Doch keine zweite Offenlage?

Gernsbach (stj) – Die CDU-Fraktion im Gemeinderat fragt bei Bürgermeister Julian Christ nach dem aktuellem Sachstand auf dem Pfleiderer-Areal – und erinnert ihn an zwei Versprechungen.

Die alten Fabrikhallen auf dem Pfleiderer-Areal sind dem Erdboden gleichgemacht. Die Stadtverwaltung arbeitet „mit Hochdruck“ am Bebauungsplanverfahren. Foto: Willi Walter

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Die alten Fabrikhallen auf dem Pfleiderer-Areal sind dem Erdboden gleichgemacht. Die Stadtverwaltung arbeitet „mit Hochdruck“ am Bebauungsplanverfahren. Foto: Willi Walter

Von Stephan Juch

Nach dem ersten symbolischen Baggerbiss „Im Wörthgarten“ ging es auf dem ehemaligen Pfleiderer-Areal schnell: Ein paar Wochen nach dem 29. Januar waren die alten Fabrikhallen, in denen einst unter anderem Bahnschwellen mit dem hochgiftigen Quecksilber-Chlorid behandelt wurden, schon dem Erdboden gleichgemacht. Seither hat sich vordergründig aber nichts mehr getan. Im Gemeinderat wartet man jetzt auf die nächsten Schritte. Derer gilt es nämlich noch einige zurückzulegen, bis dem Investor die Baugenehmigung erteilt werden kann.

Das umstrittene Bebauungsplanverfahren nach Paragraf 13 a Baugesetzbuch (beschleunigtes Verfahren) muss noch zum Satzungsbeschluss geführt werden. Auf diesem Weg hatte Bürgermeister Julian Christ versprochen, eine zweite Offenlage durchzuführen, auch einen freiwilligen Umweltbericht wollte er erstellen lassen. Unter anderem danach erkundigte sich in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats die CDU-Fraktion und stellte folgende Fragen:

Verwaltung „arbeitet unter Hochdruck am Verfahren“

Wann findet die zweite Offenlage statt, die der Bürgermeister zugesagt hat? Wie ist der Zeitplan für die Offenlage? Im Gespräch mit der Fraktion hat der Bürgermeister darüber informiert, dass die Stadtverwaltung einen freiwilligen Umweltbericht erstellt. Wann wird dieser dem Gemeinderat vorgelegt?

Gibt es bereits Pläne für die weiteren Bauschritte auf dem Gelände? Wann wird damit begonnen?

Welches Ergebnis hat die FFH- (Flora-Fauna-Habitat) Verträglichkeitsprüfung auf dem Areal „Im Wörthgarten“? Wann und wo wurde es veröffentlicht?

Für den Hochwasserschutz muss der Boden auf einer bedeutsamen Fläche abgetragen werden. Wie stark ist diese Fläche belastet?

Im Sommer 2019 wurden Probeschürfungen durchgeführt. Welches sind die Ergebnisse? Wann und wo wurden diese veröffentlicht?

Antworten lieferte Bürgermeister Julian Christ ad hoc keine. Er wies lediglich darauf hin, dass noch gar nicht entschieden sei, ob es überhaupt zu einer zweiten Offenlage kommen wird. Eine solche ist im beschleunigten Verfahren keine Pflicht, genauso wenig wie ein Umweltbericht. Der Bürgermeister versicherte aber, dass die Verwaltung „unter Hochdruck“ am Verfahren arbeite. Es sei ohnehin beabsichtigt, den Gemeinderat umfangreich über den Sachstand zu informieren, wobei dann auch die von der CDU gestellten Fragen beantwortet werden – zum Teil von externen Experten. Ein genauer Zeitplan existiere aber noch nicht.

Derzeit mit Abstand größtes Bauvorhaben im Murgtal

Beim „Wörthgarten“ handelt es sich um das aktuell mit Abstand größte Bauvorhaben im Murgtal. 62 Millionen Euro investiert die Firmengruppe Krause (Bayreuth) eigenen Angaben zufolge, um das kontaminierte Pfleiderer-Areal in einen Nutzungsmix aus Vollsortimenter (Edeka) und Discounter (Lidl) sowie Gewerbe, Büro, Einzelhandels- und Wohnbauflächen zu verwandeln. Seit Mai 2016 arbeitet Krause daran, die rund 25 000 Quadratmeter große Nutzfläche eingangs der Stadt zu reaktivieren, die das Unternehmen der insolventen Pfleiderer Infrastrukturtechnik GmbH abgekauft hat.


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