Die Wahrheit über die finanzielle Lage

Loffenau (stj) – Die Gemeinde Loffenau arbeitet an ihrer Eröffnungsbilanz: Studenten helfen dabei und präsentieren ihren Abschlussbericht im Gemeinderat.

Für jede einzelne Gemeindestraße (hier der Lautenbacher Pfad) wird im NKHR ein entsprechender Vermögenswert festgelegt, woraus sich die jährlichen Abschreibungen ermitteln lassen, die Loffenau pro Haushaltsjahr erwirtschaften muss. Foto: Stephan Juch

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Für jede einzelne Gemeindestraße (hier der Lautenbacher Pfad) wird im NKHR ein entsprechender Vermögenswert festgelegt, woraus sich die jährlichen Abschreibungen ermitteln lassen, die Loffenau pro Haushaltsjahr erwirtschaften muss. Foto: Stephan Juch

Von Stephan Juch

Mit dem neuen kommunalen Haushaltsrecht (NKHR), auf das Loffenau am 1. Januar 2020 (und damit zum letzt möglichen Zeitpunkt) umgestellt hat, werden die Budgets von der Kameralistik auf die doppelte Buchführung (Doppik) inklusive Vermögensbilanz umgestellt. Damit soll sichtbar werden, welche Vermögenswerte den Schulden gegenüberstehen und ob ihr Wert (etwa durch schlechte Veranlagungen) steigt oder sinkt. Das NKHR verlangt die Erstellung einer Eröffnungsbilanz.

„Das ist eine sehr aufwendige Arbeit“, betonte Bürgermeister Markus Burger jüngst im Gemeinderat. Eine Arbeit, für die seiner kleinen Verwaltungsmannschaft die „Man Power“ fehlte. Deshalb kam ihr ein Projekt zugute, bei dem neun Studenten der Verwaltungshochschule Ludwigsburg drei Monate lang der Kämmerei dabei geholfen haben, die Vermögensbewertung zu erstellen. Das Projekt unter der Leitung von Daniela Tamba ist jetzt zum allergrößten Teil abgeschlossen. Janina Nölke präsentierte die Ergebnisse dem Gemeinderat und bedankte sich auch im Namen ihrer Kommilitonen „für die sehr, sehr schöne Zeit“ in Loffenau. Sie verhehlte aber nicht, dass es eine äußerst arbeitsintensive Zeit gewesen sei. Ein Blick in die Abschlusspräsentation der Studenten macht dies schnell deutlich. Es galt, die Bilanzwerte zum 31. Dezember 2019 und die jährlichen Abschreibungen folgender Vermögenswerte zu ermitteln:

- Unbebaute Grundstücke (Grünflächen, Ackerland, Wald oder sonstige).

- Bebaute Grundstücke (Grund und Boden, Gebäude, Außenanlagen).

- Infrastrukturvermögen (Straßen, Stützmauern, Brücken, Treppen).

- Kunstgegenstände, Kulturdenkmäler.

- Maschinen, technische Anlagen, Fahrzeuge.

- Vorräte, geleistete Auszahlungen, Anlagen im Bau.

- Finanzvermögen.

Jährliche Abschreibungen von fast 740.000 Euro

Bei der Bewertung der Gebäude zum Beispiel mussten die Studenten zunächst ermitteln, welche sich im Gemeindeeigentum befinden, wann sie gebaut oder generalsaniert wurden und wie hoch die Anschaffungs- und Herstellungskosten waren. Das gestaltete sich oft schwierig, berichtete Nölke. Mitunter musste die Bewertung nach dem Gebäudeversicherungswert erfolgen. Als Beispiel nannte sie die 1973 erbaute Toilettenanlage Igelbachstraße, die zum 31. Dezember 2019 einen Restbuchwert von einem Euro hat. Auch bei den Straßenkörpern ist die Bewertung aufwendig. Sie errechnet sich anhand von Pauschalwerten, die sich nach Art der jeweiligen Straße und ihrer Nutzungsdauer richten. Alle Loffenauer Gemeindestraßen zusammen haben einen Bilanzwert von knapp 4,4 Millionen Euro, was jährliche Abschreibungen von rund 272.000 Euro bedeutet. Insgesamt kommen die Studenten auf eine Eröffnungsbilanz von knapp 31,16 Millionen Euro mit jährlichen Abschreibungen von fast 740.000 Euro. Nur durch Darstellung und Erwirtschaftung der Abschreibungen in den laufenden Haushalten ist gewährleistet, dass nicht für jetzige Investitionen die Belastungen auf künftige Generationen verlagert werden.


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