Betriebe laufen wieder an

Murgtal (red) – Nach mehreren Wochen in Null-Stunden-Kurzarbeit laufen die Betriebe der Metall- und Elektroindustrie in der Region wieder an. Die IG Metall Gaggenau sieht jedoch aktuell noch kein Anzeichen für Entwarnung der kritischen Situation.

Die IG Metall sieht noch kein Anzeichen für eine Entwarnung. Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa

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Die IG Metall sieht noch kein Anzeichen für eine Entwarnung. Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa

Claudia Peter, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Gaggenau, informiert, dass dieser Anlauf auf niedrigem Niveau sei. „Während in einigen Betrieben mit rund der Hälfte der Belegschaft produziert werden kann, sind es in anderen Betrieben nur zehn Prozent.“ Die Beschäftigten seien weiterhin in einem großen Maß in Kurzarbeit. Die IG Metall bewertet die Vorkehrungen im Arbeits- und Gesundheitsschutz als sehr vorbildlich. Hierzu hätten sich die betrieblichen Verantwortlichen und die Betriebsräte viel Arbeit gemacht. Ihnen gelte ein besonderer Dank für das teilweise wochenlange Engagement. Nun gelte es, durch entsprechende Nachjustierung dafür zu sorgen, dass es durch die zusätzlichen Schutzmaßnahmen nicht zu einer Verdichtung von Arbeit komme.

Besorgt sieht die IG Metall laut Mitteilung auf die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie. „Wirtschaftsexperten warnen vor der größten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Wenn wir aktuell in die Betriebe schauen, dann ist das eine sehr realistische Einschätzung“, erläutert Claudia Peter. Ohne ein entsprechendes Hochfahren könne es in einigen Betrieben in absehbarer zu Liquiditätsengpässen kommen. Solche Szenarien hätten erhebliche Risiken für die Beschäftigten, dazu gehörten Einkommenseinbußen und sogar die mögliche Arbeitslosigkeit. Peter weiter: „Menschen, die nicht wissen, wie lange sie noch gutes Geld verdienen, sind nicht motiviert, neue Autos, Möbel oder Kleidung zu kaufen. Die Wirtschaft braucht jedoch den Konsum, um wieder angekurbelt zu werden.“

Deswegen sieht die IG Metall ein breit angelegtes Konjunkturprogramm als außerordentlich wichtig an, um die verschiedenen Branchen, die von der Krise heftig betroffen sind, wieder anzukurbeln. Das systematische und schrittweise Hochfahren des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens sei dazu ein wichtiger Schritt. „Die Menschen brauchen eine Perspektive und einen sichtbaren Weg in und aus den bestehenden beschränkenden Maßnahmen“, ergänzt der 2. Bevollmächtigte Bodo Seiler. Unerlässlich sei es, dass sich die Unternehmen zu ihrer sozialen Verantwortung bekennen. Das heiße für die IG Metall Gaggenau unter anderem: keine Angriffe auf Tarifverträge, keine Einschränkungen von Ausbildung, keine Angriffe auf Arbeitnehmerrechte und erzielte Standards.

Besonderer Fokus auf Familien

Ein besonderer Fokus liegt für die IG Metall auf den Familien. Auch wenn es zwischenzeitlich durch eine Erweiterung im Infektionsschutzgesetz die Möglichkeit der bezahlten Freistellung für Eltern gibt, löse das nur vorübergehend die Mehrfachbelastung von erwerbstätigen Eltern. Eine gute Vereinbarkeit von Arbeit und Familie gehört zu den Kennzeichen einer funktionierenden familienfreundlichen und geschlechtergerechten Gesellschaft. Dies dürfe nicht infrage gestellt werden. Aus der täglichen Beratung weiß die IG Metall zu berichten, wie sehr Beschäftigte unter dieser Situation leiden. Auch Homeoffice sei für viele Eltern nur eine schwierige Lösung, da der Spagat zwischen der Arbeit zuhause und der Betreuung der Kinder in der sehr eingeschränkten Bewegungsfreiheit eine erhebliche Belastung sei. Neben der Belastung der Eltern werden sich aus Sicht der IG Metall soziale Ungleichheiten und psychische Belastungen auf Kinder auswirken. „Nicht jedes Kind hat ein familiäres Umfeld, in dem es emotionale Sicherheit, Lernunterstützung und die finanziellen Möglichkeiten für digitale Lernmöglichkeiten gibt“, schätzt Claudia Peter die Lage ein. Der Wiederanlauf einer flächendeckenden professionellen Betreuung der Kinder, von der Kita über die Schule bis hin zu sozialpädagogischer Begleitung, sind für die IG Metall unerlässlich, um nicht langfristigen gesellschaftlichen Zündstoff zu entfachen.

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Erstellt:
9. Mai 2020, 14:30 Uhr
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