Vier Fragen an: Dr. Markus Becker

Bühl – Der Ärztemangel auf dem Land beschäftigt nicht nur die Bevölkerung, sondern auch praktizierende Ärzte in der Region. Der Allgemeinmediziner Dr. Markus Becker hat einen Plan gegen das Praxissterben.

Dr. Markus Becker, Hausarzt mit eigener Praxis in Weitenung, würde gerne ein dezentrales Medizinisches Versorgungszentrum gründen, um dem Ärztemangel in der Region entgegenzuwirken. Foto: Lauser

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Dr. Markus Becker, Hausarzt mit eigener Praxis in Weitenung, würde gerne ein dezentrales Medizinisches Versorgungszentrum gründen, um dem Ärztemangel in der Region entgegenzuwirken. Foto: Lauser

Von Marvin Lauser

BT: Herr Dr. Becker, Sie sind 49 Jahre alt, warum machen Sie sich bereits Gedanken über Ihre Nachfolge?

Dr. Markus Becker: Das ist eine sehr gute Frage. Es geht darum: Viele meiner Kollegen finden keine Nachfolger. Ich werde als relativ junger Arzt in naher Zukunft relativ viele Patienten zusätzlich zu meinem Patientenstamm versorgen müssen. Das werde ich in dieser Form nicht schaffen. Diesbezüglich fände ich eine Nachfolgelösung meiner Kollegen sehr, sehr wichtig. Denn Angriff ist bekanntlich die beste Verteidigung.

BT: Wieso ist es so schwer einen Nachfolger auf dem Land zu finden?

Dr. Becker: Es ist so schwer, einen Nachfolger zu finden, weil es nicht nur die ärztliche Tätigkeit ist, die wir hier auf dem Lande ausüben, sondern auch viel Arbeit nebenbei: Wir müssen Qualitätsmanagement leisten, wir müssen betriebswirtschaftlich tätig sein und unser Team führen. Das sind alles Dinge, die wir im Studium und in den Kliniken nicht lernen. Das muss man sich alles erarbeiten. Das ist neben der medizinischen Tätigkeit viel Arbeit. Das scheuen auch viele Kolleginnen und Kollegen, was durchaus verständlich ist.

BT: Was schwebt Ihnen als Lösung für dieses Problems konkret vor?

Dr. Becker: Meine Lösung ist diejenige, dass ich als erfahrener Arzt mit dem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) ein Konstrukt zur Verfügung stelle, wo sich Ärztinnen und Ärzte anstellen lassen und sich voll auf ihre medizinische Tätigkeit konzentrieren können. Sie bekommen, den Papierkram und die ganze Logistik durch die Ärztliche Leitung des MVZ abgenommen. Hier wäre also ein ärztlicher Leiter sinnvoll, der Abrechnungen macht und vielleicht auch noch ein Betriebswirtschaftler, der die Betriebswirtschaftlichkeit und Logistik mitträgt. Dadurch wäre schon viel geholfen, um Nachfolger zu finden.

BT: Wo lauern die Fallstricke?

Dr. Becker: Wir haben Vorgaben, wie ein Medizinisches Versorgungszentrum zu gründen ist. Man benötigt einen Ärztlichen Leiter, der diesem Konstrukt vorsteht und für die medizinische Versorgung geradesteht. Dementsprechend muss man hier jemanden suchen, der dieses Risiko der Betriebswirtschaftlichkeit scheut, aber auf der anderen Seite trotzdem diese Tätigkeit machen möchte. Ein Fallstrick ist dabei, dass wir momentan einen hohen Ärztemangel haben. Das heißt, es ist ein Risiko, wenn ich ein MVZ gründe und dann Kolleginnen oder Kollegen anstelle, die das MVZ dann aber plötzlich wieder verlassen könnten, weil sie sich doch einer eigenen Niederlassung oder einer Praxisübernahme widmen. Mir würden dann die Ärzte fehlen und die ganze Logistik und die monetären Dinge, die ich als Risiko aufgenommen habe plötzlich zusammenfallen. Das ist mir einfach zu viel des Risikos derzeit.

„Vier Fragen an:“ ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags um 6 Uhr auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.

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Erstellt:
9. Februar 2020, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 30sec

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