„Gute Arbeit braucht verlässlichen politischen Rahmen“

Gaggenau (red) – Auch ohne das abgesagte Maifest auf dem Gaggenauer Marktplatz habe die Gewerkschaft zum Tag der Arbeit einiges zu sagen. Dies betont Claudia Peter, die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Gaggenau, in einer Mitteilung zum 1. Mai.

Das Bild zeigt Claudia Peter 2018 bei einer Warnstreik-Kundgebung vor den Toren von Mercedes-Benz in Gaggenau.Senger/Archiv

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Das Bild zeigt Claudia Peter 2018 bei einer Warnstreik-Kundgebung vor den Toren von Mercedes-Benz in Gaggenau.Senger/Archiv

Von Thomas Senger

„In der 130-jährigen Geschichte dieses Tages gab es noch nie einen Grund wie in diesem Jahr, dass keine Kundgebung stattfindet – nämlich wegen des Gesundheitsschutzes der Menschen“, so Peter. Unter den Maßnahmen durch die Corona-Pandemie werde die Bedeutung von Arbeit besonders wichtig, und viele Unsicherheiten bereiteten den Menschen Sorgen. Claudia Peter: „Arbeit muss sicher sein, Arbeit muss gut bezahlt sein, Arbeit muss gute Arbeit sein, Arbeit braucht Zukunft und Arbeit und Leben brauchen einen verlässlichen politischen Rahmen. Dafür ist Solidarität notwendig, quer durch Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.“

Existenzängste seien aus Sicht der IG Metall nicht unberechtigt, „denn zu uns kommen aktuell schon die ersten Beschäftigten, die betriebsbedingte Kündigungen bekommen haben.“ Aus ihrer Sicht ist die Kurzarbeit ein gutes Instrument, die Beschäftigten an Bord zu halten, um möglichst bald wieder mit den Aufträgen hochfahren zu können. Auf Initiative der Gewerkschaften gebe es für Betriebe, die lange in einem hohen Ausmaß in Kurzarbeit sind, demnächst Erleichterungen: Die Zahlung von Kurzarbeitsgeld durch die Agentur für Arbeit werde schrittweise auf bis zu 80 beziehungsweise 87 Prozent erhöht.

Doch für „gute Arbeit“ sei nicht nur gute Bezahlung wichtig. Aber eine gute Bezahlung sei die Voraussetzung für ein würdevolles Leben – auch in der Rente. „Es darf bei den Pflegeberufen und in vielen Dienstleistungsbereichen nicht bei den Krisen-Lippenbekenntnissen bleiben. Sondern eine gute und gerechte Entlohnung gehört zu unserem sozialstaatlichen Selbstverständnis. Am großen Lob und Applaus für die Pflegekräfte müssen sich bei den nächsten Tarifverhandlungen Arbeitgeber und Politiker messen lassen“, fordert Peter. Zu kritischen Stimmen, ob die betrieblichen Maßnahmen nicht völlig „überspannt“ seien, sagt Peter: „Wir sind froh, dass in immer mehr Betrieben wieder gearbeitet wird. Das ist dringend notwendig. Die betrieblichen Maßnahmen sind ausdrücklich als Schutz zu sehen, nicht als Gängelung. Betriebsräte und Geschäftsleitungen machen da gerade einen sehr guten Job.“

Über die betriebliche Arbeit hinaus sieht die IG Metall jedoch erheblichen Handlungsbedarf. Zum Beispiel müsse die Politik bei der Kinderbetreuung einen verlässlichen Rahmen bieten. Bodo Seiler, der Zweite Bevollmächtigte: „Die Absprachen und Planungen für das öffentliche Leben dürfen kein Über- oder Unterbietungswettbewerb zwischen den Bundesländern sein. Eine einheitliche Strategie unter Wahrung von demokratischen Prinzipien sorgt dafür, dass notwendige Maßnahmen mitgetragen werden. Aber es muss ein Licht am Horizont ersichtlich sein, wie es weitergeht.“

Am 1. Mai wird der DGB- Landesbezirk Baden-Württemberg unter dem Motto „Solidarisch ist man nicht allein“einen Livestream mit Beiträgen unter anderem von Martin Kunzmann, Winfried Kretschmann und Roman Zitzelsberger veröffentlichen unter www.bw.dgb.de/erstermai.

Bilder und Videos zum Thema Solidarität können unter #bwsolidarisch, #dgbbw und #solidarischnichtalleine gepostet werden. Auch aus der Hauptstadt Berlin werde es einen Stream mit Politikern und Künstlern geben. Weitere Informationen und Mitmachmöglichkeiten unter:

www.dgb.de/erster-mai-tag-der-arbeit

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Erstellt:
30. April 2020, 10:48 Uhr
Lesedauer:
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