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HLA: Schülerzahlen um rund ein Viertel gesunken

Gernsbach (stj) – Trotz umfangreicher, auch außerschulischer Angebote verzeichnet die Handelslehranstalt in Gernsbach seit Jahren einen kontinuierlichen Rückgang der Schülerzahlen. Die Gründe sind vielfältig und nicht hausgemacht. Doch wie kann man da gegensteuern? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Ausschuss für Schulen und Kultur des Rastatter Kreistags in seiner nächsten öffentlichen Sitzung.

Die Studienfahrt in die USA gehört zu den besonderen Höhepunkten im Jahreskalender der HLA. Unser Foto zeigt die Teilnehmer im Vorfeld des Trips nach San Francisco und ins Silicon Valley 2018. Foto: Lauser / Archiv

© marv

Die Studienfahrt in die USA gehört zu den besonderen Höhepunkten im Jahreskalender der HLA. Unser Foto zeigt die Teilnehmer im Vorfeld des Trips nach San Francisco und ins Silicon Valley 2018. Foto: Lauser / Archiv

Von Stephan Juch

Die Handelslehranstalt (HLA) in Gernsbach ist bei ihren Schülern beliebt. Die Bildungseinrichtung in Trägerschaft des Landkreises unterbreitet neben dem alltäglichen Unterricht viele Zusatzangebote, die bei den jungen Leuten gut ankommen: etwa die jährliche Studienfahrt in die USA oder die preisgekrönten Aktivitäten in Schülerfirmen. Trotzdem ist der Zulauf vom Schuljahr 2015/2016 bis 2019/2020 kontinuierlich von 506 auf 372 um rund ein Viertel zurückgegangen. Mit der Schulentwicklung an der HLA (Analyse der Schülerzahlen und Handlungsfelder zur Sicherung der Bildungsangebote) beschäftigt sich der Ausschuss für Schulen und Kultur am Montag, 22. Juni.

Ausgangslage: Die HLA Gernsbach bietet als kaufmännische berufliche Schule im Murgtal neben kaufmännischen Ausbildungen insbesondere den Erwerb von mittleren und höheren schulischen Bildungsabschlüssen an. Im aktuellen Schuljahr besuchen 55 Prozent aller Schüler ein Berufskolleg oder die Wirtschaftsoberschule. Etwa ein Drittel absolviert eine kaufmännische Berufsausbildung, und knapp 13 Prozent befinden sich in einem berufsvorbereitenden Bildungsgang. Die sinkenden Schülerzahlen resultieren laut Sitzungsunterlagen größten Teils aus einem Rückgang in den Vollzeitbildungsgängen. Die HLA Gernsbach ist momentan die landesweit kleinste kaufmännische berufliche Schule. Eine stabile Schüler- und Klassenzahl in den einzelnen Bildungsgängen ist aber eine notwendige Bedingung für eine ausreichende Lehrerversorgung, um die eingerichteten Bildungsgänge als grundständiges Angebot für das Murgtal erhalten zu können.

Engere Bindung an Ausbildungsbetriebe

Demografische Entwicklung: Die Schülerzahlentwicklung wird unter anderem von der Entwicklung der Bevölkerungszahlen des Mittelbereichs Gaggenau-Gernsbach mitbestimmt. Dazu gehören auch die Gemeinden Forbach, Loffenau und Weisenbach. Von besonderer Relevanz sei dabei die demografische Entwicklung in der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen, in der die Bevölkerungszahl von 2015 bis 2018 um bis zu 10 Prozent zurückgegangen sei. Voraussichtlich noch mindestens fünf Jahre werde dieser Rückgang anhalten. Danach wandele sich die demografische Entwicklung wieder, sodass in etwa zehn Jahren wieder mit einem Anstieg der Schülerzahlen an beruflichen Schulen im Murgtal zu rechnen sein könnte.

Handlungsfelder: Die wesentlichen Bildungsangebote der HLA Gernsbach sind die kaufmännische berufliche Ausbildung und die Berufskollegs als Anschlussbeschulung für Jugendliche, die von der Sekundarstufe I mit Mittlerer Reife abgehen. Die Schülerzahlen waren in diesen Bildungsgängen zuletzt rückläufig. Die Landkreisverwaltung erörtert mit der Schulleitung, welche Maßnahmen zu einer Stärkung der beruflichen Ausbildung und der Berufskollegs zu unternehmen sind. Im Bereich der beruflichen Ausbildung wird eine engere Bindung der Ausbildungsbetriebe an die Schule angestrebt. Zur Stärkung der Berufskollegs sollen die Schüler in den Klassen 8, 9 und 10 der umliegenden Real- und Gemeinschaftsschulen frühzeitig eine positive Bindung zur HLA Gernsbach entwickeln können. Dazu sollen verschiedene Maßnahmen wie gegenseitige Besuche, schulische und außerschulische Projekte sowie eine verstärkte Kooperation bei Angeboten zur Berufsorientierung umgesetzt werden. Eine weitere Ausdifferenzierung des Bildungsangebots wird indes als wenig erfolgversprechend bewertet. Ein Vergleich mit anderen, eher kleineren kaufmännischen beruflichen Schulen im Land Baden-Württemberg zeige, dass Bildungsgänge, die über ein grundständiges kaufmännisches Bildungsangebot hinausgehen, an der Grenze zur Mindestschülerzahl oder darunter liegen. Daher soll der Fokus auf die Stabilisierung der bestehenden Bildungsgänge gerichtet bleiben.

Modernisierung: Der Landkreis Rastatt investierte in den Jahren 2018 bis 2020 insgesamt rund 2,2 Millionen Euro in die HLA Gernsbach, unter anderem zur Herstellung von Barrierefreiheit und demnächst auch für den Anbau eines Aufzugs. Weitere Investitionen in eine strukturierte Verkabelung und die Ausstattung der Schule mit zusätzlichem WLAN und digitalen Endgeräten sind in diesem Jahr geplant oder sollen in die Haushaltsplanungen der kommenden Jahre eingebracht werden. Im aktuellen Schuljahr startete im Berufskolleg für Wirtschaftsinformatik die erste Tabletklasse.

Hoffnung: Zuletzt bleibe die Hoffnung, dass die sich azyklisch zur Konjunkturentwicklung verhaltenden Bildungsgänge wie das Berufskolleg zum Erwerb der Fachhochschulreife und die Wirtschaftsoberschule einen Beitrag dazu leisten, die Schülerzahlen an der HLA zu stützen. Die Landkreisverwaltung ist mit der Schulleitung im Gespräch, um in Abstimmung mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe Maßnahmen zu entwickeln, damit dieses Ziel erreicht werden kann.

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Erstellt:
19. Juni 2020, 11:05 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 59sec

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