Forbach will stärker kontrollieren

Forbach (uj) – Manche rücken mit kompletter Campingausrüstung an. Rund um die Murg geht es bei Forbach im Sommer hoch her. Verlierer ist die Natur. Deshalb kündigt Forbach verstärkte Kontrollen an.

Idylle pur: Die Murg fließt bei Forbach durch den schmalsten Abschnitt. Nicht alle Besucher verhalten sich so diszipliniert wie diese Teilnehmer einer Flussbettwanderung. Foto: Kerstin Bausch

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Idylle pur: Die Murg fließt bei Forbach durch den schmalsten Abschnitt. Nicht alle Besucher verhalten sich so diszipliniert wie diese Teilnehmer einer Flussbettwanderung. Foto: Kerstin Bausch

Von Ulrich Jahn

Die Natur kann sich nicht selber schützen. Der Aufenthalt an der Murg soll ein Naturerlebnis bleiben. Damit dies auch in Zukunft der Fall ist, wird die Gemeinde Forbach weiter Kontrollen durchführen und bei Verstößen Verwarnungen von bis zu 50 Euro aussprechen. Denn das Freizeitverhalten einiger Besucher habe sich zum Negativen gewandelt.

Die Murg hat sich in ihrer Geschichte einen tiefen und wilden Weg durch den Granit und Buntsandstein des Schwarzwalds gegraben. Auf Forbacher Gemarkung, dem schmalsten Abschnitt in ihrem Lauf, hat sie dabei einzigartige Naturräume geschaffen, die bis heute in weiten Bereichen noch ihren ursprünglichen Charakter bewahrt haben. Dieser weitläufige Lebensraum für Tiere und Pflanzen genießt den Schutzstatus eines Landschaftsschutzgebiets und eines Flora-Fauna-Habitats auf europäischer Ebene.

Die Murg und ihre Umgebung werden seit Besiedlung des Murgtals schon immer intensiv von den hier lebenden Menschen genutzt. Waren früher Flößerei, Papierindustrie, angrenzende Heuwiesen und die Energiegewinnung die Hauptnutzer, hat in den vergangenen Jahrzehnten die Bedeutung als Naherholungsgebiet stark zugenommen. Doch gerade diese Form der Inanspruchnahme bereitet nach Angaben der Forbacher Gemeindeverwaltung zunehmend Probleme. Dabei geht es nicht um Wanderer, Radler oder Badende an sich, die jederzeit willkommen seien, diese eindrucksvolle Landschaft zu genießen, „sondern um eine Intensität der Nutzung, die jeglichen Respekt vor der Natur und dem geschützten Gebiet vermissen lässt, um eine Art der Nutzung, in der die Landschaft nur noch als Kulisse für das eigene Freizeitvergnügen dient“. Das Flussufer werde zum Strandbad, der Radweg zur Autobahn, der Straßenrand zum Großparkplatz und der Wald zum Abenteuercamp inklusive Zelt und Feuerstelle. Dies alles natürlich mit den entsprechenden Folgen für die Natur, auch hinsichtlich Verschmutzung und Müll, und für die Nutzer selbst, durch zugeparkte Rettungsgassen oder Radfahrer, die auf gesperrten Strecken durch motorisierte Fahrzeuge gefährdet werden.

Lagerfeuer hohe Gefahr für den Wald

Das Lagerfeuer mag romantisch sein und auf Instagram gut aussehen, schreibt die Gemeinde und betont: „Für den Wald ist es eine hohe Gefahr, und den unzähligen geschwärzten Steinkreisen auf hellem Granit kann man nichts Attraktives mehr abgewinnen. Schlafen unterm Sternenhimmel ist sicher erlebnisreich, aber für die Tiere, die dort ihren Lebensraum haben, ist es eine Belastung. Und warum für das Erlebnis in der geschützten Natur massenhaft mit der kompletten Camping-Ausrüstung inklusive Stühlen, Tischen, Grill, Bierkästen, Stereoanlage oder Shisha angerückt werden muss, wissen wahrscheinlich nur die Eingeweihten.“ Die Gemeinde Forbach habe aufgrund dieser Entwicklungen bereits vor einigen Jahren mit Kontrollen an neuralgischen Punkten begonnen, um Wildcamping und Falschparken in den Griff zu bekommen. Dafür werden eigenes Personal und ein Sicherheitsdienst eingesetzt.

Die zuständige Untere Naturschutzbehörde begrüßt dieses Vorgehen zum Schutze der Natur ausdrücklich. Mit der Gemeinde Forbach wurde vereinbart, dass angezeigte Verstöße gegen die naturschutzrechtlichen Vorschriften durch das Landratsamt Rastatt als Ordnungswidrigkeiten konsequent verfolgt werden. Auch der Kontrollbereich, der sich bisher vor allem südlich von Forbach befand, wurde bis zur nördlichen Gemarkungsgrenze erweitert. Dies trage einer erneuten Zunahme der illegalen Nutzungen Rechnung ebenso wie einer Verlagerung in andere Bereiche entlang der Murg, die bisher weniger im Fokus standen. Um die einzigartige Landschaft und das Naturerlebnis für alle langfristig zu erhalten, werden die Kontrollen als unumgänglich angesehen. Gleichzeitig wird an die Besucher appelliert, ihr Freizeitverhalten zu überdenken. Das Erlebnis an der Murg kann unter dem Motto „weniger ist mehr“ ganz neue, unerwartete Eindrücke vermitteln.

Im Pressetext heißt es unter anderem: „Die Murg ist nun mal kein Strandbad. Bringen Sie bitte nur das Notwendigste mit und nehmen Sie alles und besonders den Müll wieder mit.“ Es sollte in aller Interesse liegen, diesen einmaligen Abschnitt der Murg naturverträglich zu nutzen. Denn nur so könne auch künftig einem jeden dieses Erlebnis ermöglicht werden. Die Gemeinde Forbach wird in Abstimmung mit Forst, Landratsamt und Polizei weiterhin Kontrollen durchführen. Die erteilten Verwarnungen können dabei je nach Verstoß bis zu 50 Euro betragen, gravierende Verstöße können ein Bußgeld, ein abgeschlepptes Fahrzeug oder ein Strafverfahren nach sich ziehen. „Lassen Sie uns alle gemeinsam diesen eindrucksvollen Bereich so nutzen, dass auch künftige Generationen in diesen Genuss kommen können“, heißt es abschließend.

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Erstellt:
13. August 2020, 18:00 Uhr
Lesedauer:
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M. Fritz 13.08.202023:58 Uhr

Erst als Geheimtipp offerieren, warten wie alles seinen gewohnten Lauf nimmt und dann den Zeigefinger hochhalten... Liebes BT, SWR3 usw. ihr seit mir die Richtigen. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.


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