Gemeinsam auf dem Weg zur Nummer zehn

Gernsbach (ueb) – Die Initiativgruppe Bioregion Mittelbaden-Elsass hat bei einem Treffen in Gernsbach den Antrag vorbereitet, mit dem sie zur zehnten Musterregion des Landes werden wollen.

Vernetzungstreffen im historischen Ambiente des Alten Gernsbacher Rathauses: Rainer Iselin (von links), Christoph Werner, Helga Decker und Stefan Grosser. Foto: Uebel

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Vernetzungstreffen im historischen Ambiente des Alten Gernsbacher Rathauses: Rainer Iselin (von links), Christoph Werner, Helga Decker und Stefan Grosser. Foto: Uebel

Von Dagmar Uebel

Dass Konsumenten immer größeres Interesse an ökologisch erzeugten landwirtschaftlichen Produkten (bestenfalls regional erzeugt) haben, ist bekannt. Dieser schon seit geraumer Zeit wirkende Sinneswandel der Endverbraucher, der in gegenwärtigen Corona-Zeiten sogar einen Anstieg erlebt, entspricht genau dem, was auch viele Erzeuger wollen. Neben Müllern, Gärtnern, Landwirten, Händlern und Gastronomen, Tierhaltern und Tourismusvertretern betrifft er auch die regionalen Streuobstwiesenbauern, Imker oder Winzer.

„Wir werden der Nachfrage nach biologischem Obst, Gemüse, Getreide und Fleisch aus ökologischer Tierhaltung nur gerecht, wenn wir Erfahrungen austauschen, über Probleme reden, nach Lösungen suchen und uns vernetzen.“ Diesen Überlegungen bei den ersten beiden Erzeugertreffen in Bühl-Weitenung und in Oberkirch-Haslach folgte die Einladung der Sprecherin der Initiativgruppe Bio-Musterregion Mittelbaden-Elsass, Helga Decker, zu einem Arbeits- und Vernetzungstreffen mitten in den Weinbergen am Staufenberger Grossenberg.

Dass das im Alten Rathaus dann doch besser aufgehoben war, lag am Wetter. Zugleich war der Ortswechsel eine Steilvorlage für Winzer Rainer Iselin, der zusammen mit seiner Frau Sara schon seit den 70er Jahren auf Artenvielfalt, den Verzicht auf chemisch-synthetische Stoffe setzt. Mit der Feststellung, dass die Beteiligten eine Umstellung auf rein ökologische Bewirtschaftung nicht im Alleingang schaffen können, stand der Winzer nicht alleine. „Nur wenn wir gemeinsam eventuelle Lasten tragen, dabei ein gemeinsames Ziel verfolgen, können wir die Umwelt schonen und der Ernährung den ihr gebührenden Stellenwert erkenntlich machen.“

In ihrer einführenden Rede betonte Decker: „Wir importieren die Lebensmittel aus anderen Regionen Deutschlands und aus dem Ausland, anstatt sie hier vor Ort zu erzeugen. Wir haben die besten Böden Deutschlands und das größte unterirdische Trinkwasserreservoir Europas. Das müssen wir gemeinsam nutzen und vor allem schützen!“

Mitmach-Erklärung unterzeichnet

Der Bedarf, in Gruppengesprächen über die Stärken zu reden, Schwächen aufzuzeigen und nach gemeinsamen Wegen einer Optimierung zu suchen, erwies sich bei den Winzern, Imkern und Obstbauern während des Treffens als groß. Am Ende wurden schließlich die Argumente für einen Antrag ausgetauscht, mit dem man zur zehnten Bio-Musterregion in Baden-Württemberg werden könnte. Bis November soll dieser an das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz eingereicht sein. Damit sei auch die Finanzierung eines regionalen Bio-Managements verbunden, um vorhandene Ansätze zu erkennen und weiterzuentwickeln.

In einer Mitmach-Erklärung wurden der Istzustand verschiedener Bereiche analysiert, Interessengebiete festgestellt, nach Finanzierungsmöglichkeiten, Vernetzung untereinander, Verbindungen zur Öffentlichkeitsarbeit und zur Bildung erfragt. Dass die Scheu vor ungewolltem Datentransfer unbegründet sei, erklärte Stefan Grosser, der Organisator der Veranstaltung. „Wir brauchen ihren Input, um wirksam werden zu können“, betonte Grosser. Als Mitglied des Zeller-Mühlen-Teams (Ottersweier) setzt er sich neben dem klassischen Weizen für die Erhaltung ursprünglicher Getreidearten (Dinkel, Emmer, Einkorn und Waldstaudenroggen) ein.

Um dem grenzüberschreitenden Gedanken Leben einzuhauchen, sei die Mitwirkung elsässischer Landwirte zugesagt, auch wenn am Sonntag keiner von ihnen vertreten war. Obwohl sich die Förderung durch die Regierungen und die Besteuerung unterscheiden, sei es auf Arbeitsebene durch die Bio-Bauern selbst, aber auch eine Aufgabe der deutsch-französischen Wirtschaftsorganisation, über den Rhein beiderseits „Anker zu werfen“. Das gehe in erster Linie über Personen, die bei der Initiativgruppe mitarbeiten, wie die Vorsitzende des Gemeinwohl-Forums Baden (GFB), Raphaela Riedmiller-Kuttnick-Wicht, schon während früherer Veranstaltungen betont hatte.


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