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„Katastrophenfall kann jederzeit eintreten“

Gernsbach (ham) – Kurz vor dem „Jahrhunderthochwasser“ in Gernsbach am 14. und 15. Februar 1990 haben Anwohner entlang des Ufers die „Interessengemeinschaft Murghochwasser“ gegründet. In einem Schreiben bitten sie Bürgermeister Julian Christ um Lösungen. Das Stadtoberhaupt sieht im BT-Gespräch ebenfalls Handlungsbedarf und berichtet von neun Maßnahmen, die Abhilfe schaffen könnten.

Die Stadtbrücke trägt mit ihren vier Pfeilern dazu bei, dass sich in Gernsbach Hochwasser staut. Foto: Juch/Archiv

© stj

Die Stadtbrücke trägt mit ihren vier Pfeilern dazu bei, dass sich in Gernsbach Hochwasser staut. Foto: Juch/Archiv

Von Hartmut Metz

„Das kleine Flüsschen wird über Nacht zu einem reißenden Strom“ und „Hoffen und Bangen: Hält die Stadtbrücke?“: Die beiden Schlagzeilen stammen aus dem Badischen Tagblatt 1990, als heute vor 30 Jahren am 14. und 15. Februar die Murg in Gernsbach einmal mehr über die Ufer schwappte. Keller wurden überflutet, die Anwohner kämpften verzweifelt mit Eimern gegen die Wassermassen.
Die einst als „Jahrhundertwasser“ klassifizierte Flut mit einem neuen Höchststand an der Stadtbrücke gilt mittlerweile „nur noch“ als „20-jährliches Ereignis“ – klingt harmloser, aber bedeutet gleichzeitig, dass die Murg rechnerisch alle zwei Jahrzehnte die Gestade der Murgtal-Perle ähnlich überspült und für erhebliche Schäden sorgt. Entsprechend treibt die Anwohner die Furcht um – und sie versuchen sich mit Pumpen und Sandsäcken zu wappnen. Zudem gründeten einige deshalb die „Interessengemeinschaft Murghochwasser“ (IGM).

In einem Schreiben, das dem BT vorliegt, bitten sie Bürgermeister Julian Christ um ein Gespräch und rasche Maßnahmen. Sie fordern die Stadtverwaltung auf, „Lösung zu finden in Bezug auf das Problem Hochwasser. Den Hauptgefahrenpunkt stellt die Stadtbrücke dar. Dies konnten wir Murganlieger seit Jahrzehnten beobachten. Die Machbarkeitsstudie von Wald+Corbe weist ebenfalls darauf hin. Auch bei dem Hochwasser in den letzten Tagen hat sich das gezeigt.

Jahrhunderthochwasser kommt inzwischen alle 20 Jahre

Das Hochwasser ist nicht nur eine Gefährdung für den Bereich Schloßstraße, sondern kann ebenso für Igelbach- und Bleichstraße, Mühlgraben und den Salmenplatz zur großen Gefahr werden, wenn die Murg, aufgrund von Stauungen des in großer Menge mitgeführten Treibguts, ausbricht. Wie Sie der Studie entnehmen können, muss mit einem 100-jährlichen Hochwasser in Folge der Klimaveränderung nun alle 20 Jahre gerechnet werden.“

Die Initiatoren um Sprecher Markus Schleicher hatten bereits am 18. Dezember alle Fraktionen angeschrieben und zu einem Vor-Ort-Termin gebeten. An Christ sandten sie jetzt zudem ein Foto aus dem Jahr 1990. Weiter verweisen sie darauf, dass die Murg angesichts des Klimawandels bei einem „100-jährlichen Hochwasser sogar 790 Kubikmeter pro Sekunde“ mit sich reißen könnte. Das wäre „im Extremfall“ eine Zunahme um mehr als ein Drittel im Vergleich zu den 519 Kubikmetern anno 1990. „Wo soll dieses Wasser hin?“, fragt die IGM und möchte auf „eine Lösung drängen. Jederzeit kann der Katastrophenfall eintreten mit verheerenden Folgen für die Bürger der Stadt“.

Der Rathaus-Chef reagierte sofort auf den Brief und schlägt sich im Gespräch mit dem BT auf die Seite der IGM: „Hochwasserschutz ist ein überfälliges Thema in Gernsbach. Das zeigen die Ereignisse der Vergangenheit“, betont Christ. Für Gespräche stehe er natürlich zur Verfügung. Verwundert zeigte sich der Schultes allerdings in diesem Zusammenhang darüber, dass die Fraktion der Grünen bei der nächsten Gemeinderats-Sitzung am Montag (18 Uhr) ausgerechnet in diesem Bereich rund 400000 Euro im klammen Haushalt sparen wolle. „Es handelt sich beim Hochwasserschutz um eine unserer Pflichtaufgaben. Wir sollten daher Möglichkeiten finden, an anderer Stelle zu sparen.“

Pfeiler der Stadtbrücke stauen Fluten

Ein „Gesamtpaket mit den neun wirksamsten Maßnahmen“ hat Christ bereits im Visier. Am einfachsten und schnellsten wäre der Pegel der Fluten zu senken, wenn die Murg im „Wörtgarten zehn Meter mehr Raum erhält. Das bringt allein schon 30 Zentimeter. Das ist ein Wort“, meint Christ. Zusammen mit dem Regierungspräsidium und dem Landratsamt Rastatt „müssen wir die Reihenfolge der Maßnahmen bestimmen“.

Auffälligste Maßnahme wäre der Neubau der Stadtbrücke. „Die vier Pfeiler sorgen für ein Aufstauen der Wassermassen“, benennt der Bürgermeister das Hauptproblem. Dieses zu beseitigen, wäre jedoch „kein Pappenstiel“. Die eigene schlechte Kassenlage ist hierbei sogar nebensächlich: „Die Stadtbrücke gehört dem Land Baden-Württemberg.“


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