Theaterproben per Videoschalte

Achern (mig) – Das Illenau-Theater ist derzeit coronabedingt geschlossen. Die Sommeraufführungen sind bereits abgesagt. Um im Herbst „Der Fiskus“ aufführen zu können, wird derzeit online geprobt.

Textprobe vor dem Bildschirm: Hubert Bader-Glaser vom Illenau-Theater Achern trifft sich einmal pro Woche virtuell mit seinen Schauspielkollegen und dem Regisseur. Foto: Gabriel

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Textprobe vor dem Bildschirm: Hubert Bader-Glaser vom Illenau-Theater Achern trifft sich einmal pro Woche virtuell mit seinen Schauspielkollegen und dem Regisseur. Foto: Gabriel

Von Michaela Gabriel

Besser als nichts: Das Illenau-Theater muss zwar auf die beiden Sommeraufführungen verzichten, bereitet sich aber zumindest auf das Herbststück „Der Fiskus“ vor. Und das funktioniert tatsächlich online.
„Am 27. Juni wäre Premiere gewesen.“ Eveline Schneider, Vorsitzende des Illenau-Theaters Achern, ist traurig. Sie musste „Arsen und Spitzenhäubchen“ auf der Freilichtbühne im Serenadenhof der Illenau und das Sommermärchen für Kinder im Eiskellerwald absagen, weil wegen der Corona-Krise schon seit Mitte März keine Proben mehr stattfinden dürfen. Die Freilichtsaison des beliebten Acherner Amateur-Theaters ist damit gelaufen, bevor sie überhaupt begonnen hat.

Alle Hoffnungen liegen jetzt auf dem Herbststück, dessen Premiere am 3. Oktober sein soll. Fünf Schauspieler treffen sich dazu derzeit per Video-Chat im Internet. Regisseur Hendrik Pape grüßt über den Computer-Bildschirm aus Ötigheim in das Büro von Hubert Bader-Glaser unterm Dach in Fautenbach.

„Da bekommt man ganz nebenbei auch Einblicke in private Räume“, sagt der freischaffende Schauspieler, der am Kammertheater Karlsruhe und anderen Bühnen spielt. Es sei ein freudiger Termin einmal pro Woche: „Wenigstens dieses Projekt können wir weiterverfolgen, wo so viel anderes nicht möglich ist.“

Proben bald auf der grünen Wiese?

Das Stück „Der Fiskus“ von Felicia Zeller aus Berlin verspricht, sehr unterhaltsam zu werden. Es wurde im Januar im Staatstheater Braunschweig uraufgeführt und gibt Einblicke in den täglichen Kampf akribischer Finanzbeamter gegen Steuerhinterziehung im Kleinen und Großen.

„Online-Proben sind für uns alle absolut neu“, räumt der Regisseur ein. Dass man in der allerersten und einzigen richtigen Probe zumindest eineinhalb Szenen angespielt habe, helfe jetzt. Es sei vor allem Arbeit mit Text und Betonung, die man in Schaltkonferenzen machen könne. Die Moral des Ensembles sei jedenfalls trotz der seltsamen Situation gut. „Oft ist der Weg anders, als man es erwartet hat“, formuliert er fast philosophisch.

„Versucht, jedes Wort zu zelebrieren“, kommt die Anweisung des Regisseurs mit reichlich Hall aus dem Lautsprecher. „Es ist leider keine Bewegung im Raum möglich bei den Online-Proben“, bedauert Hubert Bader-Glaser, Vorstandsmitglied und Schauspieler des Illenau-Theater. Er hofft, dass man bald auf einer Wiese proben darf – wo Abstand zu wahren ist.

Eine Freude und gut für den Textrhythmus

„Es geht voran und das ist besser als gar nichts“, argumentiert Marion Wolf, zugeschaltet aus Muggensturm. „Es macht Freude, sich auf diese Art zu sehen“, übermittelt Brigitte Spengler-Weissgärber aus Vimbuch. Angeregt hat diese Art zu proben Clara Petzold aus Renchen: „Es ist eine gute Art, in den Textrhythmus reinzukommen.“

Das Proben muss die Vorsitzende Eveline Schneider nun dem kleinen Ensemble von „Der Fiskus“ überlassen. Dem Verein fallen die Eintrittsgelder dieses Sommers komplett weg. Ihre eigene Rolle in „Arsen und Spitzenhäubchen“ lernt sie erst mal nicht. Wegen anderer Engagements des Regisseurs werde das Stück frühestens 2022 nachgeholt.

Das Kinderstück „Naytinka vom Stamm der Matanka“ von Jürgen Schulze soll 2021 im Eiskellerwald umgesetzt werden. Die im Februar angelaufenen Proben mit den jungen Darstellern ließen sich leider nicht online fortsetzen.

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Erstellt:
29. April 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 31sec

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