beispiel beim Unterrichtsthema Rezepte.

Das Maskottchen der Klasse ist King Louie aus dem „Dschungelbuch“, ein Affe also, der Hunger hat. Daran knüpft eine Wochenaufgabe an, die er seinen Schülern bis zum gestrigen Sonntag aufgetragen hat: Rezepte für Gerichte mit Bananen zu sammeln und diese wiederzugeben. „Die Kinder suchen und lesen verschiedene Rezepte.“ Danach schreiben sie diese entweder ab oder malen ein Bild dazu.

„Sie sind sehr lange motiviert damit beschäftigt, und es fordert sie.“ Ob Bananenkuchen-, -brot, -waffeln oder Smoothies, in seinem E-Mail-Postfach stapeln sich die vielfältig erledigten Hausaufgaben. Es war auch möglich, die Rezepte nachzukochen: Einige „Sterneköche“ aus der Klasse simulierten dies dann sogar im Stil einer TV-Kochshow.

Es sind kreative Einfälle des Lernens, aber die digitale Schule kann den realen Unterricht im Klassenzimmer nicht gleichwertig ersetzen. Zwei Wochen sind es noch bis zu den Osterferien. Danach will der engagierte Lehrer möglichst wieder in der Franziska-Höll-Schule vor seine 2b treten: „Das wünsche ich mir sehr!“

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Erstellt:
23. März 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 02sec

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