Ulmerin hilft mit Pferdetherapie

Lichtenau (iru) – Die Kindheitspädagogin Lena Schell freut sich über leuchtende Augen bei ihren jungen Klienten: Auf dem Rücken der Pferde versucht sie, Selbstheilungskräfte zu aktivieren.

Lena Schell und ihr Wallach „Sju“ arbeiten mit Kindern und Jugendlichen – etwa bei psychischen Erkrankungen, Entwicklungsstörungen oder Behinderungen.  Foto: Ingbert Ruschmann

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Lena Schell und ihr Wallach „Sju“ arbeiten mit Kindern und Jugendlichen – etwa bei psychischen Erkrankungen, Entwicklungsstörungen oder Behinderungen. Foto: Ingbert Ruschmann

Von Ingbert Ruschmann

„Wir wollen Menschen helfen, sich besser zu fühlen“, erklärt Lena Schell aus Ulm. Die ausgebildete Kindheitspädagogin ist schon seit ihrer Kindheit von Pferden und ihrer Wirkung auf Menschen fasziniert. Nach dem erfolgreichen Abschluss ihrer Weiterbildung zur Reittherapeutin nutzt sie zusammen mit ihrem achtjährigen Wallach „Sju“ und einem eigenen Therapiekonzept das von Pferden ausgehende therapeutische Potenzial zur Behandlung psychischer Erkrankungen, Entwicklungsstörungen und Behinderungen vorwiegend von Kindern und Jugendlichen.
Ihr Interesse am Reiten erwachte wie bei vielen Mädchen bereits im Vorschulalter. „Meine Tante Sandra nahm mich oft mit zum Reiterhof nach Schwarzach, wo ich auf einem Pony reiten durfte“, erinnert sich die heute 25-jährige Therapeutin noch gut an ihre ersten Erlebnisse auf dem Rücken des Vierbeiners. Bereits mit zehn Jahren nahm sie wöchentlich Reitunterricht. Durch den regelmäßigen Kontakt und aufbauend auf ihre zunehmende Erfahrung beim Reiten rückte ihre Affinität zu den Pferden immer mehr in den Mittelpunkt ihres Interesses.

Weiterbildung in pferdegestützter Therapie

Nach dem Abitur am Bühler Windeckgymnasium und einem Praktikum beim Hagenbacher Reitunternehmen „Appollon“ belegte sie an der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe den Bachelorstudiengang Pädagogik der Kindheit. Schon zu Beginn des Studiums, blickt sie heute zurück, sei ihr klar gewesen, dass ihr beruflicher Weg in die Sparte „Reittherapie“ führen würde. Seit September 2017 ist sie im Sinzheimer Kinderhaus St. Vinzenz als pädagogische Fachkraft tätig. Ihre insgesamt anderthalb Jahre dauernde Weiterbildung führte Lena Schell nach Konstanz zum Institut für pferdegestützte Therapie. In Kursen vor Ort und im Fernstudium lernte sie unter anderem das Pferd als zentralen Motivationsträger in einer Therapie kennen, mit dessen Hilfe Kinder und Erwachsene über sich hinauswachsen und eigene Fähigkeiten entdecken können. Die Begegnung mit dem Lebewesen Pferd und die körperliche Bewegung – so die dort vermittelte Philosophie – helfe dem Menschen, seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren.

Derweil ging mit dem Kauf des ersten eigenen Pferdes im Juni 2018 ein Kindheitstraum für die in der Lichtenauer Trachtenkapelle als Querflötistin und in der katholischen jungen Gemeinde Lichtenau-Ulm aktive Mittzwanzigerin in Erfüllung. Nach 13 Jahren, etlichen Reitstunden und zwei verschiedenen Reitbeteiligungen habe sie gemerkt, dass die Zeit dafür gekommen war, fasst sie die damaligen Überlegungen zusammen. „Der konnte am Anfang gar nichts“, erinnert sich Lena Schell noch gut an die ernüchternden Anfänge ihrer Beziehung zu ihrem heutigen, auf dem Schwarzacher Reiterhof untergebrachten Therapiepartner. Dank ihrer großen Erfahrung, viel Einfühlungsvermögen und einer guten Portion Beharrlichkeit entwickelte sich „Sju“ jedoch innerhalb von nur etwa zwei Jahren zu einem in sich ruhenden, gut in den Bereichen Dressur, Springen, Vielseitigkeit, Gelände, Bodenarbeit und Gelassenheit ausgebildeten Therapiepferd.

Auf Anamnese folgen passende Übungen

Die steigende Nachfrage nach ihrem Therapieangebot beeinflusst inzwischen auch den Tagesablauf von Lena Schell nachhaltig. An Wochentagen ist sie nur noch bis zum frühen Nachmittag in der Sinzheimer Kindertagesstätte tätig, danach geht’s direkt weiter zum Reiterhof, wo Stall- und Pflegearbeiten sowie die Therapiekinder auf ihre Begegnungen mit „Sju“ warten.

Nach einer Anamnese der Krankheitsgeschichte steht bei einer Reittherapie die Zusammenstellung von individuellen Übungen auf der Agenda von Lena Schell. Meist bewirken schon einfache Übungen wie das Ballwerfen und -fangen, Weglegen und An-Sich-Nehmen von Gegenständen auf dem Pferd sitzend eine Entkrampfung der Muskulatur. Andere Übungen zielten auf die Förderung der Beweglichkeit oder auf das Einlassen auf die Bewegungen des Tieres ab.

„Die Kinder freuen sich einfach, wenn sie auf den Hof zur Therapie kommen“, fasst Lena Schell ihre Eindrücke von ihren jungen Klienten zusammen. Der Blick in die leuchtenden, von Vorfreude geprägten Augen, sei für sie dann immer der schönste Moment, insbesondere bei den Kindern, die wegen einer Behinderung nicht sprechen könnten, gibt sie zu. Weitere Infos im Internet.

www.lenas-reittherapie.de

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Erstellt:
20. November 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 55sec

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