Kanalsanierung in Selbach ohne Aufgraben

Gaggenau (red) – Die Stadt Gaggenau hat mit dem sogenannten Schlauchliningverfahren in Selbach die Abwasserkanäle erneuert – und mit diesem Verfahren eigenen Angaben zufolge viel Geld gespart.

Kostengünstiges und effizientes Sanieren von Abwasserkanälen in Selbach. Foto: Abwasserverband Murg/Thomas Buchta

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Kostengünstiges und effizientes Sanieren von Abwasserkanälen in Selbach. Foto: Abwasserverband Murg/Thomas Buchta

Die Erwartungshaltung ist klar: Abwasserkanäle müssen funktionieren. Doch nichts hält ewig. An den vor Jahrzehnten eingebauten Abwasserkanälen nagt der Zahn der Zeit. Kaputte Abwasserkanäle müssen saniert werden. Doch wie weiß man um den Zustand der Abwasserkanäle?

Alle zehn Jahre müssen, so schreibt es die Verordnung des Umweltministeriums von Baden-Württemberg vor, Kanäle mit untersucht werden. Zu dieser Inspektion werden selbstfahrende Kameras eingesetzt. Alle Kanalschäden werden so dokumentiert. Anschließend werden die festgestellten Schäden durch einen Fachingenieur beurteilt. Die dokumentierten Schäden werden, ähnlich Schulnoten, in Zustandsklassen eingeteilt. Es werden Prioritäten mit dem Ziel einer langfristigen Sanierungsstrategie aufgestellt: Gravierende Schäden müssen innerhalb kurzer Zeit behoben werden. Kanäle mit nachrangigen Schäden werden dann erst in ein paar Jahren saniert.

Das Handling mit dem Aushub wird immer schwieriger, da die gesetzlichen Auflagen sehr hoch sind

Das Auswechseln von in einigen Metern tief verlegten Kanalrohren ist sehr teuer. Der Bagger arbeitet über Wochen in einer Straße. Das Handling mit dem Aushub wird immer schwieriger, da die gesetzlichen Auflagen sehr hoch sind. Thomas Buchta vom Abwasserverband Murg setzt bei der Kanalsanierung deshalb auf die modernen und vielfach erprobten Möglichkeiten der geschlossenen Bauweise. Auch in der Tiefbauabteilung der Stadt Gaggenau weiß man um die Vorteile von Kanalsanierungsmaßnahmen, bei denen ein Aufgraben vermieden werden kann.

In Selbach kam deshalb jüngst das „Schlauchliningverfahren“ zum Einsatz. Nach Mitteilung von Gerhard Renz vom planenden Ingenieurbüro ISAS besteht so ein Schlauchliner im Wesentlichen aus Glasfasergewebe, das mit Harz getränkt wurde. Eine Folie, je außen und innen, sorgt dafür, dass das Harz nicht davonläuft. Ein Schlauchliner ist mehrere Millimeter dick. Die exakte Wandstärke des Schlauchliners wird statisch berechnet. Er wird in das alte Kanalrohr eingezogen und aufgeblasen. Der Liner liegt nun direkt am Altrohr an und wird mit Dampf ausgehärtet. Das so neu entstandene Rohr wird die nächsten 50 Jahre halten, vermutlich noch etwas länger, heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Gaggenauer Rathaus. Bis zu 100 Meter Abwasserkanäle können so an einem Tag saniert werden. Beim Einbauvorgang werden durch den Schlauchliner die einmündenden Anschlussleitungen für kurze Zeit verschlossen. Um die Entwässerung der Haushalte wiederherzustellen, werden die verdeckten Einmündungen der Anschlusskanäle mit einem Fräsroboter geöffnet. Die aufgefrästen Anschlüsse werden zeitverzögert, mittels Verpressung durch einen anderen Roboter, an den Inliner angebunden. Die Kanalsanierungsarbeiten wurden von der Firma Aarsleff Rohrsanierung GmbH, einem bundesweit agierenden Kanalsanierungsunternehmen, durchgeführt. Das Auftragsvolumen in Selbach betrug 235.000 Euro. Ein Auswechseln der Kanäle mit dem Bagger hätte das Fünffache gekostet, informiert die Stadt abschließend.


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