Tote Hose auf den Pisten

Schwarzwaldhochstraße (marv) – Wintersportfreunde gucken bisher in die Röhre, Liftbetreiber schieben Frust statt Schnee. Entlang der Schwarzwaldhochstraße konnte man in den vergangenen Tagen eher Sonnenbaden am Mummelsee als Schneeschuhwandern (Foto: Margull).

Skibetrieb? Auf Unterstmatt (im Vordergrund) minimal, auf dem Hochkopf-Hang (gegenüber) gar nicht! Margull

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Skibetrieb? Auf Unterstmatt (im Vordergrund) minimal, auf dem Hochkopf-Hang (gegenüber) gar nicht! Margull

Von Marvin Lauser
und Nina Ernst

Schwarzwaldhochstraße – Es herrscht Hochbetrieb im Höhengebiet. Aber nicht auf den Pisten und Loipen, wie es sich Wintersportler und Liftbetreiber um diese Jahreszeit wünschen würden, sondern zum Beispiel am Mummelsee.

Eine Inversionswetterlage sorgte beispielsweise an Dreikönig dafür, dass viele Menschen der dicken Nebeldecke, die sich nach Neujahr über die Region gelegt hatte, ausgewichen sind, um entlang der Schwarzwaldhochstraße die Sonne zu genießen. „Wir haben aktuell eher Frühling denn Winter“, sagt Tino Rettig, Tourismuschef für Bühl, Bühlertal und Ottersweier. Er spricht davon, dass „Hotspots“ wie der Mummelsee bei den gegenwärtigen Temperaturen fast schon überlaufen sind, „weil es sich dort, anders als an Skitagen, konzentriert“. Nach BT-Informationen haben am Dreikönigstag parkende Autos die Schwarzwaldhochstraße gesäumt.

Die Liftbetreiber fühlen sich vom Wetter im Stich gelassen. Sie schieben Frust statt Schnee. Der Blick auf die Webcams, die online abrufbar sind, bietet ein trostloses Bild. Dort, wo Wintersportler eigentlich frohlockend die Pisten bevölkern oder langlaufend durch die Loipen gleiten, ist kaum Schnee zu sehen. Braun und grün sind die dominierenden Farben, nur auf Seibelseckle – „bekannt für seine Schneesicherheit“, wie Rettig es nennt – verdeckt eine Altschneedecke zumindest im Liftbereich den braun-grünen Untergrund, in Unterstmatt gibt es vereinzelt ein paar weiße Stellen. Schliffkopf-Hotelier Heiko Fahrner, der den Liftbetrieb in Unterstmatt verantwortet, gibt an, im Winter 2019/2020 erst an acht Tagen Liftbetrieb gehabt zu haben. „Wir haben zwei Mal beschneit, einmal vor und einmal nach Weihnachten.“ Er erklärt, dass man beim Beschneien viel Schnee für die Liftspur benötigt, weil das dort nicht so einfach gehe. „Ein halber Meter Naturschnee wäre mir lieber“, wünscht sich Fahrner und sagt bezogen auf die Laune der Liftbetreiber: „Im Moment ist keiner glücklich hier oben.“

Das kann Rolf Ihle, Betreiber des gegenüberliegenden Hochkopf-Hangs, nur bestätigen. Bei ihm ist die Lage noch trauriger. Mangels Erlaubnis des Einsatzes von Schneekanonen – sein Bereich liegt im Naturschutzgebiet – muss Ihle das Wetter nehmen, wie es kommt. Und so kam es, dass er bisher an keinem einzigen Tag in dieser Saison seinen Lift laufen lassen konnte. „Das Hauptgeschäft ist rum“, ist sich Ihle sicher. Er hegt aber die Hoffnung, dass das Wetter noch umschwenkt. Mit Einnahmen rechnet er, der den Hang neben seinem Hauptjob betreibt, dagegen nicht mehr. Dafür seien die Ausgaben, die er trotz Schneeflaute hat, einfach zu hoch. Unter anderen müssten ja Pacht, Unterhalt und Versicherungen beglichen werden.

Tote Hose herrscht aber nicht nur auf den Pisten, sondern auch auf den Loipen: Ganz schlecht geht es in diesem Winter Langlauf-Liebhabern. Laut Tourismuschef Rettig waren die Loipen in diesem Winter noch nicht gespurt, bei Temperaturen um zehn Grad Celsius sind „die Voraussetzungen denkbar schlecht“.

Auch in den vergangenen Jahren war zu beobachten, dass um Weihnachten eher Tauwetter herrscht, aber üblicherweise wurde es dann im Januar kälter. „Ich befürchte, dass der Trend so weitergeht“, sagt Rettig. Fahrner hofft auf „Schadensbegrenzung“. Er meint damit, dass er sich ein Winterwochenende im Januar, Liftbetrieb über Fastnacht und bis in den März hinein wünscht.

Die Ski bleiben im Keller: Das eher warme Wetter lockt zumindest Spaziergänger in die Höhe an den Mummelsee.

© bema

Die Ski bleiben im Keller: Das eher warme Wetter lockt zumindest Spaziergänger in die Höhe an den Mummelsee.

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Erstellt:
11. Januar 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 36sec

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