Skigelände Hundseck wird revitalisiert

Schwarzwaldhochstraße (jo) – Die Wiege des Wintersports im Nordschwarzwald stand auf Hundseck. Ottersweier errichtet jetzt eine Rast- und Spielstätte zur Erinnerung.

Michael Hug zeigt eine Ansichtsskizze des geplanten Rast- und Spielplatzes .  Foto: Eiermann

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Michael Hug zeigt eine Ansichtsskizze des geplanten Rast- und Spielplatzes . Foto: Eiermann

Von Joachim Eiermann

„Wir wollen hier einen Kontrapunkt zum Rummel auf der Schwarzwaldhochstraße setzen“, erklärt Michael Hug vom Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz (ILN) in Bühl. Am ehemaligen Nordhang auf Hundseck soll eine ruhig gelegene Rast- und Spielstätte für Wanderer und Familien entstehen, die an die Anfänge des Wintersports vor rund 120 Jahren erinnert. Bürgermeister Jürgen Pfetzer will das Vorhaben bis zum Spätjahr umsetzen. Die Wiege des Skilaufens stand im Nordschwarzwald nicht auf Unterstmatt, Mehliskopf oder einer der anderen Pisten. Die ersten Schneeschuhläufer, wie man sie anfangs nannte, tobten sich vielmehr auf Hundseck aus. Nicht am Südhang des Bühlertal-Lifts vorn an der B500, sondern südlich des zur Ruine verkommenen einstigen Kurhauses. Dort, hinter der Kuppe, erinnert derzeit nichts mehr an die legendären Anfänge. Mit Fördermitteln des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord lässt die Gemeinde Ottersweier vom Motorsägenschnitzer Jürgen Echle einen Schanzentisch nachbilden, eine Schautafel soll mit historischen Fotos die glorreichen Zeiten dokumentieren. Eine zweite Tafel wird über Flora und Fauna informieren.

Die Anlage entsteht nahe der Stelle, wo der Westweg Pforzheim-Basel vom Bettelmannshaldeweg zum Hochkopf abzweigt und die Fernwanderer einst die Schneise des Schlepplifts kreuzten. Nachdem sich der Liftbetrieb schon lange nicht mehr gelohnt hatte, die Anlage verrostete und alle Masten und Einrichtungen letztlich abgebaut wurden, können Schwarzwaldgäste künftig gleichwohl so tun, als ob sie auf einer Schanze stünden. Symbolisierte Skier in Startposition laden dazu ein, Haltung anzunehmen und sich für den vermeintlichen Sprung in die Tiefe ausgestreckt nach vorn zu beugen – für Selfies und Gag-Fotos der besonderen Art.

„Revitalisierung des Skigeländes Hundseck“ lautet die Bezeichnung eines mit Mitteln des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord geförderten Gesamtprojekts. Revitalisierung heißt in diesem Fall: zurück zur Natur. Die Sitzgruppe wird mit einem Sandsteinblock als Tisch und rustikalen Bänken möbliert. Eine Bache mit Frischlingen soll Kinder bei Laune halten. Die Wildschweine werden ebenfalls vom Bad Peterstaler Motorsägekünstler Echle geformt, der auch an den märchenhaften Figuren aus Baumstümpfen am Skulpturen-Pfad der Walderlebnisstation beteiligt war. Die organisatorische Revitalisierung des Geländes liegt bei Michael Hug, Biologe und Geograf des Bühler Instituts. Dazu hatte das ILN im Auftrag der Gemeinde eine Machbarkeitsstudie erstellt. Obwohl der rückwärtige Bereich der Hundseck nur ein paar Schritte von der B 500 entfernt liegt, ist es hier ruhig, der Erholungswert hoch. Die reizvolle Kombination von Wald und offener Landschaft zu erhalten, ist gleichfalls Teil des Konzepts. Um zu verhindern, dass der zweigeteilte Abfahrtshang zuwächst, weidet seit 2015 im Hochsommer eine Heidschnucken-Herde der Laufer Schäferin Marianne Burger. Die etwa zweiwöchige Landschaftspflegeaktion, finanziert mit öffentlichen Mitteln, zahlt sich auch ökologisch aus. Der Flachbärlapp, eine hier anzutreffende seltene Pflanzenart, könne so überleben, nennt Hug ein Beispiel. Wären die ursprünglichen Vorstellungen der Revitalisierung zum Tragen gekommen, hätte auch der einstige Sprungturm überlebt. Die Holzkonstruktion war als Aussichtsturm am Westweg, der dorthin verlegt werden sollte, angedacht. Die hohen Umbaukosten (66 000 Euro Eigenanteil) ließen den Gemeinderat aber letztlich Abstand nehmen. Bürgermeister Pfetzer habe sodann nach einer Alternative gesucht, um an die hiesigen Anfänge des Skisports zu erinnern, schildert Hug. Mit der im Herbst geplanten Übergabe der Raststation an die Öffentlichkeit werde der Förderprozess der Revitalisierung abgeschlossen.

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Erstellt:
17. Mai 2020, 22:00 Uhr
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