Rettungsfonds für Gastronomen gefordert

Sasbachwalden/Ottenhöfen (red) – Einen Hilferuf der Gastronomie hat Dehoga-Chef Herbert Decker verfasst.

Selbst gestandene Gasthäuser wie das Hotel „Pflug“ in Ottenhöfen überstehen die unverschuldete Stilllegung ohne staatliche Hilfe kaum. Foto: Archiv/Gallinat

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Selbst gestandene Gasthäuser wie das Hotel „Pflug“ in Ottenhöfen überstehen die unverschuldete Stilllegung ohne staatliche Hilfe kaum. Foto: Archiv/Gallinat

Er führt den im Jahr 1764 eröffneten „Engel“ in Sasbachwalden in neunter Generation, Tochter und Schwiegersohn sind bereits seit 2010 im Unternehmen. Deren Perspektiven seien allerdings derzeit „in einem nie erlebten Ausmaß“ schwierig. Seit fünf Wochen muss die Gastronomie schließen. Ein Ende sei nicht in Sicht.
Das Hotel darf nur für geschäftlich Reisende vermietet werden, jedoch gehe da die Anzahl gegen null. Millionen habe seine Familie in den „Engel“ investiert, um den Betrieb zukunftsfähig zu machen. Daher habe er keine Rücklagen zu verzeichnen, obwohl er „ein gesundes und wachsendes Unternehmen“ leite, das seit vielen Jahren nur Gewinne mache, die aber in Reparaturen reinvestiert würden, so Decker. Von den 46 treuen Mitarbeitern seien 27 zu 100 Prozent in Kurzarbeit, Azubis seien zu bezahlen und beschäftigen. Mit den Aushilfen ruhe das Arbeitsverhältnis.

Von 100 auf null Geschäft weggebrochen

Laut Decker ist allen Gastronomen und Hoteliers das Geschäft von 100 auf null weggebrochen. Der Takeaway-Service am Wochenende komme gut an, sei aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, „lediglich Beschäftigungstherapie für unsere Familie“, so Decker. „Wir haben noch nie Hilfe vom Staat gefordert, aber jetzt sind wir diejenigen, die völlig unverschuldet alles verlieren werden“, schreibt Decker weiter. „Sie haben Banken gerettet, die selbst schuld waren und zu hoch gepokert haben. Jetzt sind wir dran! Wir sind nicht groß, aber wir sind viele Gastronomen und Hoteliers“, wendet er sich an die Politik. Er fordert Hilfe in Form eines Rettungs- und Entschädigungsfonds und die Einführung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes.

Die bislang getroffenen Maßnahmen der Bundes- und Landesregierungen seien ein erster Schritt. „Wir brauchen auch keine Kredite, die wir mit drei Prozent Zins wieder zurückzahlen müssen. Von welchem Mehr-Umsatz bitte sollen wir dies erwirtschaften?“, fragt Decker rhetorisch und appelliert an die Politik: „Bitte lassen Sie uns nicht im Stich!“

Ein ähnliches Stimmungsbild zeichnen die Wirte vom Hotel „Pflug“ in Ottenhöfen. „Wir sind in nie da gewesenem Ausmaß enttäuscht und frustriert von unserer Landes- und Bundesregierung“, heißt es in einem Schreiben von Mona und Ronny Ludwig. Das traditionsreiche Hotel in Ottenhöfen, das es fast 200 Jahre gibt, haben sie vor zehn Jahren übernommen.

Gastronomie als Ort der Geselligkeit

Nach turbulenten Jahren verzeichne das Haus seit drei Jahren ein stabiles Wachstum. Als nicht systemrelevante Branche seien dem Wirtsehepaar „von jetzt auf gleich unsere Berufung, unsere Existenz und auch unsere Zukunftsperspektive genommen“ worden. Ohne Unterstützung von Bund und Land einfach hängen gelassen zu werden, sei beispiellos. Gastronomie sei für viele Berufung, so die Ludwigs, und für Gäste ein Ort der Geselligkeit.

Sehr schnell könne es auch im „Pflug“ knapp werden mit den Finanzen. Proklamierte Fördergelder seien gar nicht oder nur teilweise angekommen oder gar abgelehnt worden. „Warum helfen Sie uns nicht? Warum interessieren wir Sie nicht?“, fragen die Ludwigs die Politik.

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Erstellt:
23. April 2020, 16:30 Uhr
Lesedauer:
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