Eine schwierige Mission in Ottenau

Gaggenau (tom) – Zu reichlich später Stund’, um 20 Uhr. trat der Gemeinderat zur öffentlichen Sitzung zusammen. Zuvor besuchte das Gremium drei Betriebe – nichtöffentlich.

In der rot umrandeten Fläche wollen drei Unternehmen erweitern. Doch im Wettstreit um die dort verfügbaren freien Flächen scheint derzeit keine Lösung in Sicht. Das Luftbild stammt aus dem Jahr 2018. Foto: Willi Walter

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In der rot umrandeten Fläche wollen drei Unternehmen erweitern. Doch im Wettstreit um die dort verfügbaren freien Flächen scheint derzeit keine Lösung in Sicht. Das Luftbild stammt aus dem Jahr 2018. Foto: Willi Walter

Von Thomas Senger

Zu reichlich später Stund’, um 20 Uhr. trat am Montagabend der Gemeinderat zur öffentlichen Sitzung zusammen. Diese zweistündige geplante Verspätung hatte ihren Grund; denn zuvor stattete das Gremium nacheinander drei Betrieben einen Besuch ab – nichtöffentlich.

Diese drei Unternehmen verbindet nicht nur die unmittelbare Nachbarschaft zueinander, sondern auch ein akuter Platzbedarf aufgrund ihrer bisherigen guten wirtschaftlichen Entwicklung. Aber die noch zur Verfügung stehenden Freiflächen im Industriegebiet entlang von Selbacher Straße, Max-Roth-Straße und Pionierweg sind begehrt, und es ist kein Geheimnis in Ottenau und in der Gaggenauer Kommunalpolitik, dass die Unternehmen sich hier derzeit in einer konkurrierenden Situation befinden.

Darum sollte es aber gestern Abend beim Besuch der Stadträte keinesfalls gehen, betonte Marco Krug auf BT-Anfrage. Mit seinem Bruder Christian und Vater Reiner Krug bildet er die Geschäftsführung der Großmetzgerei Krug. „Wir stellen nur den Betrieb vor“, erläuterte Marco Krug. Umsatz- und andere Kenngrößen sollten dabei unterstreichen, dass sich das Unternehmen nach wie vor auf Wachstumskurs befinde. Rund 105 Mitarbeiter werden derzeit beschäftigt. Die lange geplante Erweiterung auf das ehemalige Nachbargrundstück der Firma Ludwig Baumaschinen werde im Frühjahr baulich abgeschlossen sein.

Zu anstehenden Grundstücksfragen wollte sich Krug gestern im BT-Gespräch nicht äußern.

Giuseppe Casa ist Inhaber des Lebensmittel-Einzel- und Großhandels Pronto Casa. „Wir sind die Nummer eins als italienisches Lebensmittelgeschäft von Mannheim bis nach Lörrach“, sagt er stolz. Auch sein Unternehmen sei auf Expansionskurs und deshalb interessiert an einer Fläche, die sich unmittelbar an sein Firmengelände anschließt.

Gemengelage nicht ganz einfach

Die – rechtliche – Gemengelage entlang dem Pionierweg scheint nicht ganz einfach. Im Hin und Her zwischen (mündlichen) Zusagen, die es vor Jahren seitens der Stadtverwaltung gegeben haben soll, möglichen Vorkaufsrechten und Bebauungsgeboten hat Casa zwischenzeitlich Nägel mit Köpfen gemacht und ein Nachbargrundstück erworben, auf der zurzeit Fahrzeuge der Metzgerei Krug geparkt werden. „Die haben einen Mietvertrag und können bis nächstes Jahr Ende März bleiben“, sagt Casa als neuer Eigentümer der Fläche.

Grundstücksfragen dürften mit Sicherheit bei Casa gestern Abend zur Sprache gekommen sein – ebenso beim Besuch des Gemeinderats bei der Nachbarin, der Electronic Concept GmbH.

Zwischen den Fronten fühlt sich dort deren Geschäftsführer Knut Mehnert. Dabei erfreue sich sein Unternehmen, das in der Entwicklung und Fertigung elektronischer Komponenten tätig ist, eines kontinuierlichen Wachstums. „Wir haben uns bereits an die städtische Wirtschaftsförderung gewandt“, bestätigt Mehnert, dass Electronic Concept weitere Flächen braucht. Falls man innerhalb der Großen Kreisstadt nicht erweitern könne, sei man gezwungen, „außerhalb von Gaggenau“ eine Lösung zu finden.

Am liebsten würde Electronic Concept auf dem unmittelbar anschließenden unbebauten Nachbargrundstück bauen. Darauf hat er aber keinen Zugriff.

50 Mitarbeiter hat Electronic Concept derzeit. Wenn die gute Entwicklung anhalte, dann, so betont Knut Mehnert, dann müsse er in spätestens zwei Jahren eine bauliche Lösung für sein Unternehmen haben.

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Erstellt:
4. Februar 2020, 00:00 Uhr
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