30 Laptop-Spenden „wären ein Riesenfortschritt“

Gernsbach (ham) – Smartphones sind zu klein für digitales Lernen. Die Gernsbacher Schulen benötigen zusätzliche Geräte für Familien mit mehreren Kindern. Lehrer Martin Strauß hat deswegen eine Initiative gestartet, um Notebook-Spenden zu sammeln.

Nicht alle Schülerinnen befinden sich in der komfortablen Situation, daheim über einen eigenen PC mit großem Bildschirm zu verfügen, auf dem der Lernstoff bequem gelesen und bearbeitet werden kann. Foto: Martin Strauß

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Nicht alle Schülerinnen befinden sich in der komfortablen Situation, daheim über einen eigenen PC mit großem Bildschirm zu verfügen, auf dem der Lernstoff bequem gelesen und bearbeitet werden kann. Foto: Martin Strauß

Von Hartmut Metz

Die Schule fällt seit Mitte März aus – und selbst online ist kein regelmäßiger Unterricht möglich. Eine fatale Situation vor allem für Kinder aus weniger begüterten Familien. Ein Smartphone haben sie zwar auch – doch passables Lernen „haut mit Handy oder Tablet nicht hin“, weiß Lehrer Martin Strauß nur allzu gut aus eigener Erfahrung.

Der Lernstoff lasse sich auf den Mini-Bildschirmen kaum optimal darstellen: Die Bildchen sind zu klein, ansprechende Motive verlieren ihre Wirkung, ja, manches sei bei den Lernprogrammen „nicht richtig zu machen“, befindet der Pädagoge der Handelslehranstalt (HLA). Eine Umfrage an seiner Schule ergab, dass ein „bedeutender Teil der 350 Schüler“, rund 25 Prozent, ihr Fernlern-Pensum mit dem Smartphone absolvieren. Neben der Bildschirmgröße ist dabei auch fehlendes WLAN zu Hause ein Problem. „Mir haben schon Schüler gesagt, dass sie nicht an einer Video-Stunde teilnehmen können, weil ihr Datenvolumen nicht ausreicht“, erzählt Strauß.

Der umtriebige Sport- und BWL-Lehrer setzte sich daher jetzt zum Ziel, seinen schlechter ausgerüsteten Eleven bessere Bedingungen zu verschaffen – und dachte auch gleich an die Schüler an anderen Einrichtungen in Gernsbach. An der Von-Drais-Schule gewann der 46-Jährige Petra Bachmann für sein Projekt und an der Realschule Michael Schindler. Gemeinsam versuchen sie nun Spender von Computern, Laptops oder Tablets für die raschere Digitalisierung zu finden. Die Geräte sollten WLAN-fähig sein und eine funktionierende Webcam mit Mikro besitzen.

Finanzielle Unterstützung ebenso hilfreich

Genauso helfen kann aber auch jeder, der derzeit kein geeignetes Gerät übrig hat: Die Fördervereine der drei Schulen rufen gemeinsam zu Spenden für die Ausstattung einzelner Schüler auf, denn: „Bis aus den öffentlichen Kassen die Mittel für diese Anschaffungen fließen, müssen die Schulen zunächst selbst für die bestmögliche Unterstützung sorgen.“ Da die Fördervereine durchweg gemeinnützig sind, können für Spenden auch Spendenquittungen ausgestellt werden.

„Meist teilen sich gerade in größeren Familien zwei bis drei Geschwister ein Notebook“, skizziert Strauß die Notlage. Der Vorsitzende des Fördervereins der HLA Gernsbach möchte diesen daher auf Leihbasis bis mindestens zu den Sommerferien ein zusätzliches Gerät überlassen. „Wenn ein Kind derzeit in der Grundschule ist und die Schwester eine weiterführende Schule besucht, macht solch eine gemeinsame Aktion, wie sie jetzt die Fördervereine planen, Sinn“, betont er. Weil in nächster Zeit kein uneingeschränkter Unterricht an den Schulen abzusehen sei, werde die Verbesserung der digitalen Ausstattung von Familien mit Kindern um so wichtiger.

Bedarf an bis zu 20 Geräten

Für die 350 Schüler an der HLA sieht der BWL-Lehrer einen Bedarf von etwa 15 bis 20 zusätzlichen Laptops und PCs. „Sechs haben wir bereits“, berichtet Strauß von ersten Erfolgen. Den exakten Bedarf an der Realschule und der Von-Drais-Schule kennt er nicht. Vermutlich würden aber an der Gemeinschaftsschule „noch mehr Geräte benötigt“. So oder so: „Wenn wir für jede Schule zehn Geräte geschenkt bekämen, wäre das ein Riesenfortschritt!“

Trotz der Notsituation will der Fördervereins-Vorsitzende nicht nur klagen, sondern sieht auch Chancen durch die Corona-Verwerfungen: „Die Digitalisierung wird forciert. Besonders unsere Schulprojekte mit den Start-ups beschäftigen sich damit“, hofft der an zahlreichen Fronten engagierte Pädagoge nun schneller auf die Höhe der Zeit zu kommen.

Als Ansprechpartnerin für die Von-Drais-Schule kann Petra Bachmann kontaktiert werden unter petrabachmann66@gmx.de. Bei der Realschule Gernsbach ist Michael Schindler zuständig und über die Mail schindler.baden@gmx.de zu erreichen. Wer Sachspenden abgeben möchte, sollte sich an Martin Strauß wenden unter: martin.strauss@hla-gernsbach.de.

Die Bankverbindungen für eine Spende an die Fördervereine der drei Gernsbacher Schulen lauten:

Freunde der HLA Gernsbach, Sparkasse Rastatt-Gernsbach, IBAN: DE54 6655 0070 0000 0769 27.

Verein der Freunde und Förderer der Realschule Gernsbach, Sparkasse Rastatt-Gernsbach, IBAN: DE31 6655 0070 0060 0306 16.

Förderverein der Von-Drais-Schule, Sparkasse Rastatt-Gernsbach, IBAN: DE32 6655 0070 0000 3930 58.


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