IG Metall: „Wohlstand hängt am Fahrzeugbau“

Gaggenau (red) – Die Beschäftigten im Bereich der IG Metall Gaggenau haben Zukunftssorgen: um ihre Arbeitsplätze und die weitere Einkommensperspektive. Dies berichtet Claudia Peter. Sie ist erste Bevollmächtigte der IG Metall Gaggenau.

„Eine Lobbyarbeit für die Beschäftigten“ mahnt Claudia Peter an, die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Gaggenau. Foto: Daniel Karmann/dpa

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„Eine Lobbyarbeit für die Beschäftigten“ mahnt Claudia Peter an, die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Gaggenau. Foto: Daniel Karmann/dpa

Von Thomas Senger

Hintergrund sei die zwischenzeitliche Dimension der Pandemie-Krise. Entgegen ersten Einschätzungen normalisiere sich das Auftragsvolumen aktuell nur auf einem niedrigen Niveau. „Je länger das geht und je länger die Beschäftigten in Kurzarbeit sind, desto größer sind deswegen die Ängste“, erläutert Claudia Peter.

Kritisch sehe man deshalb auch das Thema Kaufprämie für Autos aus dem Konjunkturpaket. In der Region bestehe eine Abhängigkeit vom Fahrzeugbau und vom Verbrennungsmotor: „Der Wohlstand der Menschen und Kommunen hier hängt unmittelbar am Fahrzeugbau. Für uns gehören jedoch Arbeitsplätze und Umwelt zusammen. Neue Verbrennungsmotoren sind wesentlich umweltschonender als alte.“

Deswegen sieht die IG Metall einen direkten Nutzen für Arbeitsplätze und Umweltschutz, wenn eine Kaufprämie den C02-Ausstoß berücksichtigt. „Wenn wir kritisieren, dass es im Konjunkturpaket keine Kaufprämie auch für neue Verbrenner gibt, dann ist das Lobbyarbeit für die Beschäftigten und nicht für die Autokonzerne“, betont Peter. Eine Kaufprämie habe einen unmittelbaren und schnellen Effekt für die große Anzahl von Produktionsbeschäftigten.

Über dieses Thema hinaus bescheinigt die IG Metall Gaggenau der Bundesregierung, in der mittel- und langfristigen Sicht ein ausgewogenes Konjunkturpaket geschnürt zu haben. Es seien viele soziale Aspekte berücksichtigt worden. Dazu zählen der Kinderbonus, die Zusagen für Schulen und Kitas, Investitionen ins Gesundheitssystem und die Deckelung der Sozialversicherungssumme.

Wichtig für die Zukunft des Landes seien unter anderem die Investitionen in Digitalisierung, Ladestationen, Netzausbau oder auch Investitionen in neue Antriebsmöglichkeiten. „Wenn die Senkung der Mehrwertsteuer auch tatsächlich überall weitergegeben wird, nutzt sie ebenfalls allen“, so Peter.

Zwischenzeitlich mehren sich aus der Perspektive der IG Metall Anzeichen, dass die Arbeitgeber „mit ihren üblichen angeblichen Krisenbewältigungsmitteln unterwegs sind. Dazu zählen das Infragestellen von tariflichen Leistungen oder auch Personalabbau.“ Die IG Metall will dazu Widerstand leisten und positioniert sich für stabile Beschäftigung, Stabilität in den Einkommen und eine gute Vereinbarkeit von Familienarbeit und Erwerbsarbeit.

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Erstellt:
10. Juni 2020, 11:25 Uhr
Lesedauer:
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